Was kann ich selbst gegen die Beschwerden tun?

Foto von Patient und Ärztin
PantherMedia / Alexander Raths

Viele Männer kennen das Problem: Häufig drückt die Blase, nächtliche Toilettengänge werden zur Regel. Meistens ist der Grund eine gutartige Vergrößerung der Prostata. Bei nur leichten Prostata-Problemen kann es ausreichen, im Alltag einige Gewohnheiten zu ändern, um die Beschwerden in den Griff zu bekommen.

Es ist normal, dass die Prostata mit dem Alter langsam wächst. Das kann irgendwann zu Problemen beim Wasserlassen führen. Männer mit leichten Beschwerden kommen auch ohne Behandlung oft gut damit zurecht. Es gibt verschiedene Strategien, die im Alltag dabei helfen können:

  • Weniger trinken, wenn man längere Zeit nicht zur Toilette gehen kann oder möchte – zum Beispiel vor dem Schlafengehen. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie empfiehlt, nicht mehr als eineinhalb Liter am Tag zu trinken und die Trinkmenge gleichmäßig über den Tag zu verteilen. Es ist dennoch sehr wichtig, insgesamt genug zu trinken – vor allem, wenn man durstig ist.
  • Entwässernde oder harntreibende Getränke nur in Maßen zu sich nehmen. Dazu gehören vor allem Alkohol und koffeinhaltige Getränke wie grüner oder schwarzer Tee.
  • Nach dem Wasserlassen einen Moment warten, dann noch einmal versuchen zu urinieren. So erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass die Blase leer wird. Es kann auch helfen, die Harnröhre auszustreichen, damit kein Urin zurückbleibt.
  • Die Speicherfähigkeit der Blase trainieren, indem man den Toilettengang regelmäßig etwas hinauszögert und bei einsetzendem Harndrang nicht sofort zur Toilette geht.

Sinnvoll ist auch, gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt oder in einer Apotheke die Medikamente durchzugehen, die man nimmt. Denn bestimmte Medikamente können entwässernd wirken oder die Blasenmuskulatur beeinflussen und dadurch Beschwerden verstärken. Dazu gehören:

  • : entwässernde Medikamente, die unter anderem gegen Bluthochdruck eingesetzt werden.
  • krampflösende Medikamente.
  • bestimmte Medikamente zur Behandlung von Allergien.
  • bestimmte Medikamente zur Behandlung von Parkinson und Depressionen.

Die Ärztin oder der Arzt kann zu möglichen Alternativen beraten, die die Beschwerden nicht verstärken.

Können pflanzliche Arzneimittel die Beschwerden lindern?

Viele Männer probieren pflanzliche Arzneimittel aus, um Prostata-Beschwerden zu lindern. Zur Behandlung gibt es mehr als 30 verschiedene pflanzliche Präparate. Die meisten sind ohne Rezept in der Apotheke erhältlich. Die häufigsten Inhaltsstoffe sind:

  • Kürbissamen (Cucurbita pepo)
  • Sägezahnpalme (Serenoa repens), auch Zwergpalme genannt
  • afrikanischer Pflaumenbaum (Pygeum africanum)
  • Roggenpollen (Secale cereale)
  • südafrikanisches Sternengras (Hypoxis rooperi)
  • Brennnesselwurzel (Urtica dioica radix)

Viele dieser Mittel sind bislang nicht in aussagekräftigen Studien untersucht. Die am besten untersuchten pflanzlichen Medikamente gegen Prostatabeschwerden enthalten Extrakte aus der Sägezahnpalme, teilweise in Kombination mit einem aus Brennnesselwurzel. Eine Auswertung von 32 Studien mit über 5500 Männern zeigte allerdings keinen Unterschied zwischen diesen Mitteln und einem Scheinmedikament.

In einer der größten und besten Studien mit Extrakten der Sägezahnpalme zeigte sich:

Egal, ob die Teilnehmer der beiden Vergleichsgruppen ein Scheinmedikament oder Extrakte der Sägezahnpalme nahmen – in jeder Gruppe besserten sich die Beschwerden bei etwa 44 von 100 Männern.

Auch auf den Harnfluss und die Zahl der nächtlichen Toilettengänge hatten die Mittel keinen Einfluss.

Höfner K, Bach T, Berges R, Dreikorn K, Gratzke C, Madersbacher S et al. S2e-Leitlinie der Deutschen Urologen: Konservative und medikamentöse Therapie des benignen Prostatasyndroms. Urologe A 2016; 55(2): 184-194.

Tacklind J, MacDonald R, Rutks I, Stanke JU, Wilt TJ. Serenoa repens for benign prostatic hyperplasia. Cochrane Database Syst Rev 2012; (12): CD001423.

Wilt TJ, N'Dow J. Benign prostatic hyperplasia. Part 2: Management. BMJ 2008; 336(7637): 206-210.

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Aktualisiert am 10. Januar 2018
Nächste geplante Aktualisierung: 2021

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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