Einleitung

Foto von Mann beim Lesen des Beipackzettels (PantherMedia / imagepointfr) Medikamente können verschiedene Nebenwirkungen verursachen. Dazu gehören auch allergische Reaktionen. Bei einer allergischen Reaktion ist das Immunsystem beteiligt: Es sieht Bestandteile des Arzneimittels als Fremdstoff an und wehrt sich dagegen. Bei einer Unverträglichkeit kann ein Medikament vom Stoffwechsel nicht richtig verarbeitet werden.

Menschen mit einer Medikamentenallergie ist oft unklar, welche Mittel sie noch einnehmen können und welche nicht. Für ein benötigtes Medikament Alternativen zu finden, ist zudem nicht immer leicht. Durch eine Medikamentenallergie kann es deshalb nicht nur zu akuten Beschwerden, sondern auch zu verzögerten Behandlungen kommen. Manche Menschen müssen auf weniger wirksame Medikamente ausweichen.

Symptome

Zu allergischen Reaktionen kommt es meist innerhalb der ersten Stunde nach Medikamenteneinnahme. Es gibt jedoch auch Spätreaktionen, die erst nach Stunden, Tagen oder sogar Wochen auftreten.

Mögliche Beschwerden bei einer Sofortreaktion sind:

  • Rötung und Überwärmung der Haut
  • Hautausschlag mit Flecken
  • Quaddelbildung (Nesselsucht)
  • Juckreiz
  • Schwellungen der Schleimhäute
  • Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme).

Bei einer schweren Reaktion (anaphylaktischer Schock) kann es auch zu Atemnot, Bewusstseinsstörungen oder sogar Kreislaufstillstand kommen.

Spätreaktionen treten meist innerhalb weniger Tage auf, selten mit bis zu zwei Wochen Verzögerung. Sie können mit Hautausschlag und Fieber einhergehen. Selten kommt es zu schweren Reaktionen, bei denen Organe geschädigt werden können, sich die Haut großflächig ablöst oder das Gesicht stark anschwillt.

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Ursachen und Risikofaktoren

Zu den häufigsten Auslösern von Medikamentenallergien zählen:

Bei Medikamenten, die über Infusionen, Spritzen oder über die Haut aufgenommen werden, treten allergische Reaktionen eher auf als bei der Einnahme über den Mund. Zu schweren Reaktionen kommt es am ehesten nach Infusionen über die Vene.

Medikamentenallergien treten meist bei Erwachsenen im jungen und mittleren Alter auf. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Bestimmte genetische Veränderungen oder Viruserkrankungen wie HIV erhöhen die Anfälligkeit.

Diagnose

Allein aufgrund der Beschwerden lässt sich meist nicht sicher sagen, ob eine Medikamentenallergie vorliegt. Oft ähneln die Symptome denen anderer Nebenwirkungen oder Erkrankungen. So können Hautausschläge auch bei Infektionserkrankungen wie etwa Masern oder Röteln auftreten.

Zunächst fragt die Ärztin oder der Arzt nach Art und Umständen der Beschwerden und danach, welche Medikamente wann und in welcher Dosierung eingenommen wurden. Manche Menschen nehmen sehr viele Medikamente ein. Dann ist es besonders wichtig, die Einnahme der einzelnen Mittel gut nachzuvollziehen, zum Beispiel anhand der Patientenakte oder dem Entlassungsbrief nach einem Klinikaufenthalt.

Grundsätzlich ist es wichtig, alle Mittel zu nennen, die man einnimmt – auch pflanzliche Präparate oder Nahrungsergänzungsmittel. Sie werden manchmal gar nicht als Medikamente wahrgenommen, können aber ebenfalls allergische Reaktionen hervorrufen.

Bei der Eingrenzung der auslösenden Wirkstoffe helfen weiterführende Tests. Dennoch kann es schwierig sein, die Ursache der Beschwerden sicher festzustellen. Bei Haut- und Bluttests wird untersucht, ob das Immunsystem auf bestimmte Auslöser übermäßig reagiert. Bei Hauttests wird entweder eine Lösung mit vermuteten Auslösern auf die leicht angeritzte Haut gegeben und beobachtet, ob sie sich rötet oder juckende Quaddeln entstehen (Prick-Test). Oder der vermutete Auslöser wird mithilfe eines Pflasters auf die Haut aufgebracht und nach ein bis zwei Tagen geprüft, ob die Haut an dieser Stelle reagiert (Epikutan- oder Pflastertest). Bei der Blutuntersuchung stellt die Ärztin oder der Arzt fest, ob der Körper Antikörper gegen ein Medikament gebildet hat.

