Hepatitis B: Soll ich mich impfen lassen?

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Bei Erwachsenen heilt eine akute Hepatitis-B-Infektion meist von allein aus und muss nicht behandelt werden. Falls sie chronisch wird, kann sie aber ernsthafte Folgen haben. Gegen das Hepatitis-B-Virus gibt es eine , die für alle Säuglinge und Kleinkinder sowie für Erwachsene mit hohem Ansteckungsrisiko empfohlen wird.

Das Hepatitis-B-Virus wird vor allem durch Blut, aber auch durch andere Körperflüssigkeiten übertragen. Meistens geschieht dies bei ungeschütztem Sex, wobei sich vor allem Männer anstecken, die Sex mit Männern haben. Auch wechselnde Geschlechtspartner und wiederholt auftretende sexuell übertragbare Krankheiten erhöhen das Risiko für eine Hepatitis-B-Infektion. Weitere Übertragungswege sind nicht sterile Spritzen beim Drogengebrauch und nicht sterile Nadeln beim Tätowieren.

Ist eine schwangere Frau mit dem Hepatitis-B-Virus infiziert, kann sie das bei der Geburt auf ihr Kind übertragen. Deshalb wird allen Schwangeren ein Bluttest angeboten, mit dem sich eine solche feststellen lässt.

Insgesamt ist das Ansteckungsrisiko in Deutschland aber gering: Hierzulande hat weniger als einer von 100 Menschen eine Hepatitis-B-Infektion.

Meist bekämpft der Körper von Erwachsenen das Virus erfolgreich

Bei über 95 von 100 Erwachsenen, die sich mit dem Hepatitis-B-Virus angesteckt haben, kann das das erfolgreich allein bekämpfen. Ist die von selbst ausgeheilt, sind nach sechs Monaten keine Virusspuren mehr im Blut nachweisbar. Es können aber geringe Virusmengen in den Leberzellen zurückbleiben, die aber keine Beschwerden verursachen.

Eine akute Hepatitis-B-Infektion hat nur sehr selten langfristige gesundheitliche Folgen. Wer sie überstanden hat, besitzt , die bei den allermeisten Menschen verhindern, dass das Hepatitis-B-Virus erneut aktiv wird. Bleibt eine Hepatitis-B-Infektion länger als sechs Monate bestehen, spricht man von einer chronischen Hepatitis-B-Infektion. Sie kann mit der Zeit zu Leberschäden () und Leberkrebs führen. Solch schwere Lebererkrankungen machen sich nicht unbedingt durch Beschwerden bemerkbar oder die Beschwerden sind unspezifisch.

Säuglinge und Kinder stecken sich zwar seltener mit dem Hepatitis-B-Virus an, reagieren aber empfindlicher auf die Viren. Sie haben ein hohes Risiko für einen chronischen Verlauf: Bei nur etwa 10 von 100 Säuglingen und Kindern, die sich mit B angesteckt haben, kann das das erfolgreich bekämpfen. Bei den übrigen etwa 90 von 100 Säuglingen und Kinder wird die Hepatitis-B-Infektion chronisch.

Impfung für Risikogruppen und Kleinkinder empfohlen

Für Impfempfehlungen ist in Deutschland die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) zuständig. Sie empfiehlt eine Hepatitis-B-Impfung für Erwachsene, wenn sie bestimmte Risiken haben – das heißt, wenn sie

  • in ihrem Beruf oder Ehrenamt in Kontakt mit dem Hepatitis-B-Virus kommen können (etwa medizinisches Personal, Polizei, betriebliche Ersthelfer),
  • in engem Kontakt mit Menschen stehen, die eine chronische Hepatitis-B-Infektion haben (zum Beispiel Familienangehörige),
  • Erkrankungen haben, bei denen eine Hepatitis-B-Infektion ein zusätzliches Risiko bedeutet (etwa Personen mit HIV, einer chronischen Lebererkrankung oder Menschen, die eine Dialyse oder häufig Bluttransfusionen erhalten),
  • sich Drogen spritzen,
  • häufig ihre Sexualpartner wechseln und als Mann Sex mit Männern haben,
  • in ein Land reisen, in dem das Hepatitis-B-Virus verbreitet ist.

Die STIKO empfiehlt außerdem, alle Säuglinge und Kleinkinder gegen B impfen zu lassen. Für die von Kindern stehen Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung, die vor weiteren Erkrankungen wie , Wundstarrkrampf (Tetanus), Kinderlähmung (Polio), Keuchhusten (Pertussis) und Haemophilus influenzae Typ b schützen. Je nach Impfstoff sind für einen ausreichenden Schutz 3 oder 4 Impfungen erforderlich. Für noch nicht geimpfte Jugendliche wird empfohlen, die nachzuholen.

Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen die empfohlenen Impfungen für alle unter 18-Jährigen. Für Risikogruppen oder als Reiseimpfung ist die Kostenübernahme nicht einheitlich geregelt – die meisten gesetzlichen Krankenkassen übernehmen aber die Kosten. Für Reiseimpfungen werden meist Kombinationsimpfstoffe gegen A und B verwendet. Informationen zu Reiseimpfungen finden sich auf der Website des Robert Koch-Instituts.

Wie verträglich ist die Impfung gegen Hepatitis B?

Der Hepatitis-B-Impfstoff ist gut verträglich. Schwere Nebenwirkungen nach der von gesunden Menschen sind nicht bekannt.

Eine ist jedoch nicht geeignet für Personen,

  • die eine akute Erkrankung haben, die mit hohem Fieber verbunden ist oder behandelt werden muss. Beispielsweise sollte eine nicht während einer akuten Grippe erfolgen. Sie kann dann später nachgeholt werden.
  • die bei einer vorangegangenen auf den Hepatitis-B-Impfstoff überempfindlich reagiert haben.

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Erstellt am 08. Mai 2019
Nächste geplante Aktualisierung: 2022

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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