Diabetischer Fuß: Vorbeugung von Wunden

Foto von Patientin bei der Fußpflege (PantherMedia/ alexraths) Es ist wichtig, Anzeichen für einen diabetischen Fuß rechtzeitig zu erkennen. Durch eine gute Vorbeugung lassen sich Folgeschäden verhindern. Besonders wichtig ist es, die Füße richtig zu pflegen, gut passende Schuhe zu tragen und Verletzungen zu vermeiden. Oft ist dazu Unterstützung nötig.

Etwa 20 bis 30 von 100 Menschen mit Diabetes mellitus entwickeln im Laufe ihres Lebens einen diabetischen Fuß (diabetisches Fußsyndrom). Erste Anzeichen sind trockene Füße und vermehrte Hornhautbildung. Später kann sich eine offene Wunde am Fuß oder an den Zehen bilden, die sich nicht schließen will und schwer zu behandeln ist.

Solchen Folgeschäden lässt sich jedoch gut vorbeugen. Ärztinnen und Ärzte, Angehörige, Pflegekräfte oder eine regelmäßige medizinische Fußpflege (podologische Therapie) können dabei helfen. Eine ausreichende Unterstützung ist vor allem dann nötig, wenn es schwerfällt, die Füße selbst zu pflegen.

Wie entsteht ein diabetischer Fuß?

Die Füße sind normalerweise gut durchblutet und sehr sensibel. Viele Nerven in der Haut reagieren auf jede Berührung. Wer zum Beispiel ein Steinchen im Schuh hat, merkt das sofort. Das kann bei Menschen mit Diabetes mellitus anders sein: Ist der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht, kommt es häufiger zu

  • Schäden an den Nerven (Neuropathie): Sie führen dazu, dass Druckstellen und kleine Verletzungen an den Füßen weniger oder auch gar nicht mehr spürbar sind.
  • Schäden an den Gefäßen (Makroangiopathie): Dadurch werden die Füße schlechter durchblutet und es können Wunden entstehen, die nur langsam heilen.

Rauchen, Bluthochdruck und Bewegungsmangel können die Gefäße zusätzlich schädigen und die Durchblutung der Beine und Füße verschlechtern.

Durch Nerven- und Gefäßschäden werden auch aus kleinen Verletzungen an den Füßen wie Schnitt- oder Schürfwunden leicht schlecht heilende Wunden (chronische Wunden). Sie können entstehen durch

  • zu enge Schuhe: Sie führen leicht zu Druckstellen und Blasen.
  • Fußfehlstellungen: Ein Ballenzeh (Hallux valgus) sowie Hammer- oder Krallenzehen können Druckstellen verursachen, ebenso wie
  • Hornhautschwielen.

Wie macht sich ein diabetischer Fuß bemerkbar?

Je nachdem, ob eher Nerven- oder Gefäßschäden die Ursache sind, unterscheiden sich die Beschwerden:

Beschwerden bei Nervenschäden

  • Der Fuß wird unempfindlich gegenüber Schmerzen, Druck, Kälte und Wärme.
  • Der Fuß fühlt sich taub an („gehen wie auf Watte“)
  • Der Fuß kribbelt, als würden Ameisen über den Fuß laufen.
  • Die Haut ist sehr trocken und warm.
  • Vor allem an der Fußsohle bildet sich eine Wunde, die schlecht heilt.

Beschwerden bei Gefäßschäden

  • Der Fuß fühlt sich kühl an.
  • Die Haut ist blass oder bläulich.
  • Beim Gehen treten schnell Schmerzen in den Waden auf – allerdings können diese Beschwerden fehlen, wenn gleichzeitig Nervenschäden bestehen.
  • Der Puls ist an den Füßen kaum noch tastbar.
  • Es kommt zu offenen Wunden meist an den Zehen oder der Ferse.

Wie wird ein diabetischer Fuß festgestellt?

Die Ärztin oder der Arzt

  • untersucht die Haut und prüft, ob der Fuß eher kalt oder warm ist,
  • schaut nach Wunden, Druckstellen und Fehlstellungen,
  • untersucht, wie tief eine Wunde ist und ob sie entzündet ist,
  • prüft die Durchblutung des Fußes und
  • testet die Empfindlichkeit der Nerven, indem die Füße mit einer Stimmgabel oder einem leichten Kunststofffaden berührt werden.

Mit einem Ultraschall oder einer Angiografie lässt sich beurteilen, wie gut die Beine durchblutet sind. Durch bildgebende Verfahren (Röntgen, CT oder MRT) kann untersucht werden, ob auch die Knochen geschädigt sind.

