Würmer bei Kindern (Madenwürmer)

Auf einen Blick

  • Madenwürmer sind die häufigsten Würmer bei Kindern.
  • Nächtlicher Juckreiz und Kratzen am Po sind typische Anzeichen dafür.
  • Die Würmer sind meist harmlos, können aber leicht übertragen werden.
  • Konsequente Hygiene schützt vor einer Ansteckung.
  • Würmer werden mit Medikamenten zum Einnehmen behandelt.

Einleitung

Foto von Kindergartenkindern beim Händewaschen
PantherMedia / Monkeybusiness Images

Die Vorstellung, lebende Würmer im Körper zu haben, ist für viele unangenehm. Das kann nicht nur für Erwachsene belastend sein: Auch betroffene Kinder können Gefühle wie Scham und Ekel empfinden. Würmer sind aber kein Grund, sich zu schämen.

Und auch wenn Würmer unappetitlich sein mögen: schädlich oder gar gefährlich sind sie gewöhnlich nicht. Sie verursachen allerdings häufig nächtlichen Juckreiz am Po, was das Wohlbefinden eines Kindes stark beeinträchtigen kann.

Würmer sind bei Kindern gar nicht so selten. Bei ihnen sind Madenwürmer die häufigste Wurmart. Die Würmer sind weißlich und sehr klein, aber mit bloßem Auge zu erkennen. Andere Wurmarten wie Spul- und Bandwürmer sind in Europa weniger verbreitet.

Grafik: Madenwürmer in Originalgröße und vergrößert (unter der Lupe)

Madenwürmer in Originalgröße und vergrößert (unter der Lupe)

Symptome

Madenwürmer machen sich typischerweise dadurch bemerkbar, dass es am Po juckt – vor allem nachts. Viele Kinder mit Madenwürmern haben aber gar keine oder kaum Beschwerden.

Grafik: Kratzen am Po ist ein typisches Anzeichen für Madenwürmer

Kratzen am Po ist ein typisches Anzeichen für Madenwürmer

Wenn sich ein Kind häufig am Po kratzt, kann dies auf Madenwürmer hinweisen. Bei kleineren Kindern führt der Juckreiz manchmal auch dazu, dass sie über den Po rutschen oder mit den Beinen zappeln.

Da der Juckreiz nachts häufig am stärksten ist, kann er den Schlaf stören.

Manchmal sind die Würmer auch am After, in der Unterwäsche oder im Bett zu finden. Würmer, die mit dem Stuhl ausgeschieden werden, sind nicht immer sichtbar.

Ursachen

Ein Kind bekommt Würmer, wenn es die Eier von Madenwürmern verschluckt. Diese sind so winzig, dass sie mit bloßem Auge nicht zu erkennen und auch nicht zu spüren sind. Deshalb bemerken Kinder es gar nicht, wenn sie sie aufnehmen. Wurmeier können sich auf den Händen, auf Gegenständen wie Spielzeug, auf Lebensmitteln oder im Staub befinden. Aber wie kommen Wurmeier dorthin?

Wenn ein Kind Wurmeier verschluckt, kann ein Kreislauf entstehen: Die Eier gelangen in den Darm und werden dort zu Würmern. Diese legen im Afterbereich neue Eier ab. Wurmeier sind etwas klebrig und haften gut. Daher können sie durch Kratzen am Po an die Hände und so auf Gegenstände oder Lebensmittel gelangen. Außerdem werden Wurmeier beim Kratzen häufig unter die Fingernägel geschoben – und entgehen dort leicht dem Händewaschen. Über Verschlucken können sie auf andere und auch auf das Kind selbst erneut übertragen werden. Wurmeier sind gewöhnlich bis zu 5 Tage ansteckend.

Bis die Würmer Eier legen, vergehen nach der Ansteckung etwa 2 bis 6 Wochen. Sie kriechen dafür im Darm in Richtung After und legen dort in den Hautfalten Tausende neuer Eier ab. Dies geschieht vor allem nachts, während das Kind schläft. Die Eiablage kann Juckreiz verursachen und deshalb zum Kratzen verleiten.

