Medikamentöse Behandlung bei Parkinson-Krankheit

Foto von Medikament (PantherMedia / Andriy Popov) Eine Behandlung mit Medikamenten kann Parkinson-Beschwerden lindern. Wenn die Erkrankung fortschreitet, lässt die Wirkung der Medikamente jedoch nach – und ihre Nebenwirkungen werden belastender. Die medikamentöse Behandlung ist sehr individuell und muss häufig angepasst werden.

Bei der Parkinson-Krankheit wird im Gehirn zu wenig Dopamin hergestellt, das ein wichtiger Botenstoff ist. Der Dopaminmangel führt dazu, dass Nervenreize schlechter übertragen werden. In der Folge kommt es zu Bewegungsstörungen und anderen Beschwerden. Parkinson-Medikamente sollen den Dopaminmangel im Gehirn ausgleichen. Dadurch können die Beschwerden abnehmen. Die Krankheit heilen können die Mittel jedoch nicht.

Medikamente können die Beschwerden besonders im Frühstadium der Erkrankung deutlich lindern. Mit dem Fortschreiten der Erkrankung wird auch die Behandlung schwieriger. Zudem können teils belastende Nebenwirkungen auftreten.

Wie wird die Parkinson-Krankheit im Frühstadium behandelt?

Zur Behandlung von Parkinson im Frühstadium stehen vor allem drei Medikamentengruppen zur Verfügung:

  • Levodopa (L-Dopa): wird im Gehirn zu Dopamin umgewandelt.
  • Dopaminagonisten: regen die für die Aufnahme von Dopamin zuständigen Bindungsstellen (Rezeptoren in den Nervenzellen) an.
  • MAO-B-Hemmer (Monoaminooxidase-B-Hemmer): blockieren den Abbau von Dopamin im Gehirn.

Im Frühstadium kommen manche Menschen mit leichten Beschwerden auch gut ohne Medikamente aus. Wenn die Symptome irgendwann zu belastend werden, kommen vor allem Levodopa oder Dopaminagonisten infrage. Sie wirken etwas unterschiedlich, und manche Mittel führen häufiger zu Nebenwirkungen als andere, oder die Nebenwirkungen sind stärker. Beide sind aber im Frühstadium der Erkrankung sehr wirksam. Viele Menschen mit Parkinson sind dadurch zumindest für einige Jahre weitgehend beschwerdefrei.

Wie erfolgreich die Behandlung ist, lässt sich schwer vorhersagen. Die Medikamente wirken nicht bei jedem Mensch gleich – und manchmal dauert es, bis die passende Dosis gefunden ist. Eine spürbare Wirkung setzt meist innerhalb von ein bis zwei Wochen nach Beginn der Behandlung ein: Bewegungen fallen wieder leichter, die Steifheit nimmt ab. Solche Beschwerden können bis zu drei Monate nach Beginn der Behandlung noch weiter abnehmen. Das Zittern ist oft schwieriger zu behandeln. Manchmal verschwindet es erst nach Monaten oder sogar Jahren der medikamentösen Behandlung.

Es wird empfohlen, die Medikamente immer zu einer bestimmten Uhrzeit einzunehmen. Außerdem sollte L-Dopa nicht früher als eine Stunde vor oder nach eiweißreichen Mahlzeiten eingenommen werden. Denn eiweißreiche Nahrung kann die Aufnahme von L-Dopa ins Blut stören.

Bei geringen Beschwerden stehen als Alternative auch sogenannte MAO-B-Hemmer zur Verfügung. MAO-B-Hemmer können Beschwerden lindern und die Notwendigkeit für die Einnahme von Levodopa für einige Monate verzögern. Sie sind allerdings nicht so wirksam wie Levodopa oder Dopaminagonisten und zur alleinigen Behandlung stärkerer Beschwerden nicht geeignet.

