Behandlung von Zwangsstörungen

Foto von Mann während einer Therapie-Sitzung
PantherMedia / Dmitriy Shironosov

Zwangsstörungen können den Alltag erheblich einschränken und das gewohnte Leben nahezu unmöglich machen. Es gibt aber Behandlungen, mit denen sich Zwangsstörungen in den Griff bekommen lassen: vor allem die , aber auch Medikamente.

Menschen mit einer Zwangsstörung haben den Drang, etwas zu denken oder zu tun, obwohl sie das gar nicht möchten und es als sinnlos oder sogar schädlich empfinden. Manche waschen sich aus Angst vor Keimen dauernd die Hände. Andere kontrollieren immer wieder, ob sie den Herd auch wirklich ausgeschaltet haben. Wieder andere können nicht aufhören, ständig bis 20 zu zählen.

Betroffene empfinden ihren jeweiligen Zwang als belastend. Vielen ist es zudem peinlich, wenn ihre Zwangsstörung anderen Menschen auffällt. Trotzdem kommen sie oft nicht allein davon los. Beim Versuch, sie zu unterdrücken, werden sie angespannt oder bekommen Angst. Eine Psychotherapie und Medikamente können dabei helfen, die Zwänge zu beenden oder auf ein erträgliches Maß zu verringern.

Was passiert bei einer kognitiven Verhaltenstherapie?

Es gibt unterschiedliche Arten von Psychotherapien. Zwangsstörungen werden vor allem verhaltenstherapeutisch behandelt, genauer gesagt mit einer kognitiven Verhaltenstherapie (KVT). Sie wird in Deutschland von darin ausgebildeten Psychotherapeutinnen und -therapeuten angeboten und kombiniert Teile von kognitiver und .

Bei einer kognitiven geht es darum, die eigenen Denkmuster zu erkennen und zu hinterfragen. Das Ziel ist, Gedanken aufzuspüren, die dem zwanghaften Handeln zugrunde liegen, und diese anschließend zu verändern. Dabei setzt man sich mit Fragen auseinander wie: Was nützt es mir, wenn ich zehnmal nachschaue, ob die Tür abgeschlossen ist? Können mich meine Handlungen tatsächlich vor etwas schützen?

Die setzt direkt bei den Zwangshandlungen an. Eine bei Zwangsstörungen wichtige Technik der ist die „Reizkonfrontation mit Reaktionsverhinderung“: Hierbei wird man nach und nach mit den Auslösern seines zwanghaften Verhaltens konfrontiert (Reizkonfrontation). Wenn eine Person zum Beispiel einen Waschzwang hat, kann sie von ihrer Therapeutin oder ihrem Therapeuten gebeten werden, etwas anzufassen, was sie als schmutzig empfindet. Anschließend versucht sie, sich nicht wie sonst sofort die Hände zu waschen (Reaktionsverhinderung). Durch die Konfrontation lernt sie mit der Zeit, dass Angst und Unruhe auch ohne die Zwangshandlung wieder verschwinden. Dabei ist die therapeutische Begleitung sehr wichtig, vor allem zu Beginn der Behandlung oder wenn der Schwierigkeitsgrad der Übungen zunimmt.

Eine ist als Gruppen- oder Einzeltherapie möglich. In der Regel umfasst sie eine Reihe von wöchentlichen Sitzungen von 50 Minuten. Manchen Menschen geht es bereits nach einigen Sitzungen deutlich besser, bei anderen ist eine längere Behandlung erforderlich. Ein vertrauensvolles Verhältnis zur Psychotherapeutin oder zum Psychotherapeuten ist eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg der Behandlung. Ob man sich bei ihr oder ihm gut aufgehoben fühlt, lässt sich in dafür vorgesehenen Probesitzungen herausfinden.

Es kann auch helfen, wenn die Familie an der Behandlung beteiligt ist. Angehörige können zum Beispiel dabei unterstützen, mit den Zwängen auch zu Hause zurechtzukommen. Besonders nach Abschluss der Behandlung kann dies wichtig sein, um ihren Erfolg zu erhalten.