Welche Folgen hat ein diabetischer Fuß?

Wenn ein diabetischer Fuß nicht früh genug erkannt und behandelt wird, kann eine chronische Wunde entstehen. Dazu kommt es meist an den Zehen, der Fußsohle, der Ferse oder den Knöcheln. Ein solches Geschwür kann sehr tief werden und sich entzünden. Schwarze Stellen in der Wunde sind meist ein Zeichen, dass Gewebe abgestorben ist. Wenn das Geschwür sehr groß und tief wird und sich entzündet, kann es nötig sein, den betroffenen Zeh oder einen Teil des Fußes zu amputieren.

Wichtig ist: Die möglichen Folgen einer Wunde oder Verletzung werden häufig unterschätzt, da Wunden aufgrund der Nervenschädigung kaum oder keine Schmerzen bereiten. Die Wunden werden dann oft nicht ausreichend entlastet.

Chronische Wunden lassen sich vermeiden. Auch schon länger bestehende Wunden können durch eine gute Behandlung wieder abheilen.

Was ist ein Charcot-Fuß?

Der Charcot-Fuß ist eine seltene Sonderform des diabetischen Fußes. Dabei sind die Nerven so stark geschädigt, dass selbst Knochenbrüche im Fuß nicht mehr gespürt werden. Es kommt zu Fehlstellungen, und es können sich Druckstellen und Geschwüre bilden. Erste Anzeichen können sein, dass der Fuß gerötet, geschwollen oder heiß ist.

Was hilft, Fußprobleme rechtzeitig zu erkennen?

Manchen Menschen mit Diabetes mellitus fällt es schwer, Fußprobleme selbst zu erkennen. Dies hat verschiedene Gründe:

  • Durch die Nervenschädigung empfinden Betroffene keine oder kaum noch Schmerzen am Fuß. Deshalb spüren sie Verletzungen oft gar nicht. Oder sie merken nicht, wenn die Schuhe zu eng sind.
  • Viele können ihre Füße nicht mehr so gut sehen, weil ihre Augen durch den Diabetes oder altersbedingt nachgelassen haben.
  • Die körperliche Beweglichkeit reicht nicht, um die Füße zu untersuchen.

Deshalb ist es sehr wichtig,

  • die Füße regelmäßig ärztlich untersuchen zu lassen,
  • die Füße so gut es geht auch selbst gut zu beobachten und
  • schon kleine Verletzungen oder Druckstellen ernst zu nehmen.

Ein Handspiegel kann helfen, die Fußsohlen zu untersuchen. Wenn das dennoch schwerfällt, kann man Angehörige oder Pflegekräfte bitten, die Füße regelmäßig anzuschauen. Auch bei einer medizinischen Fußpflege (Podologie) können Probleme rechtzeitig erkannt werden.

Wie lassen sich Fußschäden vorbeugen?

Damit die Füße trotz Diabetes gesund bleiben, kann man einiges tun. Die wichtigsten Maßnahmen sind:

  • Gut eingestellter Blutzucker: Wenn der Blutzucker gut eingestellt ist, lassen sich Nerven- und Gefäßschäden vermeiden. Alle Menschen mit Typ-1-Diabetes benötigen dazu Insulin. Bei Typ-2-Diabetes reichen häufig eine Ernährungsumstellung und mehr Bewegung aus, um den Blutzucker zu senken. Auch Tabletten (Antidiabetika) oder spezielle Spritzen (Inkretin-Mimetika) kommen infrage. Wenn sie nicht ausreichend wirken, ist auch bei Typ-2-Diabetes Insulin notwendig.
  • Druckentlastung der Füße: Dies beugt Wunden vor. Entscheidend sind gut passende Schuhe, die nicht drücken. Dazu werden die Füße überprüft und gemessen.
  • Vermeiden von Verletzungen: Menschen mit einem erhöhten Risiko für chronische Wunden sollten beispielsweise nicht barfuß laufen, auch nicht zu Hause.
  • Fußpflege: Die Füße täglich pflegen und gut beobachten. Dabei können auch Angehörige helfen. Zusätzlich kann eine medizinische Fußpflege sinnvoll sein.
  • Regelmäßige ärztliche Kontrolle: In der Arztpraxis werden die Füße untersucht und nach Beschwerden wie Schmerzen oder Missempfindungen wie Taubheitsgefühlen gefragt.

Es ist sehr wichtig, bei Auffälligkeiten rechtzeitig eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen. Schon Druckstellen und kleine Verletzungen sollten ernst genommen werden.

