Wechseljahrsbeschwerden selbst lindern

Foto von Sportgruppe (PantherMedia / Robert Kneschke) Viele Frauen in den Wechseljahren suchen Wege, um Beschwerden selbst lindern oder besser mit ihnen umgehen zu können. Manche ändern ihre Ernährung, machen Sport, probieren es mit Yoga oder Entspannungsverfahren. Andere greifen zu pflanzlichen Mitteln oder „alternativen“ Methoden. Diese versprechen oft viel mehr, als sie halten können.

Um Wechseljahrsbeschwerden zu lindern, ist nicht immer eine Behandlung nötig oder sinnvoll. Die Wechseljahre sind keine Krankheit. Auch ohne Behandlung lassen Hitzewallungen und Schweißausbrüche bei fast allen Frauen mit der Zeit nach und gehen schließlich von selbst wieder weg.

Manche Frauen warten einfach ab, bis die Wechseljahre überstanden sind. Andere versuchen, durch Anpassungen ihres Lebensstils – zum Beispiel durch eine Umstellung ihrer Ernährung oder mehr Bewegung – ihr allgemeines Wohlbefinden zu verbessern. Manchen Frauen hilft dies auch, mit ihren Beschwerden besser zurechtzukommen.

Viele Frauen probieren pflanzliche Mittel oder andere, oft „alternativ“ genannte, Methoden aus. Die meisten dieser Mittel sind allerdings längst nicht so wirksam, wie häufig angenommen wird. Andere haben Nebenwirkungen, die manchmal unterschätzt werden.

Ernährung

Zur Ernährung in den Wechseljahren wird zum einen oft der Verzehr bestimmter Nahrungsmittel empfohlen, zum anderen der Verzicht. Für die meisten dieser Ratschläge gibt es aber keine zuverlässige wissenschaftliche Grundlage. So empfehlen manche Expertinnen und Experten Nüsse, Nussöl und verschiedene andere Pflanzenöle gegen Wechseljahrsbeschwerden. Ihre Wirkung ist aber nicht gut untersucht. Das Gleiche gilt für Kräutertees, Weizen, Grapefruit und viele andere Lebensmittel.

Ebenso ist unklar, ob sich der Verzicht auf starken Kaffee, schwarzen Tee, alkoholische Getränke, Schokolade, Salz und scharfe Gewürze wie Curry lohnt, um Beschwerden wie Hitzewallungen zu lindern. Zudem reagieren Frauen unterschiedlich auf mögliche Auslöser – ob sie eine Rolle spielen, lässt sich aber selbst herausfinden, wenn man die eigene Reaktion auf bestimmte Lebensmittel beobachtet.

Viele Fachleute empfehlen eine sojareiche Ernährung zum Beispiel mit Lebensmitteln aus Sojamehl und -milch. Andere empfehlen Nahrungsergänzungsmittel, die bestimmte Soja-Inhaltsstoffe enthalten (siehe unten). Zu Soja gibt es eine Reihe von Untersuchungen. Nach den bisherigen Studien kann man nicht davon ausgehen, dass Soja zuverlässig Hitzewallungen und andere Beschwerden lindert.

Sport und Bewegung

Zum Einfluss von körperlicher Aktivität auf Wechseljahrsbeschwerden gibt es nur wenige und zudem kleine Studien. Diese konnten nicht zeigen, dass körperliche Aktivität typische Beschwerden wie Hitzewallungen lindert.

Aktivitäten wie zügiges Gehen und leichtes Muskeltraining haben jedoch eine Reihe anderer positiver Wirkungen, wie die Verbesserung der Muskelkraft und Beweglichkeit oder die Stärkung der Knochen. Sport hilft vielen Menschen außerdem, sich zu entspannen und die Stimmung zu heben.

Regelmäßige körperliche Aktivität unterstützt auch dabei, ein normales Gewicht zu halten – oder bei Übergewicht abzunehmen. Nicht zuletzt kann körperliche Aktivität auch helfen, den Blutdruck zu senken.

Entspannungstechniken

Zur Wirkung von Entspannungstechniken, Atemtraining, Meditation, Yoga und Tai Chi bei Wechseljahrsbeschwerden lässt sich kein verlässliches wissenschaftliches Urteil abgeben. Dennoch empfinden viele Frauen, die diese Techniken erlernen, entspannende Übungen und meditatives Bewegungstraining als hilfreich, um Alltagsstress auszugleichen, ein besseres Körpergefühl zu bekommen und beweglich zu bleiben.

Andere Behandlungsmethoden

Um die Wechseljahre herum hat sich ein großer Markt sogenannter alternativmedizinischer Methoden entwickelt. Verschiedene pflanzliche und homöopathische Mittel sollen helfen, die Wechseljahrsbeschwerden zu lindern. Auch Akupunktur, Chiropraktik und Fußreflexzonenmassage werden angeboten. Für keines dieser Präparate und Methoden gibt es bislang einen überzeugenden Nachweis, dass sie tatsächlich gegen Wechseljahrsbeschwerden wirken. Zudem können sie Nebenwirkungen haben.

