Depressionen bei Kindern und Jugendlichen

Foto von Jungen (PantherMedia / Andrey Shadrin) Kinder und Jugendliche sind immer wieder mal traurig, niedergeschlagen oder gar verzweifelt. Hält die Traurigkeit jedoch länger an und ist stärker als normal, könnte eine Depression die Ursache sein. Besonders wichtig sind dann Menschen, denen sie vertrauen, bei denen sie sich ohne Ängste öffnen und von sich erzählen können.

Ärger mit den Eltern, schlechte Noten in der Schule, Verlust von Freundschaften, Unzufriedenheit mit sich und dem eigenen Körper, erster Liebeskummer: Kinder und Jugendliche haben es oft schwer. Probleme und schwierige Situationen können traurig, niedergeschlagen oder verzweifelt machen. Das ist ganz normal. Aber Depressionen sind mehr, als nur „nicht gut drauf zu sein“ oder „einen schlechten Tag zu haben“: Sie können sich zu einer ernsthaften Erkrankung entwickeln.

Depressionen haben oft mehrere Ursachen. Meistens entstehen sie durch ein Zusammenwirken von biologischen Vorgängen im Körper, psychischen Faktoren und Erlebnissen im sozialen Umfeld. Nicht alle diese Faktoren lassen sich beeinflussen – aber junge Menschen können lernen, besser mit den Herausforderungen in ihrem Leben umzugehen. Das kann auch vor Depressionen schützen.

Wie entwickeln sich Depressionen bei jungen Menschen?

Etwa 5 von 100 Kindern und Jugendlichen haben Beschwerden, die auf eine Depression hinweisen. Oft sind es Probleme in der Familie, Verluste (zum Beispiel eines Elternteils), Schwierigkeiten in der Schule und soziale Isolation, die eine Depression auslösen. Außerdem haben junge Menschen ein höheres Risiko für eine Depression, die

  • Familienmitglieder mit Depressionen oder anderen schwerwiegenden psychischen Erkrankungen haben,
  • in der Vergangenheit schon einmal eine Depression oder Angststörung hatten,
  • Gewalt oder Missbrauch ausgesetzt waren,
  • ein sehr negatives Selbst- oder Körperbild haben.

Auch eine körperliche Erkrankung oder Nebenwirkungen bestimmter Medikamente können zu einer Depression beitragen.

Wie lässt sich vorbeugen?

Idealerweise unterstützen Eltern und andere Erziehende ein Kind dabei, eine stabile Persönlichkeit zu entwickeln und mit Belastungen umzugehen. Man weiß außerdem, dass Menschen mit stabilen Bindungen seltener an Depressionen erkranken.

Wenn ein Kind eine Depression entwickelt, ist es wichtig, dass Angehörige und Freunde dies frühzeitig erkennen. Ein Zeichen kann sein, wenn es an nichts mehr Spaß hat, antriebslos ist und sich extrem zurückzieht.

Je älter ein Kind wird, desto mehr Strategien entwickelt es, um mit Problemen selbstständig umgehen und schwierige Situationen verarbeiten zu können. Dabei lernt es sowohl durch eigene Erfahrungen als auch durch Familie und Freunde. Manchmal ist aber eine zusätzliche Unterstützung notwendig. Eine Möglichkeit ist es dann, sich an eine psychologische Beratungsstelle zu wenden und zu besprechen, welche Hilfemöglichkeiten es gibt.

Mancherorts werden verschiedene Programme und Kurse angeboten, die Kindern oder Jugendlichen bei der Stress- und Problembewältigung helfen können. In Gruppensitzungen lernen sie dabei zum Beispiel, mit Stress umzugehen, Konflikte zu lösen und was sie tun können, wenn sie sich unglücklich fühlen.

Wenn ein Kind oder Jugendlicher unter lähmender Traurigkeit leidet oder sogar daran denkt, nicht mehr leben zu wollen, ist es wichtig, das nicht für sich zu behalten. Wer sich nicht traut, seine Freunde oder Eltern anzusprechen, kann sich an eine Kinderarztpraxis oder psychotherapeutische Einrichtung wenden. Es gibt auch Ärztinnen und Ärzte, die sich auf die Behandlung psychischer Probleme von Kindern und Jugendlichen spezialisiert haben.

Wie werden Depressionen bei Kindern und Jugendlichen behandelt?

Bei leichten Depressionen ist es möglich, zunächst abzuwarten, ob sich die Beschwerden auch ohne Behandlung wieder legen. In dieser Zeit ist es aber wichtig, das Kind zu unterstützen und wenn nötig eine psychologische Beratung in Anspruch zu nehmen.

Wie bei Erwachsenen können Depressionen bei Kindern und Jugendlichen mit Psychotherapien wie etwa einer kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) oder Antidepressiva behandelt werden. Wegen der möglichen Nebenwirkungen sollten die Medikamente zurückhaltend angewendet werden. So gibt es unter anderem Hinweise, dass manche Antidepressiva bei Jugendlichen dazu führen können, dass sie häufiger an Suizid denken.

Was tun junge Menschen noch, um mit Problemen fertig zu werden?

Viele Kinder und Jugendliche sind sportlich aktiv oder besuchen Kurse zum Beispiel im Sportverein, die körperliche, psychische und oft auch soziale Elemente verbinden. Dies kann ihr Gefühlsleben stärken. Wenn ein Kind oder Jugendlicher keinen Spaß am Schulsport hat, könnte es sich lohnen, anderswo nach Sportarten und Kursen zu suchen, bei denen der Leistungsdruck nicht so hoch ist und die Freude an der Bewegung im Vordergrund steht.

Nicht wenige Heranwachsende führen ein Tagebuch, um ihre Gedanken, Sorgen und Gefühle zu ordnen und besser mit ihnen umgehen zu können. Manche finden auch Trost bei einem Haustier. Mit anderen Menschen zu reden und sich ihnen verbunden zu fühlen, ist für die emotionale Gesundheit aber besonders wichtig.

Junge Menschen mit Depressionen, aber auch ihre Eltern können sich zudem an Sorgentelefone, Familien-, Kinder- und Jugendberatungsstellen wenden. Auch Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte sowie psychotherapeutische Fachkräfte beraten und unterstützen. In vielen Schulen stehen Schulsozialarbeiter, Schulpsychologen oder Vertrauenslehrer als Ansprechpartnerinnen und -partner zur Verfügung. Viele Jugendliche suchen im Internet Informationen und tauschen sich über soziale Netzwerke und in Foren aus.

Mit schwierigen Gefühls- und Lebenslagen umgehen zu lernen, ist ein wichtiger Teil des Erwachsenwerdens. Mit einer Depression oder Angststörung fertig zu werden, ist aber nie einfach. Auch wenn ein junger Mensch schon einmal eine Depression überwunden hat, kann die Angst vor einem Rückfall belasten. Dann ist es wichtig zu wissen, was man selbst tun kann und wo man Hilfe bekommt, wenn man sie braucht.

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