Auch Bluthochdruck und hohe Blutfettwerte erhöhen das Risiko für Nerven- und Gefäßschäden. Sie zu behandeln, kann ebenfalls wichtig sein. Wer das Rauchen aufgibt, verringert das Risiko für solche Erkrankungen ebenfalls.

Wie vermeide ich Druckstellen an den Füßen?

Es ist sehr wichtig, die Füße vor Druckstellen zu schützen. Dazu gehören:

  • Schuhe, die ausreichend Platz in Länge, Breite und Höhe bieten und nicht drücken. Die Zehen müssen sich frei und ohne Druck bewegen können.
  • Ein weiches Fußbett.
  • Keine störenden Nähte im Innenfutter oder Riemchen, die scheuern könnten.

Manchmal können auch orthopädische Maßschuhe und angepasste Einlagen sinnvoll sein.

Man sollte vor dem Anziehen der Schuhe schauen, ob sich zum Beispiel Sand oder Steinchen in den Schuhen finden, und diese dann entfernen. Wichtig ist auch, verschlissene Schuhe zu reparieren oder auszutauschen.

Bei Fußfehlstellungen kann eine Operation eine Möglichkeit sein, den Druck auf bestimmte Bereiche zu verringern.

Wie lassen sich Verletzungen vermeiden?

Um die Füße vor Verletzungen zu schützen, ist es sinnvoll,

  • auf Barfußlaufen zu verzichten und stattdessen bequeme Schuhe zu tragen.
  • nahtfreie Socken zu tragen. Sie sollten täglich gewechselt werden.
  • keine Nagelscheren zu verwenden, da man sich damit leicht in die Haut schneiden kann. Besser ist, die Nägel gerade abzufeilen, damit sie nicht einwachsen.
  • keine heißen Fußbäder zu nehmen, da sie zu Hautschäden führen können. Dies gilt auch für andere Hitzequellen wie Wärmflaschen oder Heizdecken.

Ist es doch zu einer Verletzung oder Druckstelle gekommen, sollte sie einer Ärztin oder einem Arzt gezeigt werden. Dies gilt auch für kleine Schürfwunden oder Kratzer.

Wie gelingt eine gute Fußpflege?

Zu einer guten Fußpflege gehört:

  • Die Füße täglich mit lauwarmem Wasser reinigen und sie gut abtrocken, besonders die Zehen-Zwischenräume.
  • Die Füße mit Feuchtigkeitscreme, Schaum oder Lotion eincremen, die Harnstoff (5-10 Prozent) enthalten. Keine fettigen Salben, Öl oder Zinkpasten verwenden!
  • Fußpilz vermeiden oder behandeln.
  • Die Nägel regelmäßig gerade abfeilen.
  • Hornhaut mit einem Bimsstein entfernen.
  • Die Füße möglichst täglich auf Druckstellen, Verletzungen, Rötungen, Fußpilz oder andere Auffälligkeiten hin untersuchen. Um den gesamten Fuß betrachten zu können, einschließlich Fußsohle und dem Raum zwischen den Zehen, kann ein Handspiegel helfen.

Wer seine Füße nicht mehr selbst pflegen kann, benötigt Unterstützung zum Beispiel von Angehörigen. Besteht ein erhöhtes Risiko für chronische Wunden, wird die medizinische Fußpflege von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.

Was bietet ein Disease-Management-Programm?

Disease-Management-Programme (DMP)  sind strukturierte Behandlungsprogramme, die dabei helfen sollen, eine chronische Erkrankung in den Griff zu bekommen. Sie umfassen regelmäßige Arzttermine mit Beratungsgesprächen und Untersuchungen. Außerdem ist es möglich, zum Beispiel an Schulungen teilzunehmen. Ein DMP bietet für Menschen mit Diabetes viele Vorteile, die die Behandlung verbessern können. Deshalb lohnt es, sich einzuschreiben.

Ziel ist es, mögliche Folgen eines Diabetes wie etwa das diabetische Fußsyndrom zu vermeiden. Zum DMP Diabetes gehören deshalb:

  • Regelmäßige ärztliche Untersuchungen des Fußes (alle 1 bis 12 Monate, je nach Befund).
  • Beratung zum Tragen der richtigen Schuhe.
  • Verordnung von medizinischer Fußpflege.
  • Überweisung an Spezialistinnen und Spezialisten für das diabetische Fußsyndrom, wenn Wunden am Fuß auftreten.

Koordiniert wird die Behandlung meist durch die Hausärztin oder den Hausarzt, manchmal auch durch eine diabetologische Praxis.