Was hilft bei Schulterschmerzen?

Foto von Paar beim Sport (PantherMedia / martinan) Schulterschmerzen treten meist an der Außenseite der Schulter auf und machen sich vor allem beim Anheben des Arms bemerkbar. Sie können durch entzündungshemmende Schmerzmittel, Kortisonspritzen und Physiotherapie gelindert werden.

Die meisten Schulterschmerzen entstehen unter dem Schulterdach. In der Fachsprache werden solche Beschwerden als „subacromiale“ Schulterschmerzen bezeichnet (subacromial = unter dem Schulterdach).

Mögliche Ursachen für die Schmerzen sind zum Beispiel:

  • Einklemmungen unter dem Schulterdach (Impingement-Syndrom),
  • verschleißbedingte Risse an den Sehnen der Rotatoren-Manschette,
  • Kalkablagerungen in bestimmten Schultersehnen und
  • Schleimbeutelentzündungen.

Die genauen Ursachen für Schulterschmerzen lassen sich oft nicht sicher feststellen. Das hat damit zu tun, dass es keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen den Beschwerden und im Röntgen, Ultraschall oder MRT sichtbaren Auffälligkeiten an der Schulter gibt. Zum Beispiel haben auch viele Erwachsene ohne Schulterschmerzen Risse in der Rotatoren-Manschette oder Kalkablagerungen in den Schultersehnen.

Was kann ich selbst tun?

Bei Schulterschmerzen ist es zunächst einmal sinnvoll, schmerzauslösende Tätigkeiten zu vermeiden. Das können zum Beispiel Arbeiten über Kopf, schweres Heben und Tragen oder schulterbelastende Sportarten sein. Am besten vermeidet man es auch, auf der betroffenen Seite zu liegen.

Die Schulter sollte zwar geschont werden – dennoch ist es wichtig, sie weiter zu bewegen. Eine Ruhigstellung kann die Muskulatur schwächen und auch dazu führen, dass die Schulter steif wird. Eine einfache Übung zur schonenden Mobilisierung der Schulter ist zum Beispiel:

  • Sich mit dem schmerzfreien Arm an einem Tisch oder Stuhl festhalten,
  • den Oberkörper etwas vorbeugen und den anderen Arm herunterhängen lassen,
  • dann den ganzen Arm sanft kreisen oder hin und her pendeln lassen.

Diese Übung kann man zwei- bis dreimal am Tag für ein bis zwei Minuten wiederholen.

Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen können die Schulterschmerzen etwas lindern. Sie sollten aber nicht länger als zwei Wochen eingenommen werden. Eine nebenwirkungsarme Alternative zu Tabletten sind Cremes und Gele mit Diclofenac, die zwei- bis dreimal am Tag auf die Schulter aufgetragen werden. Sie eignen sich auch für Menschen, die Tabletten wegen einer Nieren- oder Leberschwäche oder einem akuten Magengeschwür nicht gut vertragen.

Wann ist ärztlicher Rat gefragt?

Meist steckt hinter Schulterschmerzen kein ernsthaftes Problem. Es ist aber sinnvoll, ärztlichen Rat einzuholen, wenn:

  • sich das Schultergelenk instabil anfühlt oder ausgekugelt war
  • die Schulter gerötet, warm oder geschwollen ist
  • die Schulter nach einem akuten Unfall verletzt ist
  • Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen auftreten
  • die Schmerzen stark sind
  • der Arm sehr schwach ist oder sich nicht mehr richtig bewegen lässt

Was hilft bei stärkeren Schmerzen?

Bei starken Schulterschmerzen kann die Ärztin oder der Arzt Kortison in die Schulter spritzen. Es kann die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern. Wichtig ist aber, sich nicht zu häufig eine Kortisonspritze geben zu lassen, da das Mittel dann die Sehnen und den Knorpel schwächen kann. Nach der Spritze sollte man für zwei Tage auf Tätigkeiten verzichten, die die Schulter belasten könnten.

Kortisonspritzen können die Haut an der Einstichstelle reizen und sie – bei wiederholter Anwendung – heller werden lassen. Ernsthafte Komplikationen wie eine Gelenkinfektion sind jedoch selten.

Kann eine Physiotherapie helfen?

Schwache Schultermuskeln, -bänder und -sehnen können zu Schulterschmerzen beitragen: Das Schultergelenk ist sehr beweglich und wird vor allem durch die Muskulatur stabil gehalten. Bei einer schwachen Schultermuskulatur kann sich der Gelenkkopf des Oberarms leicht aus der Gelenkpfanne herausbewegen. Es kann schmerzen, wenn er auf das umliegende Gewebe drückt. Eine Physiotherapie kann die Schulter stärken und stabiler machen.

Zur Behandlung von Schmerzen unter dem Schulterdach eignet sich eine Physiotherapie. Studien zeigen, dass sie die Schmerzen lindern und die Schulterfunktion verbessern kann.

Die physiotherapeutischen Übungen sollten

  • die Schulterbeweglichkeit verbessern,
  • die Muskeln des Schulterblatts und der Rotatoren-Manschette stärken und
  • die allgemeine Haltungsmuskulatur fördern.

Außerdem sollte die Physiotherapie vermitteln, wie man die Schulter schonender bewegt. Studien zeigen, dass eine Behandlungsdauer von 8 bis 16 Wochen sinnvoll ist. Welche Übungen empfohlen werden, hängt von den jeweiligen Beschwerden und Voraussetzungen ab. Wichtig ist, die in der Therapie erlernten Übungen auch zu Hause oder am Arbeitsplatz zu machen.