Manchmal gelangen Wurmeier vom Afterbereich in die Unterwäsche oder die Bettwäsche. Weil sie so klein sind, können sie durch das Aufschütteln der Bettdecke in die Luft gewirbelt und verschluckt werden. Dies ist aber eher selten.

Der Mensch ist für Madenwürmer der einzige Wirt: Das heißt, sie können nicht durch Tiere oder ihre Ausscheidungen übertragen werden.

Häufigkeit

Madenwürmer sind bei Kindergarten- und Grundschulkindern am häufigsten: Es wird grob geschätzt, dass etwa jedes fünfte Kind in Kindergarten und Schule betroffen ist. Am häufigsten haben Kinder im Alter von 4 bis 11 Jahren Madenwürmer. Bei Kindern unter zwei Jahren und Jugendlichen sind sie eher selten.

Auch erwachsene Kontaktpersonen können sich anstecken – wie oft, ist jedoch nicht bekannt.

Verlauf

Werden die Madenwürmer nicht behandelt, kann sich das Kind immer wieder „selbst anstecken“. Das ist der Grund, warum Würmer normalerweise nicht von allein wieder verschwinden. Außerdem verbreiten sie sich leicht in der Familie. Nur wenn alle betroffenen Familienmitglieder und enge Kontaktpersonen behandelt werden, gelingt es, die Würmer dauerhaft loszuwerden.

Sehr viele Würmer im Darm können Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen verursachen. Nur sehr selten kommt es zu Entzündungen, etwa im Darm oder bei Mädchen an der Scheide.

Wenn die Haut am After durch Kratzen gereizt wird, ist sie anfälliger für eine bakterielle . Dies kann sich zum Beispiel durch eine starke Rötung oder einen Ausschlag äußern.

Diagnose

Juckreiz am After oder häufiges Kratzen am Po sind bei Kindern ein deutlicher Hinweis auf Madenwürmer. Ob tatsächlich Würmer der Grund für den Juckreiz sind, lässt sich in der Kinderarztpraxis klären.

Die Kinderärztin oder der Kinderarzt schlägt gewöhnlich einen Klebestreifen-Test vor: Dazu wird ein Stück durchsichtiger Klebestreifen mit der klebenden Seite morgens auf den After des Kindes gedrückt. Anschließend wird der Streifen auf ein dünnes Glasplättchen geklebt und in der Praxis unter dem Mikroskop auf Wurmeier untersucht.

Eltern machen den Klebestreifen-Test mit ihrem Kind an drei Tagen hintereinander zu Hause – und zwar morgens, bevor das Kind zur Toilette geht oder beim ersten Windelwechsel. Die Plättchen mit den Teststreifen werden gesammelt und später in der Arztpraxis untersucht.

Üblicherweise schlägt die Ärztin oder der Arzt vor, dass auch andere Familienmitglieder den Test machen, weil oft nicht nur ein Familienmitglied Würmer hat.

Manchmal sind die Würmer auch ohne Test sichtbar, zum Beispiel am Po des Kindes, in seiner Unterwäsche, Bettwäsche oder im Stuhl.

Behandlung

Madenwürmer lassen sich in der Regel gut mit Medikamenten behandeln, den sogenannten Anthelminthika. Ein Rezept stellt die Kinderarztpraxis nach der aus. Manchmal werden neben dem Kind auch alle Familienmitglieder behandelt.

Die Mittel gibt es als Tablette, Kautablette oder Saft, den auch kleinere Kinder schlucken können. Die Medikamente müssen nur einmal eingenommen werden. Die Einnahme wird nach 2 bis 4 Wochen wiederholt, um alle Würmer zu erwischen und einer erneuten Ansteckung vorzubeugen.

Wurmmittel sind normalerweise gut verträglich. Falls Nebenwirkungen auftreten, dann am häufigsten Bauchschmerzen, Durchfall, Blähungen, Übelkeit und Erbrechen.

