Vorbeugung von Typ-2-Diabetes

Foto von zwei Männern nach dem Sport (PantherMedia / Diego Cervo) Wer ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes hat, kann durch eine Umstellung der Ernährung, mehr Bewegung und mäßige Gewichtsabnahme die Diagnose zumindest um einige Jahre hinauszögern. Ob Lebensstil-Änderungen gleichzeitig auch Komplikationen wie etwa Herzinfarkten vorbeugen können, ist noch offen.

Die Diagnose Typ-2-Diabetes bedeutet zum einen, dass der Blutzucker über einem festgelegten Wert liegt. Ein erhöhter Blutzucker ist oft nicht spürbar. Er kann aber im Laufe der Zeit die kleinen Blutgefäße an Augen, Nerven und Nieren schädigen und die Funktion dieser Organe beeinträchtigen. Zudem treten bei Menschen mit erhöhtem Blutzucker Krankheiten wie zum Beispiel Herzinfarkte häufiger und in jüngeren Jahren auf als bei Personen mit niedrigeren Zuckerwerten. Bei der Behandlung und auch Vorbeugung von Typ-2-Diabetes geht es deshalb vor allem darum, das Risiko für Folgeerkrankungen so gut es geht zu senken.

Zum anderen hat die Diagnose Diabetes eine sofort spürbare Bedeutung: Wer sie erhält, gilt ab diesem Zeitpunkt als chronisch krank. Ärztinnen und Ärzte schlagen Schulungen vor, man erhält Empfehlungen zum Lebensstil und zu Medikamenten. Die Diagnose kann das Leben also schlagartig verändern.

Diese Unterscheidung ist auch wichtig, wenn man Empfehlungen zur Vorbeugung von Typ-2-Diabetes prüft. Eine „gute“ Vorbeugung soll nicht nur vermeiden, dass die Diagnose überhaupt gestellt wird. Sie soll auch das Risiko für Herzinfarkte und andere langfristige Komplikationen senken.

Empfehlungen zur Diabetes-Vorbeugung

Es gibt viele Empfehlungen und Vorschläge zur Vorbeugung von Diabetes. Sie lassen sich in folgende Gruppen einteilen:

  • Umstellung der Ernährung
  • Sport / mehr Bewegung
  • Medikamente zum Abnehmen
  • blutzuckersenkende Medikamente

Keine dieser Empfehlungen wurde bisher für gesunde Menschen ausreichend wissenschaftlich überprüft. Studien, die zum Beispiel bei gesunden Erwachsenen oder Kindern erproben, wie man Diabetes im höheren Alter verhindern könnte, sind allerdings kaum machbar: Sie müssten Jahrzehnte dauern.

Was bringen Abnehmen, Ernährungsumstellung und mehr Bewegung?

Was es gibt, sind Studien vor allem mit Frauen und Männern, die bereits über 45 Jahre alt sind und zusätzlich ein erhöhtes Risiko haben, an Diabetes zu erkranken. Dazu zählen zum Beispiel Personen mit Übergewicht oder leicht erhöhten Blutzuckerwerten. Solche Studien zeigen, dass eine Umstellung der Ernährung sowie mehr Bewegung das Risiko verringern können, in den nächsten Jahren eine Diabetes-Diagnose zu erhalten.

Ein Beispiel ist eine große US-amerikanische Studie mit etwa 3200 Frauen und Männern. Ein Teil von ihnen wurde geschult, beim Essen auf Kalorien und Fettgehalt zu achten und mehr Gemüse und Obst zu essen. Das wurde kombiniert mit 2 bis 3 Stunden Bewegung pro Woche – zum Beispiel zügiges Gehen, Radfahren, Schwimmen oder eine andere Sportart. Ernährungsumstellung und Training zusammen sollten zu einer Gewichtsabnahme von etwa sechs Kilogramm führen.

Wenn man die vorhandenen Studien zur Diabetes-Vorbeugung gemeinsam betrachtet, lässt sich abschätzen, wie viele Teilnehmende pro Jahr die Diagnose Typ-2-Diabetes erhielten:

  • Ohne Lebensstil-Programm: etwa 11 von 100 Teilnehmenden.
  • Mit Lebensstil-Programm: etwa 6 von 100 Teilnehmenden.

Pro Jahr konnten eine Ernährungsumstellung und mehr Bewegung also 5 von 100 Frauen und Männern helfen, eine Diabetes-Diagnose zu vermeiden.

