Medikamente bei COPD

Foto von zwei Frauen im Gespräch (PantherMedia / Tomas Anderson) Ein wesentlicher Bestandteil der täglichen Behandlung der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) sind Medikamente. Sie können die Krankheit zwar nicht heilen, aber Beschwerden lindern und akuten Atemproblemen vorbeugen.

Welche Behandlungen infrage kommen, hängt vor allem von der Schwere der Erkrankung ab. Im Anfangsstadium einer COPD reicht es meist aus, nur bei akuten Atemproblemen ein Medikament zu nehmen. Werden die Beschwerden häufiger und stärker, müssen bestimmte Medikamente dauerhaft eingenommen werden. Menschen mit fortgeschrittener COPD nehmen häufig mehrere Mittel gleichzeitig ein.

Meist werden folgende Medikamente eingesetzt:

  • atemwegserweiternde Mittel (Bronchodilatatoren): Beta-2-Mimetika, Anticholinergika und gegebenenfalls Methylxanthine
  • entzündungshemmende Mittel: Kortisonhaltige Medikamente (Kortikosteroide) und PDE-4-Hemmer

Andere Medikamente sollen den Schleim in den Bronchien lösen und das Abhusten erleichtern. Sie werden Mukopharmaka genannt. Bei akuten Atemproblemen können Antibiotika sinnvoll sein. Eine Impfung gegen Grippe oder Pneumokokken kann vor zusätzlichen Infektionen schützen, die die Atembeschwerden verstärken können.

Atemwegserweiternde Mittel

Zur Medikamentengruppe der Bronchodilatatoren gehören Beta-2-Mimetika, Anticholinergika und Methylxanthine. Sie werden meist inhaliert. Die Medikamente verringern die Muskelspannung in den Bronchien und erweitern so die Atemwege, die bei COPD verengt sind.

Beta-2-Mimetika

Beta-2-Mimetika sind Basismedikamente zur COPD-Therapie. Es gibt kurz wirksame und lang wirksame Beta-2-Mimetika. Zu den kurz wirksamen Wirkstoffen gehören beispielsweise Fenoterol, Salbutamol oder Terbutalin, zu den lang wirksamen Formoterol und Salmeterol. Die kurz wirksamen Präparate werden bei Bedarf angewendet, zum Beispiel bei akuter Atemnot. Sie wirken schnell, aber nur für 4 bis 6 Stunden. Lang wirksame Beta-2-Mimetika werden regelmäßig eingenommen. Ihre Wirkung tritt langsamer ein, hält aber etwa zwölf Stunden an.

Wenn die COPD noch nicht fortgeschritten ist, reicht es in der Regel aus, bei Bedarf ein kurz wirksames Beta-2-Mimetikum anzuwenden. Eine plötzliche Atemnot lässt sich durch Inhalieren meist schnell lindern. Nehmen die Beschwerden zu, ist es sinnvoll, regelmäßig ein lang wirksames Beta-2-Mimetikum anzuwenden. Es lindert Atembeschwerden und beugt akuten Atemnot-Anfällen (Exazerbationen) vor. In Studien zeigte sich, dass Menschen, die Beta-2-Mimetika anwendeten, eine bessere Lungenfunktion und eine höhere Lebensqualität hatten.

Außerdem beugten die Mittel Atemnot-Anfällen vor.

  • Ohne Beta-2-Mimetikum mussten innerhalb eines halben Jahres 7 von 100 Menschen aufgrund eines schweren Atemnot-Anfalls in ein Krankenhaus.
  • Mit Beta-2-Mimetikum war das bei 5 von 100 Menschen der Fall.

Das heißt: Allein in diesem Zeitraum konnten die Medikamente bei 2 von 100 Menschen einen schweren Atemnot-Anfall mit Krankenhausaufenthalt verhindern. Zudem beugten sie auch mittelschweren Atemnot-Anfällen vor.

