Blinddarmentzündung – muss immer operiert werden?

Foto eines Mädchens mit Bauchschmerzen
PantherMedia / seb_ra

Bei einer Blinddarmentzündung (Appendizitis) wird der entzündete Wurmfortsatz meist entfernt. Manchmal ist auch die Behandlung mit eine geeignete Alternative – etwa wenn die unkompliziert ist und eine andere Erkrankung gegen eine Operation spricht.

Die Entfernung des Wurmfortsatzes ist ein Routine-Eingriff, der eine Blinddarmentzündung zuverlässig heilt und nur selten zu schweren Komplikationen führt. Manchmal wird eine unkomplizierte Blinddarmentzündung aber rein medikamentös mit behandelt. Die Mittel erhält man meist für 1 bis 3 Tage als und nimmt sie anschließend etwa eine Woche lang als Tabletten oder Saft ein.

Ist die alleinige Behandlung mit Antibiotika wirksam?

Mehrere Studien haben die Wirksamkeit von Operation und Antibiotika-Therapie sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern verglichen. Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer hatten unkomplizierte Blinddarmentzündungen. Dabei ist lediglich der Wurmfortsatz entzündet. Es haben sich zum Beispiel keine Eiterherde (Abszesse) gebildet und auch das ist nicht mitentzündet. Das Risiko für eine Ausbreitung der im Bauchraum ist gering.

Zusammengefasst zeigen die Studienergebnisse: Bei etwa 20 Prozent der nur mit behandelten Teilnehmenden ließ sich die Entzündung nicht beseitigen oder trat später erneut auf. Das bedeutet: Eine Antibiotika-Behandlung kann zwar den meisten Erkrankten helfen – ein operativer Eingriff führt jedoch mit höherer Wahrscheinlichkeit zur Heilung.

Birgt die Antibiotika-Therapie ein erhöhtes Risiko?

Die Studien haben auch verglichen, wie häufig es bei operierten und bei medikamentös behandelten Personen zu Komplikationen kam. Die Ergebnisse sind uneinheitlich: In einigen Studien kam heraus, dass beide Behandlungsformen ungefähr gleich sicher sind. In anderen Studien zeigten sich bei der Antibiotika-Therapie sogar weniger Komplikationen (weil dabei zum Beispiel keine oder Hautschnitte nötig sind) als bei oder nach der Operation. Die Antibiotika-Therapie war aber weniger wirksam als der Eingriff und mit einem höheren Risiko für einen verbunden, sodass konservativ Behandelte letztlich doch operiert werden mussten.

Für wen ist eine alleinige Antibiotika-Therapie möglich?

Die Antibiotika-Therapie kommt nur für Menschen mit einer unkomplizierten Blinddarmentzündung infrage. Um komplizierte Verläufe besser ausschließen zu können, sind oft zusätzliche Untersuchungen wie eine des Bauchraums nötig. Da eine Antibiotika-Therapie dennoch seltener zu einer dauerhaften Heilung führt, gilt die Operation auch bei einer unkomplizierten als Standard.

Die alleinige Antibiotika-Therapie eignet sich jedoch, wenn etwas gegen eine Operation spricht – etwa wenn man aufgrund einer anderen Erkrankung ein erhöhtes Risiko für OP- oder Narkose-Komplikationen hat oder eine Operation ablehnt. Auch Kinder mit einer eindeutig unkomplizierten Blinddarmentzündung erhalten manchmal zunächst nur .

Einige Studien haben untersucht, ob eine Antibiotika-Therapie auch Menschen mit komplizierter Blinddarmentzündung hilft. Sie ergaben: Bei Kindern, die bereits einen Blinddarmdurchbruch hatten, war eine Operation wirksamer und sicherer. Auch bei Erwachsenen führte die Operation häufiger zur Heilung.

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Erstellt am 17. November 2021
Nächste geplante Aktualisierung: 2024

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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