Behandlungen und Untersuchungen

Wie funktioniert eine Stimmtherapie?

Eine Stimmtherapie soll Probleme bei der Stimmbildung (Phonation) im Kehlkopf beheben oder mildern. Nach der Therapie soll die Stimme wieder belastbar sein und so klingen wie zuvor. Bei einer vorbeugenden Stimmtherapie geht es darum, die Stimme zu schulen, damit es gar nicht erst zu Problemen kommt.

Eine Stimmtherapie umfasst verschiedene, individuell abgestimmte Übungen, die man zum Beispiel bei Logopäden, Sprach- und Atemtherapeuten erlernen kann. Wenn eine Stimmtherapie notwendig ist und zum Beispiel vom Haus- oder Hals-Nasen-Ohrenarzt verschrieben wurde, übernehmen in der Regel die Krankenkassen die Kosten.

Wann ist eine Stimmtherapie sinnvoll?

Eine Stimmtherapie ist bei den meisten Formen der Stimmstörung (Dysphonie) angebracht. Von einer Stimmstörung spricht man, wenn sich die Stimme anhaltend verändert hat. Häufig ist sie heiser, sie kann aber auch gepresst, belegt oder tonlos klingen. Außerdem ist die Stimme weniger belastbar und leistungsfähig: Wer eine Stimmstörung hat, kann zum Beispiel Töne nicht mehr so lange halten und nicht mehr so tief oder hoch sprechen oder singen wie zuvor. Manchmal ist die Stimme auch ganz weg (Aphonie).

Welche Stimmstörungen gibt es?

Stimmstörungen können ganz unterschiedliche Ursachen haben. Man unterscheidet

  • funktionelle Stimmstörungen: Sie können durch häufiges und lautes Sprechen entstehen. Manche Menschen setzen die Stimme auch unbewusst mit zu viel Druck oder Spannung ein, etwa weil sie sehr angespannt sind oder sich eine ungünstige Atemtechnik angewöhnt haben. Andere sprechen in einer Tonlage, die für sie nicht ideal ist.
  • organische Stimmstörungen: Hier sind Veränderungen am Kehlkopf die Ursache. Organische Veränderungen wie zum Beispiel Stimmlippenknötchen können aber auch die Folge einer funktionellen Stimmstörung sein. Lähmungen der Stimmlippen – etwa nach einer Operation an der Schilddrüse – zählen ebenfalls zu den häufig vorkommenden organischen Stimmstörungen. Weitere Ursachen sind Rauchen, Entzündungen, Schlaganfälle oder Tumoren des Kehlkopfs.
  • psychogene Stimmstörungen: Die Stimme ist nach einem belastenden Ereignis, anhaltendem Stress oder durch psychische Erkrankungen wie Depressionen heiser, brüchig oder verstummt ganz.

Wie läuft die Stimmtherapie ab?

Meist geht man über mehrere Wochen einmal oder mehrmals pro Woche zu einer Therapeutin oder einem Therapeuten. Eine Behandlungseinheit dauert in der Regel 45 Minuten. Zum Teil sind auch Online-Sitzungen zu Hause am Computer möglich.

Eine Stimmtherapie umfasst zum Beispiel die folgenden Übungen:

  • Atemübungen – beispielsweise wird geübt, beim Atmen das Zwerchfell mehr einzusetzen oder Sprechen und Atmen besser aufeinander abzustimmen.
  • Entspannungsübungen, um Verspannungen zu lockern.
  • Bewegungs- oder Halteübungen, die die Körperhaltung verbessern sollen.
  • Training der Mund- und Kiefermuskulatur – etwa durch Kaubewegungen oder bewusstes Gähnen und Seufzen.

Wer in einer für ihn wenig idealen Tonlage spricht, kann zudem eine günstigere Tonlage einüben.

Es gibt verschiedene Therapie- und Übungskonzepte. Welche Übungen am besten passen, hängt neben persönlichen Aspekten von der Ursache der Stimmstörung ab: Wenn etwa Sorgen oder Ängste im Vordergrund stehen, wird das in der Therapie berücksichtigt. Dann kann auch eine begleitende Psychotherapie sinnvoll sein.

Das Sprechen fällt auch schwer, wenn sich Zunge, Mund oder Kiefer nicht normal bewegen lassen. Das Problem ist dann nicht die Stimme, sondern dass es kaum gelingt, mit Tönen verständliche Wörter zu bilden. Fachleute nennen das Sprechstörung (Dysarthrie).

Stimmstörungen und Sprechstörungen können gleichzeitig auftreten – etwa nach einem Schlaganfall oder bei anderen neurologischen Erkrankungen wie der Parkinson-Krankheit. Zusätzlich kann auch das Schlucken erschwert sein. Neben einer Stimmtherapie ist dann auch eine Sprech- und Schlucktherapie nötig. Dabei sollen geeignete Übungen die Lautbildung in Mund und Rachen (Artikulation) verbessern und die Schluckmuskulatur so trainieren, dass Essen und Trinken wieder leichter fällt.

Was kann man selber tun?

Bei einer Stimmtherapie ist es wichtig, zusätzlich zu den Therapiestunden zu Hause zu üben. Auch wenn die Therapie abgeschlossen ist, lohnt es sich, regelmäßige Übungen in den Alltag einzubauen.

Wichtig ist außerdem, die Stimme in Alltag und Beruf nicht übermäßig zu belasten. Anstatt zum Beispiel gegen einen hohen Lärmpegel anzureden, kann man versuchen, längere Gespräche an einem leiseren Ort zu führen oder – wenn das nicht geht – für ausreichend Ruhe zu sorgen. Flüstern ist keine gute Idee, weil es die Stimmbänder sehr anstrengt. Wer seine Stimme schonen will, versucht besser, weniger zu sprechen.

Alle Maßnahmen, die die Stimme gesund erhalten sollen, werden häufig unter dem Begriff „Stimmhygiene“ zusammengefasst.

Schlagwörter: Atemwege, Sprechstörung, Stimmstörung, Stimmtherapie