Wann ist eine Mandeloperation bei Erwachsenen sinnvoll?

Foto eines Patienten bei einer Untersuchung (PantherMedia / alexraths) Wiederkehrende Mandelentzündungen treten nicht nur im Kindesalter, sondern auch bei Erwachsenen auf. Eine Operation kann Mandelentzündungen zwar vorbeugen, hat aber gewisse Risiken. Dazu gehören vor allem Nachblutungen.

Entzündungen der Gaumenmandeln können unter anderem zu Halsschmerzen und Schluckbeschwerden führen. Sind Bakterien die Ursache, wird zunächst oft mit Antibiotika behandelt. Wenn sich die Mandeln immer wieder entzünden, kann sich die Frage stellen, ob es nicht besser wäre, sie ganz oder teilweise entfernen zu lassen. Dabei gilt es abzuwägen: Auf der einen Seite steht die Hoffnung, dass es nach einer Operation seltener oder gar nicht mehr zu Entzündungen kommt. Auf der anderen Seite stehen die Risiken des Eingriffs und die Frage, ob er tatsächlich dauerhaft helfen kann.

Ein Eingriff kommt nur dann infrage,

  • wenn pro Jahr mindestens drei- bis fünfmal eine bakterielle Mandelentzündung auftritt,
  • wiederholt ein Antibiotikum eingenommen wurde und
  • die Beschwerden sehr belastend sind.

Zudem sollte möglichst ausgeschlossen werden, dass es sich dabei um Virusentzündungen handelt. Diese sind von bakteriellen Mandelentzündungen nicht immer leicht zu unterscheiden. Bakterien lassen sich durch einen Abstrich nachweisen.

Typische Symptome für eine bakterielle Mandelentzündung sind:

  • Fieber (über 38° C)
  • geschwollene und schmerzhafte Halslymphknoten
  • eitrig belegte Mandeln
  • kein Husten

Nicht zuletzt können Komplikationen wie eine Eiteransammlung um die Mandeln herum (Peritonsillarabszess) ein Grund sein, über eine Operation nachzudenken.

Welchen Nutzen hat eine Mandeloperation?

Eine vollständige Entfernung der Mandeln (Tonsillektomie) kann dazu beitragen, dass Halsentzündungen seltener auftreten. Wenn die Gaumenmandeln entfernt wurden, können sie sich nicht mehr entzünden – es kann allerdings sein, dass sich anderes Gewebe im Rachen entzündet.

Zwei kleine Studien weisen darauf hin, dass Erwachsene nach einer Mandelentfernung seltener Halsentzündungen haben. Da die Studien nur ein halbes Jahr dauerten, lässt sich allerdings nicht genau sagen, wie groß der Nutzen der Tonsillektomie längerfristig ist. Die Studien zeigten:

  • Ohne Operation: Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer hatten in den sechs Monaten nach Studienbeginn etwa 2 bis 7 Halsschmerz-Episoden.
  • Mit Operation: Die operierten Teilnehmenden hatten in den sechs Monaten nach dem Eingriff etwa eine Halsschmerz-Episode. Je nach Studie waren sie zudem zwischen 10 und 35 Tage weniger krank als die nicht operierten Teilnehmer.

Der Nutzen einer Operation hängt davon ab, wie stark die Beschwerden sind und ob die Entzündungen eher von den Mandeln ausgehen oder vom umliegenden Gewebe.

Welche Gründe sprechen gegen eine Operation?

Es kann sein, dass mit der Zeit auch ohne Operation weniger Mandelentzündungen auftreten. Dies lässt sich nicht vorhersagen. Es ist aber sinnvoll, sich nicht zu schnell für einen Eingriff zu entscheiden, sondern abzuwarten, ob sich die Probleme mit der Zeit legen. Tun sie das nicht, kann man immer noch einen Eingriff erwägen.

Die ersten Tage nach einer Mandelentfernung sind oft unangenehm, weil die Wunde wehtun und auch das Schlucken schmerzhaft sein kann. Die Beschwerden können nach wenigen Tagen vorüber sein, manchmal aber auch ein bis zwei Wochen anhalten. Vorübergehend können Übelkeit und Erbrechen, Schluckbeschwerden und Geschmacksstörungen auftreten. Zudem kann es zu Komplikationen wie Blutungen kommen.

Manche Menschen befürchten, dass eine Entfernung der Mandeln das Immunsystem schwächen und zum Beispiel Atemwegsinfekte begünstigen könnte. Ob dies zutrifft, ist wissenschaftlich jedoch nicht geklärt. Die Mandeln spielen aber in den ersten Lebensjahren eine wichtigere Rolle für das Immunsystem als später.

Welche Komplikationen kann eine Mandeloperation nach sich ziehen?

Es kann sein, dass die Wunde nach der Operation erneut zu bluten anfängt. Solche Blutungen treten meist innerhalb der ersten Woche nach dem Eingriff auf, sind aber bis zu vier Wochen danach möglich. Warnzeichen sind häufiges Schlucken und Blut im Speichel.  Das Blut kann auch in die Luftröhre gelangen oder erbrochen werden.

Da es bei einer Nachblutung zu großen Blutverlusten kommen kann, gilt sie als Notfall. Deshalb ist es dann wichtig, sich sofort ins Krankenhaus fahren zu lassen oder über die Notrufnummer 112 einen Rettungsdienst anzurufen. Eine Blutung lässt zwar manchmal von allein nach, es können aber auch Bluttransfusionen und vielleicht eine erneute Operation nötig sein.