Neben dem Einsatz von Wurmmitteln gehört eine sorgfältige Hygiene zur Behandlung – denn sonst lässt sich kaum vermeiden, dass sich das Kind immer wieder ansteckt. Das bedeutet:

  • Hände oft und gründlich waschen, insbesondere vor dem Essen und nach dem Toilettengang. Dies gilt auch für Eltern, wenn sie zum Beispiel die Windel ihres Kindes gewechselt haben.
  • Po täglich waschen, direkt morgens nach dem Aufwachen. Vorsichtshalber auf gemeinsames Baden verzichten.
  • Kratzen vermeiden. Darauf achten, dass sich das Kind nicht am Po kratzt. Hat es doch gekratzt, dafür sorgen, dass es sich gründlich die Hände wäscht. Baumwollhandschuhe können verhindern, dass sich durch unbewusstes Kratzen – zum Beispiel nachts – Wurmeier unter den Fingernägeln sammeln. Manchmal werden auch Salben gegen den Juckreiz aufgetragen.
  • Fingernägel kurz und sauber halten, regelmäßig abbürsten. Darauf achten, dass das Kind nicht an den Fingernägeln kaut oder die Finger in den Mund nimmt.
  • Unterwäsche täglich wechseln.
  • Bettwäsche häufig wechseln. Die Bettwäsche des Kindes vor allem an den Tagen nach der Medikamenteneinnahme austauschen.
  • Handtücher nicht teilen. Jedes Familienmitglied sollte ein eigenes Handtuch und einen eigenen Waschlappen verwenden.
  • Wäsche heiß waschen. Unterwäsche, Schlafanzüge, Bettwäsche und Handtücher des Kindes bei mindestens 40° C waschen oder wenn möglich, bei höheren Temperaturen.

Manchmal empfiehlt die Ärztin oder der Arzt, auf das Aufschütteln der Bettdecke zu verzichten, damit keine Eier aufgewirbelt werden und sich mit dem Staub verteilen. Besteht der Verdacht, dass Gegenstände wie Spielsachen mit Wurmeiern verschmutzt sind, können diese mit heißem Wasser und Seife unter fließendem Wasser abgewaschen werden – oder man gibt sie in die Spül- oder Waschmaschine.

Nach einer erfolgreichen Behandlung ist es sinnvoll, einfache Hygienemaßnahmen wie häufiges Händewaschen beizubehalten und weiter darauf zu achten, dass das Kind die Finger nicht in den Mund nimmt. So lässt sich das Risiko für eine erneute Ansteckung – und auch für andere Infektionen – verringern.

Leben und Alltag

Ein Kind mit Würmern kann weiterhin den Kindergarten oder die Schule besuchen. Weil es andere Kinder anstecken kann, ist es wichtig, Kontaktpersonen und Eltern befreundeter Kinder über die Erkrankung zu informieren – und auf sorgfältige Hygiene zu achten.

Würmer müssen niemandem peinlich sein. Sie treten immer wieder in Kindergärten und Schulen auf – durchaus häufiger, als vielen Eltern bekannt ist. Eine Pflicht, öffentlichen Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen zu melden, dass ein Kind Würmer hat, gibt es aber nicht.

Weitere Informationen

Die Kinderarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn ein Kind krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlicher Rat sinnvoll ist. In unserem Thema „Gesundheitsversorgung in Deutschland“ informieren wir darüber, wie man die richtige Praxis findet – und mithilfe unserer Frageliste möchten wir dabei helfen, sich auf den Arztbesuch vorzubereiten.

Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Parasites - Enterobiasis (also known as Pinworm Infection). 2020.

MSD Manual. Madenwurminfektion (Enterobiasis; Oxyuriasis). 2019.

Pschyrembel Online. 2021.

Rawla P, Sharma S. Enterobius Vermicularis. In: StatPearls. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2021.

Wendt S, Trawinski H, Schubert S et al. The Diagnosis and Treatment of Pinworm Infection. Dtsch Arztebl Int 2019; 116(13): 213-219.

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Ärzten und anderen Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

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Erstellt am 03. November 2021
Nächste geplante Aktualisierung: 2024

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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