Kontrolluntersuchungen bei Skoliose

Foto von Gruppe Jugendlicher (PantherMedia / Lev Dolgachov) Eine Skoliose kann bis zum Ende des Knochenwachstums fortschreiten. Deshalb sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen wichtig, bis das Wachstum abgeschlossen ist. Dabei ist es sinnvoll, Röntgenaufnahmen auf das Nötigste zu beschränken.

Bei den Kontrolluntersuchungen wird geprüft,

  • ob die Krümmung der Wirbelsäule zugenommen hat,
  • ob Behandlungen wie etwa ein Korsett den gewünschten Erfolg zeigen,
  • ob es notwendig ist, die Behandlung anzupassen.

Die Kontrolluntersuchungen sind auch eine gute Gelegenheit, Probleme mit der Erkrankung oder der Behandlung anzusprechen.

Wie oft sind Kontrolluntersuchungen sinnvoll?

In welchen Abständen Kontrolluntersuchungen sinnvoll sind, hängt vom Schweregrad der Skoliose und der Knochenreife ab. Medizinische Fachgesellschaften empfehlen einen Abstand von drei bis sechs Monaten.

Die Knochenreife wird in Stadien von 0 bis 5 eingeteilt, auch Risser-Stadien genannt. Ein Risser-Stadium von 0 bis 2 bedeutet, dass das Knochenwachstum noch in vollem Gange ist. Wenn Mädchen das Risser-Stadium 4 und Jungen das Risser-Stadium 5 erreicht haben, ist ihr Knochenwachstum abgeschlossen. Dann sind in der Regel keine weiteren Kontrolluntersuchungen mehr nötig.

Allerdings empfehlen manche Fachleute bei einem „Cobb-Winkel“ zwischen 20 und 40 Grad eine einmalige Nachuntersuchung etwa zwei bis vier Jahre nach dem Ende des Wachstums. Der Cobb-Winkel zeigt den Grad der Wirbelsäulen-Verkrümmung an: Die Diagnose Skoliose wird ab einem Winkel von 10 Grad gestellt. Ab einer Verkrümmung von 50 Grad wird meist eine Operation empfohlen.

Bei sehr ausgeprägten Skoliosen (Cobb-Winkel zwischen 40 und 50) wird manchmal empfohlen, die Wirbelsäule auch nach Abschluss des Knochenwachstums alle ein bis zwei Jahre kontrollieren zu lassen.

 

Grafik: Ermittlung des Cobb-WinkelsErmittlung des Cobb-Winkels

Wann werden Röntgenuntersuchungen benötigt?

Röntgenbilder der Wirbelsäule sind manchmal unverzichtbar, aber nicht bei jeder Kontrolluntersuchung. Sie werden benötigt,

  • um bei einem Verdacht auf Skoliose eine genaue Diagnose zu stellen.
  • um das Ausmaß der Krümmung zu bestimmen und die Behandlung zu planen.
  • um den korrekten Sitz eines Korsetts zu überprüfen (dazu wird geröntgt, während man das Korsett trägt).
  • um zu prüfen, ob die Skoliose fortschreitet.
  • um die Knochenreife festzustellen.
  • um eine Operation zu planen und anschließend das Ergebnis zu kontrollieren.

Wie hoch ist die Strahlenbelastung?

Jede Röntgenuntersuchung ist mit einer geringen Strahlenbelastung verbunden. Eine Röntgenuntersuchung der Wirbelsäule entspricht etwa der natürlichen Strahlendosis, die ein Mensch in einem Monat erhält. Diese zusätzliche Dosis lässt das Krebsrisiko nur geringfügig ansteigen.

Trotz des niedrigen Risikos ist es natürlich sinnvoll, jede unnötige Strahlenbelastung zu vermeiden und die Zahl der Röntgenuntersuchungen auf das Nötigste zu beschränken.

Wie lässt sich die Strahlenbelastung möglichst niedrig halten?

Um die Krümmung der Wirbelsäule zu kontrollieren, ist es nicht nötig, bei jeder Kontrolluntersuchung ein Röntgenbild zu machen. Oft reichen eine körperliche Untersuchung und eine Messung mit einer speziellen Wasserwaage (dem Skoliometer) aus. Wenn sich dabei Hinweise auf eine Veränderung zeigen, kann eine Röntgenuntersuchung sinnvoll sein.

Bei einer stabilen Skoliose empfiehlt die internationale Skoliose-Gesellschaft, nur alle 12 bis 18 Monate zu röntgen.

Es ist auch nicht nötig, die Wirbelsäule bei jeder Untersuchung von allen Seiten zu röntgen. Um die Krümmung ausreichend zu beurteilen, reicht eine Aufnahme von hinten aus. Sie erfordern zudem eine geringere Strahlendosis als Aufnahmen von vorne oder von der Seite.

Ein Röntgenpass kann helfen, Doppeluntersuchungen zu vermeiden. In den Pass werden alle Röntgenuntersuchungen eingetragen. Er ist beim Bundesamt für Strahlenschutz und auch bei vielen Krankenkassen erhältlich.

Computertomografien sind bei Skoliose nicht nötig und sollten vermieden werden, da die Strahlenbelastung deutlich höher ist als bei einer einfachen Röntgenaufnahme.

Gibt es Alternativen zum Röntgen?

Eine strahlungsfreie Alternative zur Röntgenuntersuchung ist die sogenannte Videoraster-Stereographie. Dabei wird mit einem Projektor ein Linienraster auf den Rücken projiziert und von einer Kamera aufgezeichnet. Am Computer wird aus den Linien ein Abbild des Rückens erzeugt.

Ob die Videoraster-Stereographie zumindest einen Teil der Röntgenuntersuchungen ersetzen kann, ist nicht ausreichend untersucht. Die Videoraster-Stereographie wird von den gesetzlichen Krankenkassen nicht komplett erstattet.