Die Medikamente werden meist in Tablettenform eingenommen. Bestimmte Dopaminagonisten gibt es auch als Pflaster.

Häufig bleibt es nicht bei der Einnahme eines Medikaments. Wenn sich die Beschwerden nicht ausreichend kontrollieren lassen oder Nebenwirkungen zu stark werden, wechseln viele Menschen das Medikament oder nehmen ein neues hinzu.

Levodopa oder Dopaminagonisten?

Die Behandlung wird oft mit nur einem Medikament begonnen. Am wirksamsten sind Levodopa und Dopaminagonisten. Beide haben jeweils Vor- und Nachteile, die bei der Entscheidung für eine Behandlung eine wichtige Rolle spielen.

Dopaminagonisten werden meist Menschen unter 60 bis 70 Jahren empfohlen, um das Auftreten von Bewegungsstörungen hinauszuzögern. Zu Levodopa wird besonders älteren Menschen geraten, weil es verträglicher ist. Manche Menschen nehmen auch von Anfang an eine Kombination aus Levodopa und Dopaminagonisten ein.

Vorteile von Levodopa: Vorteile von Dopaminagonisten:
  • lindert die Parkinson-Beschwerden besser als Dopaminagonisten
  • hat weniger Nebenwirkungen als Dopaminagonisten
  • ist besonders für ältere Menschen verträglicher als Dopaminagonisten
  • können das Auftreten von Bewegungsstörungen wie plötzliches Erstarren oder unkontrollierte Bewegungen hinauszögern

In mehreren Studien wurde untersucht, wie sich die anfängliche Behandlungsentscheidung „Levodopa oder Dopaminagonist“ längerfristig auswirkt. Zum Beispiel zeigten die Ergebnisse einer großen Studie nach sieben Jahren:

  • Etwa 50 von 100 Menschen hatten die anfängliche Behandlung mit einem Dopaminagonisten abgebrochen, weil Nebenwirkungen zu belastend waren oder die Wirkung nicht ausreichte.
  • Dagegen hatten zum selben Zeitpunkt nur 7 von 100 Menschen die anfängliche Behandlung mit Levodopa abgebrochen.
  • Bei 33 von 100 Menschen, die die Behandlung mit einem Dopaminagonisten begonnen hatten, kam es zu unkontrollierten Bewegungen.
  • Dagegen kam es bei 36 von 100 Menschen, die mit Levodopa begannen, zu unkontrollierten Bewegungen.

Die weit überwiegende Zahl der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer war 60 Jahre und älter.

Welches Medikament sich für die verschiedenen Altersgruppen am ehesten eignet, ist derzeit schwer zu beurteilen. So kann es durchaus auch für Menschen unter 70 Jahren gute Gründe geben, direkt mit Levodopa zu beginnen. Für die persönliche Entscheidung ist es wichtig, die Vor- und Nachteile der Medikamente gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt abzuwägen. Denn neben dem Alter spielen immer noch andere Dinge eine Rolle, wie die Stärke der Beschwerden oder die Sorge um bestimmte Nebenwirkungen.

Welche Nebenwirkungen haben die Medikamente?

Grundsätzlich gilt: Das Risiko für Nebenwirkungen hängt davon ab,

  • welches Medikament eingenommen wird,
  • wie hoch die Dosis ist,
  • wie anfällig jemand für Nebenwirkungen ist (zum Beispiel aufgrund anderer Erkrankungen oder des Alters), und
  • welche weiteren Medikamente eingenommen werden.

Dopaminagonisten sind im Allgemeinen schlechter verträglich als Levodopa. Sie führen häufiger zu folgenden Nebenwirkungen: Wassereinlagerungen, Schläfrigkeit, Verstopfung, Schwindel, Halluzinationen, Übelkeit. Menschen, die Dopaminagonisten einnehmen, neigen dadurch eher dazu, die Behandlung abzubrechen oder Medikamente unregelmäßig einzunehmen.

