Was passiert bei einer Ohrenuntersuchung?

Das Ohr ist zuständig für das Hören und den Gleichgewichtssinn, also für zwei Sinnesfunktionen. Beim Hören nimmt das Ohr Schallwellen auf, wandelt sie in Nervenimpulse um und leitet sie an das Gehirn weiter. Dort werden sie verarbeitet und als Töne eingeordnet und bewertet. Auch das Gleichgewichtsorgan im Innenohr sendet Impulse an das Gehirn, wo jede Bewegung und Lageveränderung wahrgenommen und beurteilt wird.

Bei Hörproblemen werden die Ohren untersucht. Die Medizin unterscheidet zwei Arten von Hörstörungen: Zum einen kann es sein, dass Töne und Geräusche nicht oder zu schwach wahrgenommen werden (Schallempfindungsstörung). Zum anderen kann die Weiterleitung der Schallwellen vom Ohr gestört sein (Schallleitungsstörung). Neben Hörstörungen sind Ohrenschmerzen ein häufiger Grund für eine Untersuchung der Ohren. Oft ist eine Mittelohrentzündung oder Gehörgangsentzündung Grund für die Schmerzen. Sie können aber auch durch Probleme im Kiefer oder in der Halswirbelsäule bedingt sein.

Die anatomische Grafik zeigt die drei Abschnitte des Ohres: das äußere Ohr, das Mittelohr und das Innenohr.

Wann sind Ohrenuntersuchungen sinnvoll?

Bei einem plötzlichen oder zunehmenden Hörverlust, bei Ohrgeräuschen (Tinnitus), Ohrenschmerzen, Schwindel oder beim Verdacht einer Mittelohrentzündung ist es sinnvoll, die Ohren untersuchen zu lassen. Ebenso, wenn Flüssigkeit aus dem Ohr austritt oder bei Unterkieferverletzungen, da diese das Ohr und den Gehörgang ebenfalls schädigen können.

Wie bereitet man sich auf eine Ohrenuntersuchung vor?

Eine Vorbereitung ist nicht nötig. Gut zu wissen ist aber: Der Gehörgang und das Trommelfell sind recht empfindlich. Während einer Ohrenuntersuchung ist es daher wichtig, sich nicht ruckartig zu bewegen, um Schmerzen zu vermeiden. Berührt die Ärztin oder der Arzt mit einem Instrument die Hinterwand des Gehörgangs, kann das einen Hustenreiz auslösen.

Wie läuft die Untersuchung ab?

Jede Untersuchung beginnt mit einem Gespräch. Dabei fragt die Ärztin oder der Arzt nach Schmerzen, Ohrgeräuschen, Schwindel und Problemen beim Hören. Auch frühere Erkrankungen der Ohren oder Hörstörungen in der Familie können wichtig sein. Nach dem Gespräch wird in der Regel zuerst eine Ohrspiegelung (Otoskopie) gemacht. Wenn nötig, folgen noch weitere Untersuchungen.

Um Hörprobleme zu untersuchen, gibt es verschiedene Methoden. Meist werden mehrere Verfahren kombiniert. Es gibt subjektive Hörprüfungen, deren Ergebnis von den eigenen Angaben abhängt. Dazu zählen die Hörweiten- und die Stimmgabelprüfung sowie die Audiometrie. Bei objektiven Hörprüfungen wie der Tympanometrie, der OAE-Messung und der Hirnstammaudiometrie wird das Hörvermögen mithilfe von Messgeräten erfasst.

Die Grafik zeigt links eine Ärztin bei der Ohrspiegelung bei einem Kind und rechts das Trommelfell in Detailansicht.

Otoskopie (Ohrspiegelung)

Bei einer Ohrspiegelung (Otoskopie) führt die Ärztin oder der Arzt einen Ohrtrichter in den äußeren Gehörgang ein und leuchtet ihn mit einer speziellen Stablampe aus. Damit das trotz der Windungen im Gehörgang funktioniert, zieht die Ärztin oder der Arzt die Ohrmuschel leicht nach hinten und oben. Ohrenschmalz oder andere Verunreinigungen können während der Untersuchung entfernt werden. Normalerweise ist das Trommelfell grau-glänzend und glatt. Ist es gerötet, gewölbt, verletzt oder vernarbt, weist das auf eine Entzündung oder andere Erkrankung des Ohres hin.

Hörweitenprüfung

Bei der Hörweitenprüfung, auch Sprachabstandsprüfung genannt, sagt die Ärztin oder der Arzt viersilbige Zahlen (zum Beispiel „dreiundzwanzig“) im Flüsterton und in normaler Lautstärke aus einer Entfernung von sechs Metern. Versteht man die Zahlen nicht, wird der Abstand verringert. Geprüft wird die Hörweite für jedes Ohr einzeln. Dabei achtet die Ärztin oder der Arzt darauf, dass sich das Zahlwort nicht von den Lippen ablesen lässt. Diese Untersuchung wird nur noch selten gemacht.