Was kann ich von einer kognitiven Verhaltenstherapie erwarten?

Die wurde in einer Reihe von Studien mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Zwangsstörungen untersucht. Dabei zeigte sich, dass die Behandlung sehr wirksam ist: Sie kann helfen, Zwänge in den Griff zu bekommen, Ängste abzubauen und den Alltag wieder besser zu bewältigen.

Eine erfordert eigenes Engagement und Geduld: Es kann eine Weile dauern, bis es gelingt, die Zwänge zu kontrollieren. Sich seinen Zwängen und Ängsten zu stellen, erfordert zudem Mut. Die kann gerade am Anfang belastend sein. Viele Betroffene berichten aber, dass sich die Mühe gelohnt hat, weil sie nach der Behandlung besser mit ihrer Erkrankung zurechtgekommen sind.

Welche Medikamente können helfen?

Zur Behandlung von Zwangsstörungen kommen Medikamente infrage, die auch gegen Depressionen eingesetzt werden (Antidepressiva). Dazu gehören vor allem sogenannte selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Sie erhöhen die Konzentration des Botenstoffs im Gehirn.

Mehrere Studien haben gezeigt, dass diese Medikamente Zwangsstörungen lindern können. Da viele der Medikamenten-Studien nicht länger als drei Monate dauerten, muss die Langzeitwirkung von SSRI bei Zwangsstörungen aber noch genauer untersucht werden. Die wenigen Studien, die über zwölf Monate dauerten, deuten aber bereits darauf hin, dass SSRI auch über längere Zeit helfen.

SSRI können verschiedene Nebenwirkungen haben. Dazu gehören zum Beispiel Übelkeit, Nervosität und Schlafstörungen. Außerdem können sie die sexuelle Lust dämpfen.

Nebenwirkungen treten vor allem in den ersten Wochen der Einnahme auf. Wer einen bestimmten Wirkstoff aus der Gruppe der SSRI nicht verträgt, kann einen anderen ausprobieren. Zum Absetzen der Medikamente wird die Dosierung der Tabletten über Wochen allmählich verringert, um Nebenwirkungen zu vermeiden.

Verschiedene Studien deuten darauf hin, dass Jugendliche häufiger an Selbsttötung (Suizid) denken, wenn sie SSRI einnehmen, und auch häufiger tatsächlich versuchen, sich das Leben zu nehmen. Jugendliche sollten deshalb in der ersten Zeit der Behandlung vorsichtshalber öfter zu ihrer Ärztin, ihrem Arzt oder Therapeuten gehen, damit Anzeichen für eine Suizidgefährdung frühzeitig erkannt werden können.

Was hilft besser: eine kognitive Verhaltenstherapie oder Medikamente?

Mehrere Studien haben untersucht, wie hilfreich und Medikamente im Vergleich sind. Sie deuten darauf hin, dass eine Menschen mit Zwangsstörungen etwas besser hilft als . Die gilt daher als bevorzugte Behandlung bei Zwangsstörungen.

Dennoch kann es gute Gründe für eine Behandlung mit Medikamenten geben: So muss man oft eine gewisse Zeit auf einen Therapieplatz warten. Zudem kann eine viel Eigeninitiative und Kraft erfordern. Manche Menschen haben so starke Zwänge, dass sie eine Psychotherapie kaum durchhalten würden. Medikamente können dann helfen, die Beschwerden soweit zu lindern, dass eine Psychotherapie möglich wird. Nicht zuletzt gibt es Menschen, die aus persönlichen Gründen Medikamente einer Psychotherapie vorziehen.

Psychotherapie und Medikamente können auch kombiniert werden. Dies kann besonders für Menschen sinnvoll sein, die neben der Zwangsstörung auch mit Depressionen zu tun haben.

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Aktualisiert am 14. Juli 2021
Nächste geplante Aktualisierung: 2024

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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