Warum ist eine Operation oft nicht sinnvoll?

Wenn als Ursache für die Schulterschmerzen eine Einklemmung (Impingement) vermutet wird, kann der Raum unter dem Schulterdach operativ erweitert werden. Dies soll die Schmerzursache beseitigen. Bei dem Eingriff werden im Rahmen einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) Teile des Schulterdachs abgetragen und der Schleimbeutel entfernt. Der Fachbegriff hierfür ist „subacromiale Dekompression“. Allerdings hilft ein solcher Eingriff meist nicht, und wie alle Operationen hat er Risiken.

Die Vor- und Nachteile der subacromialen Dekompression wurden in zwei aussagekräftigen Studien überprüft. Dazu wurde der Eingriff mit einer Scheinoperation verglichen, bei der die Studienteilnehmer nur dachten, sie würden eine Dekompression erhalten. Die Ergebnisse zeigen keine Unterschiede zwischen Dekompression und Scheinoperation. Das heißt: Die Dekompression konnte die Beschwerden nicht spürbar beseitigen (s. Grafik: Verlauf von Schulterschmerzen mit und ohne Dekompression).

Grafik: Verlauf von Schulterschmerzen mit und ohne DekompressionVerlauf von Schulterschmerzen mit und ohne Dekompression

 

Es ist denkbar, dass ein Eingriff bei einem hakenförmigen Schulterdach („Acromion Typ 3“) helfen kann. Dabei ist der Knochenfortsatz des Schulterblatts stärker nach unten gekrümmt als normal, was den Raum unter dem Schulterdach zusätzlich verengen kann (siehe Grafik: normales und hakenförmiges Schulterdach). An den bisherigen Studien haben allerdings nur wenige Menschen mit einem hakenförmigen Schulterdach teilgenommen. Ob eine Operation für Personen mit einem hakenförmigen Schulterdach Vorteile hätte, ist deshalb unklar.

Grafik: normales und hakenförmiges Schulterdach (Ansicht der rechten Schulter von der Seite)normales und hakenförmiges Schulterdach (Ansicht der rechten Schulter von der Seite)

 

Wenn eine Ärztin oder ein Arzt eine Schulterarthroskopie empfiehlt, ist es sinnvoll, die Vor- und Nachteile des Eingriffs gemeinsam gründlich abzuwägen. Sie oder er muss dann auch auf die Möglichkeit hinweisen, sich eine zweite ärztliche Meinung einzuholen.

Viele Fachleute sprechen sich dafür aus, erst dann einen Eingriff zu erwägen, wenn eine umfassende Physiotherapie oder Kortisonbehandlung keine Besserung gebracht hat.

Zu den möglichen Komplikationen einer Operation gehören Wundheilungsstörungen, Thrombosen und sehr selten Nervenverletzungen. Insgesamt kommt es bei etwa einer von 100 Operationen zu einer Komplikation. Zudem entwickelt etwa einer von 100 Operierten nach dem Eingriff eine Schultersteife. Dieses Risiko ist für Frauen und Menschen mit Diabetes mellitus höher.

Wann kann eine Stoßwellentherapie sinnvoll sein?

Manche Menschen mit Schulterschmerzen haben im Röntgenbild sichtbare Kalkablagerungen in den Schultersehnen (Kalkschulter oder Tendinosis calcarea). Solche Ablagerungen lösen sich nach einiger Zeit oft von selbst auf.

Kalkablagerungen können unter anderem durch eine Stoßwellentherapie behandelt werden. Der Fachbegriff dafür ist extrakorporale Stoßwellentherapie oder kurz ESWT. Eine Behandlung mit Stoßwellen ist nur sinnvoll, wenn tatsächlich Kalkablagerungen in den Schultersehnen festgestellt wurden.

Bei einer Stoßwellentherapie werden Schallwellen mit hohem Druck von außen durch die Haut auf die Kalkablagerungen gerichtet, um sie zu zertrümmern. In Studien haben sich vor allem hoch energiereiche Stoßwellen als nützlich erwiesen. In einer großen Studie konnten sie die Beschwerden bei 70 % der Betroffenen lindern.

Weil eine Stoßwellentherapie sehr schmerzhaft sein kann, werden vorher oft Schmerz- und / oder Betäubungsmittel angeboten. Die meisten Menschen müssen trotzdem damit rechnen, dass die Behandlung wehtut. Nach der Stoßwellentherapie kann es zu Blutergüssen und Hautrötungen kommen.

Wichtig zu wissen: Die Stoßwellentherapie ist zur Behandlung der Kalkschulter bislang keine Kassenleistung. Die Kosten müssen selbst getragen werden. Je nach Methode, Anzahl und Dauer der Sitzungen können sie mehrere hundert Euro betragen.

Welche Behandlungen gibt es noch – und können sie helfen?

Zur Behandlung von Schmerzen unter dem Schulterdach werden noch viele weitere Behandlungen angeboten, für die es jedoch keinen Wirksamkeitsnachweis gibt. Dazu gehören:

  • Akupunktur
  • Spritzen mit Hyaluronsäure
  • Spritzen mit plättchenreichem Plasma (PRP-Injektionen, Eigenblutbehandlung)
  • Interferenzstrom
  • (Kinesio-)Taping
  • Lichttherapien
  • Low-Level-Lasertherapie
  • (pulsierende) Magnetfeldtherapie
  • Massagen
  • Mikrowellentherapie
  • transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS)
  • Triggerpunkt-Behandlung
  • Ultraschallwellen

Die meisten dieser Verfahren sind ebenfalls keine Kassenleistungen und müssen daher selbst bezahlt werden.