Medikamente bei posttraumatischer Belastungsstörung

Foto von Umarmung einer traumatisierten Frau
PantherMedia / Dmitriy Shironosov

Medikamente können eine Psychotherapie nicht ersetzen, aber in bestimmten Situationen ergänzen. Allerdings ist nur für wenige Mittel nachgewiesen, dass sie wirksam sind. Da sie Nebenwirkungen haben können, sollte die Einnahme gut überlegt sein.

Bei einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) ist die psychotherapeutische Unterstützung am wichtigsten. In wissenschaftlichen Leitlinien wird davon abgeraten, allein auf Medikamente zu setzen. Ob Medikamente überhaupt infrage kommen, hängt von der individuellen Situation ab. Dabei spielt eine Rolle, welche Beschwerden bestehen, wie stark sie sind und ob weitere Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Suchterkrankungen hinzukommen.

Die Einnahme von Medikamenten kann zwei Ziele haben:

  • vorübergehende Hilfe bei starken Beschwerden wie Schlaflosigkeit oder Panikattacken
  • langfristige Behandlung, um die Beschwerden der PTBS zu lindern

Zur Behandlung einer PTBS werden am häufigsten sowie Schlaf- und Beruhigungsmittel () eingesetzt. sind für Menschen mit einer PTBS jedoch ungeeignet, weil sie schnell abhängig machen und kaum helfen, die Beschwerden zu lindern.

Vor Beginn einer Behandlung mit Medikamenten ist eine gute Aufklärung über ihre Wirksamkeit und mögliche Nebenwirkungen wichtig. Im Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt sollten auch die Erwartungen an die Behandlung geklärt und später regelmäßig darüber gesprochen werden, wie die Medikamente wirken und wie mit möglichen Problemen umgegangen werden kann. Wichtig ist, dass sich Ärzte gut mit den psychologischen Psychotherapeuten austauschen, die vielleicht die psychotherapeutische Behandlung übernehmen. Diese dürfen selbst keine Medikamente verschreiben.

Antidepressiva

kommen vor allem dann infrage, wenn Beschwerden wie depressive Gefühle, Angst und Reizbarkeit sehr ausgeprägt sind. Sie sollen auch das Ein- und Durchschlafen erleichtern. können vorübergehend oder langfristig eingenommen werden. In Deutschland sind nur zwei Mittel zur Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung zugelassen: die Antidepressiva Sertralin und Paroxetin. Studien zeigen, dass beide Wirkstoffe die Beschwerden lindern können. Daneben kommen eine Reihe weiterer infrage – sie können allerdings nur im Rahmen eines Off-Label-Use verschrieben werden. Bei dauert es häufig mehrere Wochen, bis sie spürbar wirken.

In Studien zeigte sich:

  • Ohne besserten sich bei etwa 35 von 100 Menschen die Beschwerden innerhalb weniger Monate deutlich.
  • Mit besserten sich bei etwa 55 von 100 Menschen die Beschwerden innerhalb weniger Monate deutlich.

Mit anderen Worten: Bei etwa 20 von 100 Menschen bewirkten eine spürbare Verbesserung.

Viele Menschen mit PTBS kommen auch ohne zurecht. Da die Medikamente Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit haben können, sollte gut abgewogen werden, ob sie überhaupt notwendig sind.

Schlaf- und Beruhigungsmittel

Schlaf- und Beruhigungsmittel sollen Übererregung mindern und den Schlaf verbessern. Allerdings raten wissenschaftliche Leitlinien mittlerweile davon ab, sie bei einer posttraumatischen Belastungsstörung einzunehmen. Es gibt kaum Studien, die ihren Nutzen untersucht haben. Zudem können sie schon nach wenigen Wochen abhängig machen.

Lässt sich einer PTBS durch Medikamente vorbeugen?

Zur Vorbeugung spielen Medikamente so gut wie keine Rolle: Medikamente können das Entstehen einer posttraumatischen Belastungsstörung in der Regel nicht verhindern, wenn sie direkt nach dem Ereignis eingenommen werden. In einigen Studien konnte einzig Kortison das Risiko für eine PTBS verringern. Es wurde vor allem Krankenhauspatientinnen und -patienten unmittelbar nach einer großen Operation oder mit einer Blutvergiftung () gegeben. Anschließend entwickelten sie seltener eine PTBS. Man vermutet, dass manche Menschen anfälliger für eine posttraumatische Belastungsstörung sind, weil ihr Körper in Stresssituationen sehr wenig Kortisol ausschüttet. gleicht diesen Mangel aus.

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Erstellt am 19. September 2018
Nächste geplante Aktualisierung: 2021

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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