Die Diagnose war für mich ein großer Einschnitt

Foto einer Frau bei der Entspannung (Brand X Pictures / Stockbyte / Thinkstock) Elisabeth, 61 Jahre

„Am Anfang hatte ich Angst vor einem Glaukomanfall. Ich habe immer alles ganz genau beobachtet und bei jeder kleinen Veränderung gedacht: Hm, ist jetzt etwas mit dem Auge? Mit der Zeit hat sich das etwas gegeben.“

Vor einigen Jahren war ich bei einem Augenoptiker, um eine Brille zu bestellen. Dort wurde mir gesagt, dass meine Sehkraft eingeschränkt ist. Der Optiker hat mir empfohlen, zu einem Augenarzt zu gehen und meine Augen überprüfen zu lassen.

Die Augenärztin hat mir dann mitgeteilt, dass meine Augenlinse verdickt ist. Sie meinte, dass dadurch das Kammerwasser im Auge nur noch schlecht abfließen kann. Ich habe mir darüber zuerst keine weiteren Gedanken gemacht. Sie wollte einen Bericht schreiben und mich an eine Augenklinik überweisen.

Irgendwann habe ich dann ihren Bericht bekommen. Aber der war für mich aufgrund der vielen Fachbegriffe völlig unverständlich. Ich konnte damit gar nichts anfangen und war dann doch beunruhigt. Um eine zweite Meinung einzuholen, bin ich zu einem anderen Augenarzt gegangen. Der hat mich nochmal untersucht und bestätigt, dass die Linse verdickt ist und ich einen engen Kammerwinkel habe. Wenn dieser Kammerwinkel immer enger wird und sich irgendwann verschließt, dann kann das Kammerwasser nicht mehr abfließen, wurde mir erklärt. Wenn dies passiert, dann kann der Augendruck schnell steigen und ein sogenannter Glaukomanfall auftreten. Dieser kann im schlimmsten Fall zu einer Erblindung führen. Der Arzt sagte mir, dass man als Symptome für einen solchen Glaukomanfall zum Beispiel plötzlich Ringe und Regenbogenfarben sehen und sehr starke Kopfschmerzen bekommen kann. Wenn das eintritt, sollte man sofort ein Krankenhaus aufsuchen. Meine Sehnerven sind jedoch nicht geschädigt und ich habe auch keinen Gesichtsfeldausfall oder sonstige Beeinträchtigungen beim Sehen.

Kontakt zu Selbsthilfegruppe

Mir wurde eine Operation empfohlen, nach der das Kammerwasser besser abfließen sollte. Ich hatte jedoch Angst vor den möglichen Nebenwirkungen und habe die Operation abgelehnt. Ich beobachte mich und meinen Körper sehr genau und wenn Symptome wie Ringe vor den Augen oder starke Kopfschmerzen auftreten sollten, würde ich gleich den Arzt oder das Krankenhaus aufsuchen. Aber das ist bisher nicht eingetreten.

Ich habe mich nach der Diagnose im Internet ein wenig schlau gemacht und gesehen, dass es in meiner Stadt eine Selbsthilfegruppe zu diesem Thema gibt. Ich habe mich bei der Gruppe gemeldet und sie haben mich sehr nett aufgenommen. Der Austausch mit den anderen in der Gruppe war und ist für mich immer noch wichtig und ich fühle mich dort sehr gut aufgehoben.

Diagnose „Grüner Star“ war ein großer Einschnitt

Ich bin regelmäßig in Behandlung und lasse meine Augen etwa alle drei Monate kontrollieren. Bei diesen Untersuchungen wird der Augendruck gemessen, der Sehnerv geprüft und das Gesichtsfeld und der Kammerwinkel gemessen. Für mich war es wichtig, verschiedene Ärzte zu konsultieren und mir unterschiedliche Meinungen und Sichtweisen einzuholen, um dann den richtigen Weg für mich zu finden. Für mich ist eine gute Atmosphäre beim Arzt wichtig, und dass ich mit meinen Problemen angehört und ernst genommen werde.

Ich war in meinem Leben immer zielstrebig und wollte alles perfekt machen. Als ich dann die DiagnoseGlaukom“ erhalten habe, war das ein großer Einschnitt für mich. Ich habe das als einen Hinweis für mich aufgefasst, etwas an meinem Leben zu ändern. Ich habe immer viel gearbeitet und es hat mir auch viel Spaß gemacht. Aber eigentlich bin ich nie richtig zur Ruhe gekommen. Das war dann der Zeitpunkt, an dem ich mir gesagt habe: 'So, jetzt kümmere dich mal darum, das ist ein Hinweis'. Für mich war und ist es wichtig, darauf zu achten, dass ich zur Ruhe komme und mich entspanne. Zum Beispiel habe ich angefangen zu meditieren und mache auch Qigong und Yoga. Das tut mir gut. Aber anfangs ist mir das schon schwer gefallen, mehr Entspannung und mehr Zeit für mich zu nehmen. Das klappt natürlich nicht immer und es ist auch nicht immer alles entspannt, aber ich versuche, mein Leben anders zu gestalten.

Am Anfang hatte ich Angst vor so einem Anfall. Ich habe immer alles ganz genau beobachtet und bei jeder kleinen Veränderung gedacht: 'Hm, ist jetzt etwas mit dem Auge?' Mit der Zeit hat sich das etwas gegeben. Ich habe mich irgendwie daran gewöhnt.

 

Danksagung

Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

 

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