Stimmgabelprüfung

Für die Stimmgabelprüfung hält die Ärztin oder der Arzt eine klingende Stimmgabel einmal vor den Gehörgang und einmal an den Kopf. Damit wird überprüft, wie gut die Schallleitung über die Luft und über die Schädelknochen funktioniert. Die Untersuchung gibt Hinweise auf die Art der Hörstörung:

  • Hört man den Ton der Stimmgabel nur vor dem Ohr nicht, liegt die Ursache der Hörstörung im Gehörgang oder im Mittelohr.
  • Hört man den Ton bei beiden Tests nicht, liegt eine Schallempfindungsstörung vor. Dann ist eine Störung im Innenohr, des Hörnervs oder der Nervenzellen im Gehirn der Grund für die Hörprobleme.

Audiometrie

Bei der Tonaudiometrie werden über einen Kopfhörer oder über Lautsprecher Töne in unterschiedlicher Tonhöhe (Frequenz) und steigender Lautstärke abgespielt. Sobald man den Ton hört, gibt man ein Zeichen.

Bei der Sprachaudiometrie sind keine Töne, sondern gesprochene Silben und Zahlen zu hören. Bewertet wird anschließend, wie viele Wörter oder Zahlen man je nach Lautstärke versteht. Diese Untersuchung wird auch eingesetzt, um Hörgeräte anzupassen.

Tympanometrie

Mithilfe der Tympanometrie wird geprüft, wie beweglich das Trommelfell ist – also wie gut es schwingen kann. Ein kaum bewegliches Trommelfell lässt darauf schließen, dass sich Flüssigkeit in der Paukenhöhle (Tympanon) direkt hinter dem Trommelfell angesammelt hat. Für die Untersuchung führt die Ärztin oder der Arzt eine Sonde in den Gehörgang ein, die diesen Teil des Ohres luftdicht verschließt. Das kann unangenehm sein, ist aber in der Regel nicht schmerzhaft. Über die Sonde wird ein Unter- und ein Überdruck erzeugt, danach ein Ton. Die Schallwellen dieses Tons versetzen das Trommelfell in Schwingung, wodurch sich der Luftdruck im Gehörgang verändert – wie stark, wird gemessen und aufgezeichnet.

OAE-Messung

Bei der OAE-Messung wird die Funktion des Innenohrs geprüft, in dem sich die befinden. Sie werden auch als äußere Haarzellen bezeichnet. Bei Geräuschen bewegen sich die Haarzellen und senden dann selbst Schallsignale aus – die sogenannten otoakustischen Emissionen (OAE). Bei der OAE-Messung werden leise Klicktöne erzeugt und die zurückgeworfenen Schallwellen mithilfe spezieller Mess-Mikrofone aufgezeichnet. Das Verfahren ist schmerzfrei und wird auch für den Routine-Hörtest bei Neugeborenen genutzt.

Hirnstammaudiometrie

Bei der Hirnstammaudiometrie (BERA-Untersuchung) werden elektrische Signale erfasst, die über den Hörnerv das Gehirn erreichen. Das funktioniert ähnlich wie bei einer Messung der Hirnströme (Elektroenzephalografie, EEG). Bei der Hirnstammaudiometrie werden über einen Kopfhörer die im Ohr durch Knackgeräusche angeregt. Die wandeln die eintreffenden Schwingungen in Nervensignale um, die dann über den Hörnerv ans Gehirn weitergeleitet werden. Über aufgeklebte Elektroden am Kopf werden die elektrischen Signale gemessen, die im Gehirn ankommen. Vor allem Erkrankungen des Hörnervs sind so erkennbar.

Kalorische Prüfung oder Spülung

Um Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen zu untersuchen, werden verschiedene Methoden genutzt – unter anderem spezielle Ohrenuntersuchungen, bei denen es nicht um das Hören, sondern ausschließlich um das Gleichgewichtsorgan geht. Ein Beispiel ist die sogenannte kalorische Prüfung. Bei dieser Untersuchung wird mit warmem oder kaltem Wasser, manchmal auch mit warmer oder kalter Luft der Gehörgang gereizt. Das stimuliert das Gleichgewichtsorgan im Innenohr und ermöglicht, seine Funktion zu prüfen. Einzelne Teile des Gleichgewichtsorgans können auch bestimmten Schallreizen ausgesetzt werden, um sie gezielt zu untersuchen.

Lenarz T, Boenninghaus HG. Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Berlin: Springer; 2012.

Mrowinski D, Scholz G, Steffens T. Audiometrie: Eine Anleitung für die praktische Hörprüfung. Stuttgart: Thieme; 2023.

Pschyrembel online. 2026.

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Aktualisiert am 08. Juli 2026

Nächste geplante Aktualisierung: 2029

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