Einleitung

Die Fixkombination Lumacaftor / Ivacaftor (Handelsname Orkambi) ist seit November 2015 für Patientinnen und Patienten ab 12 Jahren zugelassen. Seit Februar 2018 gilt die Zulassung auch für Kinder zwischen 6 und 11 Jahren. Der Wirkstoff kommt für Menschen mit Mukoviszidose infrage, die eine bestimmte Veränderung (F508del) im CFTR-Gen haben (Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator).

Die Mukoviszidose (von „mucus “, lateinisch: Schleim und „viscidus “, lateinisch: zäh, klebrig), auch zystische Fibrose genannt, ist eine erbliche Stoffwechselerkrankung. Sie entsteht durch einen Defekt im Gen des sogenannten CFTR (Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator). Der Regulator beeinflusst den Salz- und Wasserhaushalt der schleimbildenden Drüsenzellen, beispielsweise in der Bauchspeicheldrüse, in den Bronchien und im Dünndarm. Bei einem Defekt ist der Schleim sehr zäh. In den Bronchien kann der zähe Schleim nicht abgehustet werden, erschwert das Atmen und kann chronischen Husten verursachen. Im Schleim können sich zudem Bakterien ansiedeln und immer wieder Atemwegsinfektionen hervorrufen. Zähflüssige Verdauungssäfte schädigen die Bauchspeicheldrüse, verringern die Aufnahme für den Körper wichtiger Nährstoffe im Darm und fördern Mangelernährung und Untergewicht. Beschwerden einer Mukoviszidose treten bereits im Kindesalter auf.

Eine Mukoviszidose ist nicht heilbar. Die Fixkombination Lumacaftor / Ivacaftor soll die Funktion des CFTR verbessern, sodass der Schleim dünnflüssiger wird und sich die Beschwerden bessern.

Anwendung

Kinder zwischen 6 und 11 Jahren nehmen alle 12 Stunden 2 Tabletten der Fixkombination in einer Dosierung von 100 mg Lumacaftor / 125 mg Ivacaftor ein, vor oder nach einer fetthaltigen Mahlzeit. Die Dosierung für die Patientinnen und Patienten ab 12 Jahren beträgt 200 mg Lumacaftor / 125 mg Ivacaftor. Durch das Fett werden die Wirkstoffe besser aufgenommen.

Die Dosis kann je nach Kombination mit anderen Medikamenten und auftretenden Nebenwirkungen angepasst werden.

Andere Behandlungen

Für Kinder zwischen 6 und 11 Jahren mit Mukoviszidose und F508del-Mutation kommt eine bestmögliche symptomatische Therapie infrage. Dazu gehören Antibiotika bei Lungeninfektionen, schleimlösende Medikamente, Physiotherapie und eine angepasste Ernährung.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2018 geprüft, ob Lumacaftor / Ivacaftor für Kinder zwischen 6 und 11 Jahren mit Mukoviszidose und F508del-Mutation Vor- oder Nachteile im Vergleich zur bestmöglichen symptomatischen Therapie hat.

Um diese Frage zu beantworten, legte der Hersteller eine Studie mit 204 Kindern in der Altersspanne vor. 103 Kinder wurden mit Lumacaftor / Ivacaftor behandelt, 101 Kinder erhielten ein Placebo (Scheinmedikament). Alle Kinder bekamen zusätzlich eine bestmögliche symptomatische Therapie. Die Behandlung dauerte 24 Wochen. Bei den Ergebnissen zeigt sich kein Vor- oder Nachteil durch die zusätzliche Einnahme von Lumacaftor / Ivacaftor.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

  • Lebenserwartung: Kein Kind verstarb in der Studienzeit.
  • Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen: In beiden Gruppen brachen etwa 2 bis 3 von 100 Kindern die Therapien aufgrund von Nebenwirkungen ab.
  • Zudem zeigten sich ebenfalls keine Unterschiede bei:
    • Verschlechterung der Lungenerkrankungen
    • Atembeschwerden
    • Magen-Darm-Beschwerden
    • Gesundheitsbezogener Lebensqualität
    • Schweren Nebenwirkungen

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis des Gutachtens und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Lumacaftor / Ivacaftor (Orkambi).