Manchmal kommt ein sogenannter Provokationstest infrage. Dabei erhält man eine kleine Menge des verdächtigen Wirkstoffs, die anschließend gesteigert wird. Unter ärztlicher Beobachtung wird geschaut, ob sich eine Reaktion zeigt. Da bei einem Provokationstest auch schwere Reaktionen möglich sind, findet er meist im Krankenhaus statt und kann einige Tage dauern. Bei manchen Arzneistoffen und wenn bestimmte, unter Umständen auch lebensbedrohliche Reaktionen auftreten könnten, ist ein Provokationstest allerdings nicht möglich.

Behandlung

Oft können die auslösenden Medikamente einfach vermieden werden. Heilen lässt sich eine Medikamentenallergie aber nicht: Eine Behandlung durch eine Hyposensibilisierung ist bei dieser Allergie nicht möglich.

Die Beschwerden bei einer Sofortreaktion können mit Kortison oder Medikamenten gegen allergische Reaktionen (Antihistaminika) behandelt werden. Stärkere Reaktionen werden mit Adrenalin-Spritzen und Kortison behandelt.

Wenn eine Medikamentenallergie bekannt ist, kann mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen werden, welche Alternativen infrage kommen. Zudem muss berücksichtigt werden, dass es Kreuzreaktionen geben kann. Das heißt, dass man auch auf andere Wirkstoffe reagiert, die ähnlich aufgebaut sind.

Ein Medikament zu meiden ist dann problemlos, wenn das Mittel nicht unbedingt notwendig ist oder andere, ebenso wirksame Mittel zur Verfügung stehen. Letzteres ist zum Beispiel bei Antibiotika oder Schmerzmitteln meist der Fall. Schwieriger wird es, wenn man auf ein bestimmtes Medikament angewiesen ist und keine geeigneten Alternativen zur Verfügung stehen – oder wenn die möglichen Alternativen wiederum andere Risiken haben.

Es ist wichtig, in einem Allergiepass zu vermerken, gegen welche Medikamente eine Allergie besteht. Wenn der Pass in der Brieftasche mitgeführt wird, können Ärztinnen und Ärzte im Notfall auf die enthaltenen Informationen zurückgreifen.

Manchmal ist ein allergieauslösendes Medikament zur Behandlung unverzichtbar und alternativlos – zum Beispiel bei der Behandlung von Krebs oder schweren Infektionen. Dann gibt es folgende Möglichkeit: Der Wirkstoff wird unter ärztlicher Aufsicht zunächst in niedrigen Dosierungen eingenommen, die Dosis dann langsam gesteigert und beobachtet, wie der Körper das Medikament verträgt. Dieses Vorgehen soll eine vorübergehende Toleranz gegenüber einem Medikament erreichen. Es ist allerdings nicht ganz risikolos.

Leben und Alltag

Studien zeigen, dass manche Menschen zu Unrecht glauben, sie hätten eine Medikamentenallergie. Sie schreiben Nebenwirkungen vorschnell einer Allergie zu – etwa bei der Einnahme von Antibiotika, die öfter einen Hautausschlag auslösen. Ein Ausschlag bedeutet aber nicht automatisch, dass es sich um eine allergische Reaktion handelt.

Viele Menschen glauben zum Beispiel, sie oder ihre Kinder hätten eine Penicillin-Allergie. Wenn sie einen Allergietest machen, stellt sich jedoch meist heraus, dass dies nicht der Fall ist. Tatsächlich sind Penicillin-Allergien seltener als oft angenommen.

Ein falscher Verdacht kann Nachteile mit sich bringen, wenn wirksame Medikamente vermieden werden. Werden zum Beispiel statt Penicillin Breitbandantibiotika eingesetzt, die gegen verschiedene Erreger wirken, steigt die Gefahr, dass sich resistente Keime bilden. Deshalb ist es wichtig zu wissen, gegen welche Medikamente man tatsächlich allergisch ist und gegen welche nicht.

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