Blinddarm-OP – minimalinvasiv oder offen?

Foto von Mutter und Tochter im Krankenhaus

Ein entzündeter Wurmfortsatz des Blinddarms wird meist entfernt – also durch kleine Hautschnitte (Schlüsselloch-Chirurgie). Aber auch eine offene Operation ist bei einer Blinddarmentzündung möglich. Welche Vor- und Nachteile haben diese Methoden?

Bei einer Blinddarmentzündung (Appendizitis) wird der entzündete Wurmfortsatz (Appendix) in der Regel operativ entfernt. Das verhindert, dass sich die im Bauchraum ausbreitet oder erneut auftritt. Der Fachbegriff für das Entfernen des Wurmfortsatzes lautet Appendektomie.

Früher wurde für diesen Eingriff der Bauch immer mit einem mehrere Zentimeter langen Schnitt geöffnet (offene Operation, Fachbegriff: Laparatomie). Mit der Zeit haben sich aber die Techniken der „Schlüsselloch-Chirurgie“ weiterentwickelt und verbessert. Daher hat sich zur Entfernung des Wurmfortsatzes mittlerweile das minimalinvasive Vorgehen durchgesetzt.

Wie läuft der minimalinvasive Eingriff ab?

Bei der sogenannten Laparoskopie werden in der Regel drei kleinere Hautschnitte gemacht. Durch dünne Röhrchen schieben die Chirurginnen und Chirurgen eine Kamera und die nötigen OP-Instrumente in die Bauchhöhle. Auf einem Monitor können sie den Wurmfortsatz und die benachbarten Organe gut erkennen. Mit den Instrumenten trennen sie den entzündeten Wurmfortsatz vom Blinddarm ab und entfernen ihn über eines der Röhrchen aus der Bauchhöhle. Für den Eingriff ist eine nötig.

Grafik: Laparoskopische Entfernung des Wurmfortsatzes

Laparoskopische Entfernung des Wurmfortsatzes

Was passiert bei der offenen Operation?

Bei der offenen Appendektomie schneidet eine Chirurgin oder ein Chirurg die Haut im rechten Unterbauch ungefähr fünf Zentimeter lang ein, sodass die Blinddarmregion von außen gut zu erkennen ist. Dann wird der entzündete Wurmfortsatz abgetrennt und herausgenommen. Anschließend wird die Bauchdecke wieder vernäht. Auch dieser Eingriff wird unter vorgenommen.

Welche Vor- und Nachteile haben die Verfahren im Vergleich?

Bei der Laparoskopie sind nur kleine Hautschnitte nötig – deshalb bleibt keine größere Narbe am Unterbauch zurück. Der minimalinvasive Eingriff gilt allgemein auch als schonender. Dies haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks überprüft. Dazu haben sie den minimalinvasiven und den offenen Eingriff verglichen. Sie haben mehrere Studien analysiert, in denen Erwachsene oder Kinder mit Blinddarmentzündungen mit diesen Verfahren behandelt wurden. Allerdings liefen die Studien zum Teil unterschiedlich ab und waren auch nicht alle von guter Qualität.

Insgesamt kamen die Forscherinnen und Forscher zu dem Ergebnis, dass das minimalinvasive Vorgehen in vielen Punkten besser abschneidet als die offene Operation – aber nicht in allen:

Welche Vor- und Nachteile haben Erwachsene und Jugendliche?

In den Studien waren Erwachsene und Jugendliche, die operiert wurden, nach dem Eingriff früher schmerzfrei. Insgesamt war es in beiden Behandlungsgruppen individuell sehr unterschiedlich, wie lange die Betroffenen im Krankenhaus bleiben mussten und ab wann sie wieder aktiv am Alltag teilnehmen konnten. Man kann aber sagen, dass diejenigen, die behandelt wurden, im Durchschnitt etwa einen Tag weniger im Krankenhaus bleiben mussten und etwa fünf Tage früher wieder ihre Alltagsaktivitäten aufnehmen konnten als die Teilnehmenden, die offen operiert wurden.

Nach der minimalinvasiven Entfernung kam es seltener zu Wundinfektionen als nach der offenen Operation:

  • 30 von 1000 behandelten Erwachsenen und Jugendlichen bekamen eine Wundinfektion, und
  • 68 von 1000 offen Operierten.

Bei einer anderen Komplikation erwies sich dagegen die offene Operation als etwas vorteilhafter. Im Vergleich zur Laparoskopie bildeten sich seltener Eiterherde (Abszesse) in der Bauchhöhle:

  • Bei 12 von 1000 offen operierten Erwachsenen und Jugendlichen kam es zu einem in der Bauchhöhle, und
  • bei 20 von 1000 Behandelten.

Mit anderen Worten: Das minimalinvasive Vorgehen bewahrte 38 von 1000 operierten Erwachsenen und Jugendlichen vor einer Wundinfektion. Es führte aber auch dazu, dass 8 von 1000 Personen mehr einen in der Bauchhöhle bekamen als nach offener Operation. Zu ähnlichen Ergebnissen kamen auch andere Forschungsgruppen.

Gelten die Ergebnisse auch für Kinder?

Die Untersuchung der Cochrane-Gruppe ergab, dass die minimalinvasive auch Kinder mit Blinddarmentzündung vor Wundinfektionen schützt:

  • 11 von 1000 behandelten Kindern bekamen eine Wundinfektion, und
  • 42 von 1000 offen operierten Kindern.

Das minimalinvasive Vorgehen bewahrte also 31 von 1000 operierten Kindern vor einer Wundinfektion.

Anders als bei Erwachsenen und Jugendlichen traten bei operierten Kindern auch Bauchhöhlenabszesse seltener auf. Allerdings waren die Studien zum Vergleich der Operationsverfahren bei Kindern von geringerer Qualität.

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Erstellt am 17. November 2021
Nächste geplante Aktualisierung: 2024

Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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