Wie hoch das Risiko für Nachblutungen ist, hängt zum Beispiel vom Operationsverfahren, dem Alter und davon ab, ob eine erhöhte Blutungsneigung besteht. Studien zeigen:

  • Bei etwa 5 von 100 Erwachsenen kommt es zu einer Nachblutung.
  • Von diesen 5 wird etwa einer erneut operiert.

Die Stimme kann vorübergehend nasal klingen. Manchmal treten Speisen und Flüssigkeit aus der Nase aus. Dies legt sich aber wieder, meist nach einigen Tagen bis Wochen.

Wie alle Operationen hat eine Mandelentfernung allgemeine Risiken wie Wundheilungsstörungen, Infektionen oder Nebenwirkungen der Narkose.

Wie läuft eine Mandeloperation ab und welche Verfahren gibt es?

Der Eingriff findet meist in einem Krankenhaus statt. Es ist eine Vollnarkose nötig. Die Mandeln werden mithilfe spezieller Instrumente in etwa 15 bis 30 Minuten operiert. Anschließend bleibt man noch für mehrere Tage in der Klinik.

Es gibt viele verschiedene Methoden, die Mandeln zu entfernen. Grob unterscheidet man zwei Verfahren:

  • Tonsillektomie: Die Mandeln werden vollständig entfernt. Dazu ist ein Krankenhausaufenthalt notwendig.
  • Tonsillotomie: Die Mandeln werden teilweise entfernt. Dieser Eingriff kann auch ambulant angeboten werden.

Zudem gibt es verschiedene Operationstechniken:

  • Eingriffe mit Hitzeentwicklung (Diathermie): Dabei werden die Mandeln mithilfe eines Radiofrequenz-Geräts oder Lasers entfernt. Beide Geräte entwickeln starke Hitze, die die Wunde direkt verschließt. Andere Verfahren arbeiten mit einer weniger starken Hitzeeinwirkung (sogenannte Coblation).
  • Eingriffe ohne Hitzeentwicklung (Dissektion): Hierbei werden die Mandeln mithilfe von Instrumenten wie Schere oder Schlinge entfernt.

Was ist besser: eine teilweise oder vollständige Mandelentfernung?

Die Teilentfernung (Tonsillotomie) ist etwas schonender, weil weniger Gewebe entfernt wird und die Wunde kleiner bleibt. In den Tagen nach diesem Eingriff hat man deutlich weniger Schmerzen und kann früher wieder essen als nach einer vollständigen Mandelentfernung. Zudem ist das Risiko für Nachblutungen vermutlich geringer.

Allerdings ist unklar, wie wirksam die Teilentfernung erneute Mandelentzündungen verhindern kann. Es gibt bislang kaum Studien, die geprüft haben, wie effektiv die Teilentfernung im Vergleich zur vollständigen Entfernung der Mandeln ist. Deshalb erstatten die gesetzlichen Krankenkassen die Tonsillotomie als ambulante Behandlung derzeit in der Regel noch nicht.

Bei häufig wiederkehrenden, bakteriellen Mandelentzündungen schlagen Ärztinnen und Ärzte deshalb meist vor, die Mandeln vollständig zu entfernen (Tonsillektomie).

Was kann man nach einer Operation tun, um Beschwerden zu lindern?

Schmerzen sind die Beschwerden, die nach einer Mandelentfernung am meisten belasten. Meist klingen sie nach ein paar Tagen ab. Bis dahin können schmerzlindernde Medikamente in Form von Tabletten, Zäpfchen, Tropfen, Infusionen oder Spray helfen. Auch gegen Übelkeit und Erbrechen stehen Medikamente zur Verfügung.

Bestimmte Verhaltensweisen sollen dazu beitragen, dass man sich schneller erholt und das Risiko für Nachblutungen sinkt. So wird geraten, sich in den ersten Tagen nach der Operation körperlich zu schonen: also zum Beispiel keine schweren Lasten zu tragen und erst nach einigen Wochen wieder Sport zu treiben. Von heißen Duschen und sehr warmen Bädern wird abgeraten. Sinnvoll ist es außerdem, anfangs nur weiches Essen zu sich zu nehmen, um die Wunde zu schonen. Scharfe Zutaten und Säuren, also auch Fruchtsäfte und Zitrusfrüchte, können die Wundfläche reizen. Dies gilt auch für das Gurgeln von Mundwasser.

Im Zweifel kann eine zweite Meinung helfen

Ob eine Mandeloperation sinnvoll ist, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab: Wie häufig kommt es zu Entzündungen? Wie stark sind die Beschwerden? Wie sind die Erfolgsaussichten des Eingriffs? Wie wahrscheinlich ist es, dass Mandelentzündungen auch ohne Eingriff seltener werden?

Es kann sein, dass Ärztinnen und Ärzte unterschiedliche Empfehlungen geben. Wird eine Mandeloperation empfohlen, muss die Ärztin oder der Arzt auf das Recht hinweisen, eine zweite ärztliche Meinung einzuholen  – das heißt, sich in einer anderen Praxis oder Klinik beraten zu lassen. Zur Unterstützung kann auch unsere Entscheidungshilfe verwendet werden, die die wichtigsten Vor- und Nachteile der Behandlungsmöglichkeiten kurz zusammenfasst.