Dennoch sind solche Behandlungsmethoden bei Frauen sehr beliebt – weil sie als „natürlich“ und deshalb als unbedenklich angesehen werden. Aus Umfragen geht hervor, dass in Deutschland 15 bis 17 von 100 Frauen vor allem bei leichten Wechseljahresbeschwerden rezeptfreie Naturprodukte verwenden. Bevor man pflanzliche Arzneimittel einnimmt, ist es wichtig, ärztlichen Rat einzuholen, um mögliche Unverträglichkeiten abzuklären oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten vorzubeugen.

Viele Ratschläge oder Empfehlungen zu Mitteln gegen Wechseljahrsbeschwerden beruhen völlig auf Spekulation. Die folgende Beschreibung konzentriert sich auf die Behandlungsmethoden, die zumindest in einigen Studien systematisch untersucht wurden.

Soja-Isoflavone

Soja-Präparate sind die am besten untersuchten pflanzlichen Mittel gegen Wechseljahrsbeschwerden. Sie enthalten sogenannte Isoflavone, die zu den „Phytoöstrogenen“ oder „pflanzlichen Östrogenen“ zählen.

Es gibt schwache Hinweise, dass Soja-Isoflavone die Häufigkeit und Stärke von Hitzewallungen etwas verringern können. Hoch dosierte Präparate zeigten in Studien eine stärkere Wirkung als niedriger dosierte.

Bei längerer Einnahme und hoher Dosierung ist jedoch mit Nebenwirkungen zu rechnen. Frauen, die Phytoöstrogene einnahmen, hatten häufiger mit Magen-Darm-Beschwerden zu tun als Frauen, die dies nicht taten. Die Einnahme von Isoflavonen über einen kurzen Zeitraum ist aber vermutlich kein gesundheitliches Risiko.

Rotklee

Das Wissen über Rotklee (Trifolium pratense) ist lückenhaft. Auch Substanzen im Rotklee sollen im Körper ähnlich wirken wie Öströgene. Rotklee enthält zwar Isoflavone, diese unterscheiden sich aber von den Inhaltsstoffen in Soja. Deshalb ist es nicht möglich, von der Wirkung des einen Mittels auf das andere zu schließen. Es gibt keinen Beleg, dass Nahrungsergänzungsmittel aus Rotklee zum Beispiel gegen Hitzewallungen helfen. Mögliche Nebenwirkungen von Rotklee sind nicht ausreichend untersucht.

Traubensilberkerze

Einige Produkte, die Extrakte der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa oder Actaea racemosa) enthalten, sind in Deutschland als pflanzliche Arzneimittel zugelassen. Es fehlt aber der Nachweis, dass sie Wechseljahrsbeschwerden lindern können.

Etwa 5 von 100 Frauen, die Traubensilberkerze-Präparate einnehmen, berichten über Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Rötung der Haut. Gewöhnlich verschwinden sie nach Absetzen der Mittel wieder.

Der Wirkstoff der Traubensilberkerze kann auch ernsthafte Nebenwirkungen haben: Bei seiner Anwendung sind einige Fälle von schweren Leberschädigungen aufgetreten. Die europäische Arzneimittelbehörde empfiehlt daher, die Einnahme solcher Präparate sofort zu beenden und zum Arzt zu gehen, falls sich Anzeichen einer Leberschädigung bemerkbar machen wie zum Beispiel: Müdigkeit, Appetitverlust, Gelbfärbung der Haut oder der Augen, auffällig dunkler Urin sowie Oberbauchbeschwerden und Übelkeit. Die europäische Arzneimittelbehörde rät Frauen außerdem davon ab, Traubensilberkerze gleichzeitig mit Östrogenen einzunehmen. Auch Frauen mit Brustkrebs wird von dem Mittel abgeraten.

Andere pflanzliche Präparate

Andere pflanzliche Präparate, die bei Wechseljahrsbeschwerden helfen sollen, werden zum Beispiel aus Rhapontik-Rhabarber (Rheum rhaponticum), Ginseng (Panax ginseng), Dong Quai (Angelica sinensis), Nachtkerzenöl (Oenothera biennis), Kava Kava (Piper methysticum), Maca (Lepidium meyenii, eine Pflanze aus den Anden) oder Mönchspfeffer (Vitex agnus castus) hergestellt.

Es gibt für keines der aus diesen Pflanzen hergestellten Präparate einen verlässlichen Nachweis, dass sie Wechseljahrsbeschwerden lindern können. Einige der Präparate können jedoch Nebenwirkungen haben oder vertragen sich nicht mit anderen Medikamenten. Zum Beispiel ist es möglich, dass Blutungen auftreten, wenn Ginseng gleichzeitig mit gerinnungshemmenden Medikamenten (etwa Heparin oder Acetylsalicylsäure) oder mit Nachtkerzenöl eingenommen wird.

In Deutschland haben Zulassungsbehörden Präparate mit Kava Kava vom Markt genommen. Kava Kava kann allergische Reaktionen und Hautprobleme auslösen. Außerdem sind Leberschäden und Nervenbeschwerden möglich.

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