Können Mittel aus Johanniskraut helfen?

Foto von Frau (PantherMedia / Dmitrii Kiselev) Bestimmte Johanniskraut-Präparate können eine leichte bis mittelschwere Depression kurzfristig lindern. Für schwere Depressionen ist dies nicht nachgewiesen. Johanniskraut-Präparate haben seltener Nebenwirkungen als einige andere Antidepressiva. Es kann jedoch zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen.

Eine Depression ist etwas anderes als einfach nur traurig oder verstimmt zu sein. Typische Anzeichen der Erkrankung sind eine tiefe Niedergeschlagenheit, die mindestens zwei Wochen anhält und mit allgemeiner Interesse- und Antriebslosigkeit verbunden ist. Menschen mit einer Depression schlafen meist schlecht, fühlen sich erschöpft und vom Alltagsleben überfordert. Ihr Selbstvertrauen schwindet, sie haben ein sehr negatives Selbstbild und ziehen sich häufig zurück. Außerdem fällt es ihnen schwer, sich zu konzentrieren. Eine Depression kann mit psychotherapeutischen Verfahren und mit Medikamenten (Antidepressiva) behandelt werden.

Behandlung einer Depression mit Johanniskraut-Präparaten

Bei leichteren Depressionen greifen einige Menschen zu pflanzlichen Mitteln aus Johanniskraut-Extrakten. Mittel mit Johanniskraut sind manchmal auch unter dem lateinischen Namen für Johanniskraut zu finden: Hypericum perforatum.

Wie für die meisten pflanzlichen Arzneien (Phytotherapeutika) gilt auch für Mittel mit Johanniskraut: Im Handel ist eine Vielfalt an Produkten erhältlich, die sich in ihrer Stärke und Zusammensetzung zum Teil erheblich unterscheiden. Daher gibt es keine Garantie dafür, dass vor Ort verfügbare Johanniskraut-Produkte dieselbe Wirkung haben wie Präparate, die in Studien erprobt wurden. Viele Produkte enthalten zum Beispiel nur eine geringe Dosis an Johanniskraut-Extrakten.

Johanniskrauthaltige Präparate gegen mittelschwere Depressionen sind rezeptpflichtig. Johanniskraut-Präparate gegen leichte depressive Verstimmungen sind dagegen ohne Rezept erhältlich.

Studien zur Wirkung von Johanniskraut

Eine Forschergruppe wertete insgesamt 35 Studien mit knapp 7000 Teilnehmenden aus, um herauszufinden, ob Johanniskraut-Präparate Depressionen bei Erwachsenen lindern können und wie sie im Vergleich zu anderen Medikamenten abschneiden. Die Studien dauerten mindestens 4 Wochen und prüften ganz unterschiedliche Johanniskraut-Produkte in verschiedenen Dosierungen. An den Studien nahmen Menschen mit einer leichten oder mittelschweren Depression teil. Die meisten Teilnehmenden waren Frauen.

Wirkung bei leichter bis mittelschwerer Depression

Die in den Studien eingesetzten Johanniskraut-Präparate konnten die Beschwerden von Menschen mit einer leichten bis mittelschweren Depression stärker lindern als ein Placebo. Die Studien, in denen Johanniskraut mit anderen Antidepressiva verglichen wurde, zeigten für beide Mittel eine vergleichbare Wirkung. Die Studien zogen jedoch nicht alle häufig angewendeten Antidepressiva zum Vergleich heran.

Ein schwerwiegender Mangel der Studien ist, dass die Teilnehmenden nur für einige Wochen beobachtet wurden. Depressionen dauern jedoch häufig länger oder kehren nach einiger Zeit mit einer weiteren Episode zurück. Ob Mittel mit Johanniskraut längerfristig wirksam sind oder weiteren Episoden vorbeugen können, sind daher wichtige Fragen für Menschen mit Depressionen. Hierzu können die Studien jedoch keine Auskunft geben.

Zudem lassen sich die Ergebnisse nicht auf jedes Johanniskraut-Produkt übertragen, da die vielen frei verkäuflichen Präparate unterschiedlich zusammengesetzt sind. In der Mehrzahl der eingeschlossenen Studien wurde Johanniskraut in einer Dosis von 500 mg bis 1200 mg pro Tag verabreicht. Die Daten der Studien reichten aber nicht, um unterschiedliche Extrakte miteinander vergleichen zu können oder eine optimale Dosierung zu ermitteln.

Keine Belege fanden die Wissenschaftler dafür, dass Johanniskraut bei schweren Depressionen hilft. Eine schwere Depression ist eine sehr ernsthafte Erkrankung und sollte nicht allein mit Johanniskraut behandelt werden.

Neben- und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Johanniskraut-Präparate können zu Nebenwirkungen wie Übelkeit, leichten Hautirritationen, Lichtempfindlichkeit und Kopfschmerzen führen. Sie können auch allergische Reaktionen auslösen. Es kommt jedoch etwas seltener zu Nebenwirkungen als bei anderen Antidepressiva.

Bei Johanniskraut-Präparaten können aber Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auftreten – das heißt, sie können die Wirkung anderer Mittel, die gleichzeitig eingenommen werden, verstärken oder abschwächen. Johanniskraut verringert zum Beispiel die Wirkung von Mitteln, die das Blut langsamer gerinnen lassen oder die die Immunabwehr des Körpers unterdrücken. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass Johanniskraut die Zuverlässigkeit der Antibabypille herabsetzt.

Auch pflanzliche Wirkstoffe wie Johanniskraut können in Kombination mit anderen Medikamenten Probleme hervorrufen. Deshalb ist es wichtig, bei der Einnahme von mehreren Medikamenten auf mögliche Wechselwirkungen zu achten – und rezeptfrei erhältliche Mittel nicht ohne Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt einzunehmen.

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