Formen der Insulinbehandlung

Foto von jungem Mann und Ärztin (PantherMedia / Alexander Raths) Eine Insulinbehandlung bei Diabetes soll das fehlende Insulin im Körper ersetzen, den Blutzucker senken und langfristige Komplikationen so gut es geht vermeiden. Dabei ist es wichtig, dass weder zu hohe noch zu niedrige Blutzuckerspiegel auftreten. Es gibt verschiedene Arten der Insulinbehandlung.

Die Höhe des Blutzuckerspiegels hängt nicht nur davon ab, wie viel Insulin man spritzt, sondern auch davon, was man isst und trinkt und wie viel Energie man bei körperlichen Aktivitäten verbraucht. Auch die Tageszeit, entzündliche Erkrankungen, andere Medikamente oder hormonelle Veränderungen können den Blutzucker beeinflussen. Jeder Mensch mit Diabetes muss daher seinen eigenen Körper und seine persönlichen Gewohnheiten gut kennen und seine Insulintherapie danach ausrichten.

Es gibt verschiedene Insuline, die sich vor allem in ihrer Wirkungsdauer unterscheiden: Einige decken den Grundbedarf ab; sie wirken langsam und stetig für einen halben oder ganzen Tag (intermediär oder langwirksame Insuline). „Kurzwirksame“ Insuline werden zusätzlich zu den Mahlzeiten eingesetzt, um den akuten Bedarf nach dem Essen abzudecken.

Wer Diabetes hat, kann heute weitgehend selbst entscheiden, welche der verschiedenen Formen der Insulintherapie er wählt, so dass er die Behandlung gut in seinen Alltag einbauen kann. Die meisten Menschen mit Typ-1-Diabetes wählen eine „intensivierte“ Insulinbehandlung.

Konventionelle Insulinbehandlung

Bei einer konventionellen Insulinbehandlung spritzt man sich zweimal täglich Insulin. Dieses Schema wird häufig von Menschen gewählt, die einen relativ gleichförmigen Tagesablauf haben und feste Spritzzeiten bevorzugen.

Die Grundlage einer konventionellen Insulinbehandlung sind intermediär oder langwirksame Insuline, deren Wirkung mindestens einen halben Tag anhält. Sie können alleine verwendet werden oder zusammen mit einem kurzwirksamen Insulin. Die meisten Menschen wenden eine feste Mischung von kurz und länger wirksamem Insulin an. Diese Insulinmischung spritzen sie sich vor dem Frühstück und vor dem Abendessen. Um die anhaltende Insulinwirkung während des Tages auszugleichen, müssen sie regelmäßig eine festgelegte Menge essen. Wer sich sehr viel körperlich bewegt, kann dies durch zusätzliche Zwischenmahlzeiten ausgleichen. Die Mahlzeiten und die körperliche Bewegung werden bei der konventionellen Therapie also an die Insulinwirkung angepasst.

Die Entscheidung für eine „konventionelle Insulintherapie“ kann eine relativ starre Lebensführung bedeuten. Zudem beugt die konventionelle Therapie Folgeerkrankungen bei Typ-1-Diabetes deutlich weniger gut vor als eine intensivierte Therapie. Von daher ist sie bei Menschen mit Typ-1-Diabetes die Ausnahme. Sie kommt meist nur dann infrage, wenn eine intensivierte Insulinbehandlung nicht möglich ist.

Intensivierte Insulinbehandlung

Bei der intensivierten Insulinbehandlung wird die Insulinmenge flexibel und kurzfristig an den Blutzuckerspiegel, die Essensmenge und die körperliche Bewegung angepasst. Dies setzt regelmäßige Blutzuckermessungen voraus. Bei einer intensivierten Insulintherapie kann man sich das Insulin entweder mehrmals täglich selbst spritzen oder über eine Insulinpumpe zuführen. Um den Grundbedarf an Insulin auszugleichen, kann man ein- oder zweimal am Tag ein länger wirksames Insulin spritzen. Das wird oft auch als „Basis-“ oder „Basalinsulin“ bezeichnet. Zur Verwertung der mit den Mahlzeiten aufgenommenen Kohlenhydrate spritzt man vor jeder Mahlzeit ein kurzwirksames Insulin. Diese Dosis wird auch Bolusinsulin genannt (Bolus, medizinisch für „Stoß“).

Bei der Behandlung mit einer Insulinpumpe werden ausschließlich kurzwirksame Insuline verwendet. Die Pumpe gibt regelmäßig kleine Mengen Insulin ab, dadurch wird der Grundbedarf kontinuierlich gedeckt.

Eine intensivierte Insulinbehandlung soll einerseits den Blutzucker so einstellen, dass er nahe an normalen Werten liegt. Andererseits soll sie einen flexiblen und spontanen Lebensstil ermöglichen: Man muss nicht zu festgelegten Zeiten essen oder auf die immer gleiche Kohlenhydratmenge achten, sondern spritzt so viel Insulin wie gerade nötig. Welche Menge gespritzt werden sollte, hängt außerdem vom aktuellen Blutzuckerwert, der Tageszeit und der geplanten körperlichen Aktivität ab. Ist die Insulinmenge zu groß, können Unterzuckerungen auftreten. Ist sie zu klein, steigt der Blutzucker zu stark an.

Es hat sich gezeigt, dass eine intensivierte Insulintherapie gesundheitliche Vorteile gegenüber einer konventionellen Behandlung hat. Sie kann das Risiko für die Entwicklung von diabetesbedingten Folgeerkrankungen senken, insbesondere von Erkrankungen der Augen, der Niere, des Nervensystems und des Herzens.

Schulungsprogramme

Menschen, die Insulin benötigen, müssen verschiedene Fertigkeiten erlernen, wie zum Beispiel die Blutzucker-Selbstmessung. In Deutschland gibt es Diabetes-Schulungsprogramme, die es Menschen ermöglichen, ihren Diabetes selbst in den Griff zu bekommen. Solche Programme werden zum Beispiel im Rahmen von Disease-Management-Programmen (DMPs) für Personen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes angeboten. Hier wird vermittelt, wie man seine Ernährung, Sport und andere körperliche Aktivitäten am besten auf die Behandlung mit Insulin und anderen blutzuckersenkenden Medikamenten abstimmt.

Die Behandlung des Diabetes hat heute zum Ziel, normale Alltagsaktivitäten und Stoffwechsel-Selbstkontrolle so gut wie möglich zu verbinden und dabei medizinische Hilfe einschließlich Medikamente optimal zu nutzen. Wer gut über seine Behandlung Bescheid weiß und sie konsequent anwendet, kann Folgeerkrankungen vermeiden und trotz Diabetes so flexibel leben wie ein gesunder Mensch.

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