Beta-2-Mimetika sind in normaler Dosis meist gut verträglich. Wenn sie zu hoch dosiert werden, kann jedoch als Nebenwirkung der Pulsschlag schneller werden oder es zu Herzklopfen oder Zittern kommen.

Anticholinergika

Anticholinergika wirken ähnlich gut wie Beta-2-Mimetika gegen die Beschwerden einer COPD. Auch von diesen Mitteln gibt es kurz wirksame und lang wirksame Präparate. Die Wirkung lang wirksamer Anticholinergika wie Tiotropiumbromid hält etwa 24 Stunden an, sie wirken damit länger als die meisten Beta-2-Mimetika. Sie müssen deshalb nur einmal täglich inhaliert werden. Kurz wirksame Anticholinergika wirken erst nach 20 bis 30 Minuten, dann aber bis zu acht Stunden.

Anticholinergika können wie Beta-2-Mimetika auch das Risiko von akuten Atemnot-Anfällen verringern. Dadurch sind seltener Krankenhausaufenthalte nötig und die Lebensqualität steigt.

Anticholinergika können als Nebenwirkung zu Mundtrockenheit führen. Ansonsten gelten auch diese Medikamente als gut verträglich.

Methylxanthine

Methylxanthine erweitern ebenfalls die Atemwege. Aus dieser Medikamentengruppe wird in der Regel der Wirkstoff Theophyllin verschrieben. Das Mittel wird meist als Tablette eingenommen.

Theophyllin lindert die Beschwerden weniger gut als Beta-2-Mimetika und Anticholinergika und hat zudem mehr Nebenwirkungen. Daher wird es Patientinnen und Patienten mit COPD meist nur dann empfohlen, wenn die Behandlung mit Beta-2-Mimetika und Anticholinergika nicht ausreichend hilft.

Mögliche Nebenwirkungen von Theophyllin sind unter anderem Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Herzrhythmusstörungen, Sodbrennen oder Übelkeit. In hohen Dosierungen können Krampfanfälle auftreten. Vor allem ältere Menschen mit COPD vertragen diese Medikamente oft schlecht. 

Kortisonhaltige Mittel

Kortison-Spray

Kortison-Präparate werden bei Bedarf zusätzlich zu den atemwegserweiternden Mitteln eingesetzt. Die alltäglichen Symptome und Beschwerden lindern sie kaum. Sie können aber das Risiko für akute Atemnot verringern. Aus diesem Grund wird Kortison zum Inhalieren meist nur von Menschen mit einer schweren COPD und häufiger Atemnot dauerhaft angewendet.

In den bisherigen Studien war Kortison-Spray gegen COPD nur wirksam, wenn es in einer Dosis von mehr als 1000 Mikrogramm täglich angewendet wurde. Eine solch hohe Dosis erhöht jedoch das Risiko für eine Lungenentzündung. Innerhalb eines Jahres konnte Kortison-Spray:

  • bei etwa 5 von 100 Menschen mit COPD einem oder mehreren Atemnot-Anfällen vorbeugen.
  • Bei etwa 1 von 100 Menschen führte es zu einer Lungenentzündung.

Eine weitere Nebenwirkung von Kortison-Spray ist Pilzbefall im Mund: Er tritt bei etwa 5 von 100 Menschen innerhalb eines Jahres auf. Etwa ebenso häufig kommt es zu Heiserkeit. Deshalb empfiehlt es sich, nach Anwendung von Kortison-Spray den Mund auszuspülen oder die Zähne zu putzen.

Kortison-Tabletten

Kortison kann auch während eines akuten Atemnot-Anfalls helfen, sich schneller wieder zu erholen – dann wird der Wirkstoff allerdings als Tablette oder Spritze gegeben.