Mögliche Nebenwirkungen von Levodopa sind: Übelkeit, Appetitlosigkeit, Schwindel, gesteigerter Antrieb, Depression, Verwirrtheit. Bei hohen Dosen können auch Bewegungsstörungen auftreten. In niedrigen Dosen wird Levodopa meist gut vertragen.

Besonders ältere Menschen können auf beide Medikamente mit Halluzinationen und Verwirrtheit reagieren. Es kann auch impulsives, zwanghaftes Verhalten auftreten wie etwa eine Kauf- oder Spielsucht, ein Drang nach Essen oder auch nach Sex – oder ständig wiederholte, ziellose Tätigkeiten wie das Ordnen von Gegenständen.

Da die Beschwerden in späteren Krankheitsstadien zunehmen, wird meist auch die Dosis der Medikamente erhöht. Dadurch kommt es auch zu mehr Nebenwirkungen. Oft nehmen Menschen mit Parkinson gegen die Nebenwirkungen oder andere Beschwerden dann weitere Medikamente ein. Dies erhöht wiederum das Risiko für Wechselwirkungen. Manchmal wiegt die Belastung durch die Nebenwirkungen sogar schwerer als der Nutzen der Medikamente. Dann kann es sinnvoll sein, die Dosis wieder zu verringern oder bestimmte Medikamente wegzulassen, anstatt immer neue zu nehmen.

Was kann man tun, wenn die Wirkung der Medikamente nicht mehr ausreicht?

Nach fünf Jahren Medikamenten-Behandlung spüren etwa 20 bis 40 von 100 Menschen mit Parkinson, dass die Wirkung der Mittel nachlässt. Sie beginnt dann stark zu schwanken. Mal können sich die Betroffenen gar nicht mehr bewegen, dann wieder ganz normal. Es können auch unwillkürliche Bewegungen auftreten. Letzteres ist eine Nebenwirkung der Medikamente und ein Zeichen dafür, dass in manchen Hirnregionen zu viel Dopamin vorhanden ist.

Ein Ziel der Behandlung ist es dann, wieder eine möglichst gleichmäßige Wirkung der Medikamente herzustellen. Dazu kann man

  • die Einnahmezeiten und die Häufigkeit der Einnahme ändern,
  • Retard-Tabletten einnehmen,
  • Dosierungen ändern und zusätzliche Medikamente wie COMT-Hemmer, Amantadin oder MAO-B-Hemmer einnehmen,
  • zusätzlich zu Levodopa einen Dopaminagonisten einnehmen.

Durch die Einnahme zusätzlicher Medikamente kann sich die Beweglichkeit wieder verbessern. Es kommt auch seltener zu plötzlicher Bewegungsunfähigkeit. Wie schon beschrieben, können mit mehr Medikamenten auch mehr Nebenwirkungen auftreten.

Damit das Mittel gleichmäßig wirkt, kann auch eine Medikamentenpumpe eingesetzt werden. Dabei kann der Wirkstoff zum einen über eine tragbare Pumpe kontinuierlich unter die Haut (subkutan) gespritzt werden – ähnlich wie bei einer Insulinpumpe. Eine zweite Möglichkeit kommt infrage, wenn wegen Schluckstörungen eine Ernährungssonde nötig ist. Sie wird durch die Bauchwand direkt in den Magen gelegt (sogenannte PEG-Sonde). Über diese Sonde kann auch eine Pumpe angeschlossen werden, die den Wirkstoff direkt in den Dünndarm abgibt.

Im Verlauf der Erkrankung bekommen viele Menschen belastende Begleitbeschwerden wie Verdauungsbeschwerden, Kreislaufprobleme, Schlafstörungen, Depressionen oder eine Demenz. Sie machen oft weitere Behandlungen nötig. Auf mögliche Wechselwirkungen der verschiedenen Medikamente zu achten, wird dann immer wichtiger.

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