Mögliche Nebenwirkungen von Kortison-Tabletten bei längerer Anwendung sind Gewichtszunahme, Blutzuckeranstieg und Schlafstörungen. Werden die Tabletten dauerhaft eingenommen, können auch die Haut, die Muskeln und die Knochen geschwächt werden. Deshalb wird von einer Langzeitbehandlung mit Kortison-Tabletten abgeraten.

PDE-4-Hemmer

PDE-4-Hemmer können ergänzend zu atemwegserweiternden Mitteln als Tabletten eingenommen werden. Sie hemmen die Entzündung in den Bronchien. Dadurch können sie die Atmung verbessern und akuter Atemnot vorbeugen.

In Studien zeigte sich, dass PDE-4-Hemmer die Atmung und die Lebensqualität verbessern:

  • Bei etwa 5 von 100 Menschen verhinderten die Medikamente Atemnot-Anfälle.
  • Bei etwa 5 von 100 Menschen kam es durch die Medikamente zu Nebenwirkungen wie Übelkeit und Durchfall, Appetitmangel, Gewichtsverlust, Schlafstörungen oder Kopfschmerzen.

Es ist noch unklar, wie gut PDE-4-Hemmer im Vergleich zu Kortison helfen. Deshalb werden sie bislang selten eingesetzt.

Weitere Mittel

Mukopharmaka

Mukopharmaka sollen bei Husten mit starkem Auswurf den Schleim in den Atemwegen lösen und das Abhusten erleichtern. Studien zeigen widersprüchliche Ergebnisse. Möglicherweise können Mukopharmaka bei Husten mit starkem Auswurf das Risiko für akute Atemnot etwas senken. Darüber hinaus verbessern sie die Atmung jedoch nicht. Sie spielen bei der Behandlung einer COPD eine eher geringe Rolle.

Impfungen

Menschen mit COPD sind besonders anfällig für Komplikationen durch eine Grippeerkrankung. Sie können sich jährlich im Herbst gegen Grippeerreger impfen lassen. Studien zeigen, dass die Impfung das Risiko für Exazerbationen und Atemwegsinfekte wie Bronchitis oder Lungenentzündungen senkt.

Der Grippe-Impfstoff wird gespritzt. Nebenwirkungen sind meist Rötung und Schwellung an der Einstichstelle. Auch vorübergehende Müdigkeit, Kopfschmerzen und leichtes Fieber sind möglich.

Eine Impfung gegen Pneumokokken kommt ebenfalls infrage. Diese Bakterien können Entzündungen unter anderem der Lunge, des Mittelohrs oder der Nasennebenhöhlen verursachen. Menschen mit einer COPD bekommen leichter Lungenentzündungen und akute Atemprobleme, wenn sie sich mit Pneumokokken anstecken. Die Pneumokokken-Impfung kann dieses Risiko etwas verringern. Der Schutz durch die Impfung hält etwa fünf Jahre an, dann muss sie aufgefrischt werden.

Antibiotika

Bei Menschen mit COPD können Atemwegsinfektionen zu akuter Atemnot führen. Wenn die Infektion durch Bakterien ausgelöst wurde und die Beschwerden sehr stark sind, können Antibiotika helfen. Es kann auf eine bakterielle Infektion hinweisen, wenn der Auswurf gelb-grünlich oder eitrig aussieht.

Wenn die Atemwegsinfektion durch Viren ausgelöst wurde, helfen Antibiotika nicht. Die Mittel können auch Nebenwirkungen wie Durchfall hervorrufen.

Kombination von Medikamenten

Je nach Stadium der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung kann es sinnvoll sein, zwei atemwegserweiternde Mittel (zum Beispiel ein Beta-2-Mimetikum und Anticholinergikum) miteinander zu kombinieren. Oft sind solche Kombinationen wirksamer und haben weniger Nebenwirkungen als eine höhere Dosis eines einzelnen Mittels.

Schlagwörter: Atemwege, Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), J42, J43, J44, J96, Lungenemphysem, Lungenerkrankung, chronisch obstruktive (COPD), R05, R06