Die US-Studie zeigte zudem, dass die Frauen und Männer, die ihre Lebensgewohnheiten umstellten, eine Diabetes-Diagnose im Durchschnitt um etwa vier Jahre aufschieben konnten. Da die Studie nach insgesamt zehn Jahren endete, lässt sich allerdings nicht sicher sagen, ob und wenn ja, wie viele Personen sich durch die Änderung ihrer Lebensgewohnheiten dauerhaft vor Diabetes schützen konnten.

In der Studie gelang es vielen Teilnehmenden, zugleich ihre Ernährung umzustellen, sich mehr zu bewegen und Gewicht abzunehmen. Auch wenn die Gewichtsabnahme zusätzlich durch Medikamente unterstützt wird, kann das den Blutzucker senken. In Deutschland ist nur der Wirkstoff Orlistat (Handelsname Xenical) zur Behandlung von starkem Übergewicht (Adipositas, ab einem Body-Mass-Index von 30) zugelassen. Orlistat hemmt teilweise die Aufnahme von Fetten aus dem Darm. Bei Einnahme des Mittels muss eine Diät eingehalten werden, um Nebenwirkungen wie starken Durchfall zu vermeiden. Die Kosten des Medikaments werden nicht von den Krankenkassen gezahlt.

Insgesamt lassen aber alle Studien eine entscheidende Frage unbeantwortet: Ob Abnehmen und Änderungen des Lebensstils auch helfen, Folgeerkrankungen zu vermeiden, ist unklar. Nur zwei Studien haben die Wirkungen von Lebensstil-Änderungen zum Beispiel auf Herzinfarkte und andere Komplikationen von Diabetes gemessen. In diesen Studien zeigte sich nach 10 bis 20 Jahren kein Unterschied zwischen Personen, die ihren Lebensstil verändert hatten und solchen, die weiter lebten wie gewohnt. Auch die Frage, wie die zum Teil umfangreichen Veränderungen die Lebensqualität beeinflussen, ist bisher nicht beantwortet.

Können blutzuckersenkende Medikamente vor Typ-2-Diabetes schützen?

Eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten und mehr Bewegung gehören zu den ersten Maßnahmen gegen erhöhte Blutzuckerwerte. Zur Behandlung von Typ-2-Diabetes gibt es zudem viele unterschiedliche blutzuckersenkende Medikamente. Davon wurden bisher nur wenige auch zur Vorbeugung erprobt. Zudem werden Medikamente in aller Regel erst nach einer Diabetes-Diagnose verschrieben.

In Studien wurde zum Beispiel Metformin an Personen mit erhöhtem Diabetes-Risiko geprüft. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass bei Personen, die Metformin einnehmen, seltener Diabetes festgestellt wird. Aus den Studien lässt sich aber nicht ableiten, ob der Blutzucker nach Absetzen der Medikamente niedrig bleibt oder ob er wieder ansteigt. Außerdem geben die Studien keine Antwort auf die Frage, ob die Einnahme der Medikamente langfristig hilft, Komplikationen zu vermeiden. In Deutschland ist zudem kein Medikament zur Vorbeugung von Diabetes zugelassen.

Grundsätzlich gilt: Würden Medikamente zur Vorbeugung von Diabetes eingenommen, müsste man auch mit ihren Nachteilen und Nebenwirkungen rechnen.

Was kann Vorbeugung erreichen?

Wer einen erhöhten Blutzucker hat, macht sich meist Sorgen um seine Gesundheit. Aber nicht bei allen Menschen mit leicht erhöhten Blutzuckerwerten steigt der Blutzucker weiter an, bis sich ein Typ-2-Diabetes entwickelt. Bei manchen normalisieren sich die Werte von selbst wieder.

Andere können zumindest die Diagnose aufschieben, wenn sie ihre Ernährung ändern, sich mehr bewegen und auf ihr Gewicht achten.

Was Vorbeugung gegen Diabetes leisten kann, ist durchaus umstritten: Manche Forscherinnen und Forscher vermuten, dass sich ein Typ-2-Diabetes mit der „richtigen“ Ernährung und viel Bewegung fast immer vermeiden ließe. Andere gehen davon aus, dass bei vielen Menschen der Stoffwechsel allein altersbedingt irgendwann an Grenzen stößt und sie einen Typ-2-Diabetes nicht völlig vermeiden können.

Die bisherigen Studien sprechen dafür, dass sich Diabetes durch Änderungen des Lebensstils eher aufschieben als völlig vermeiden lässt.

Wichtig ist ohnehin, nicht nur auf die Vorbeugung und Behandlung des Blutzuckers zu schauen. Ein wesentliches Ziel der Vorbeugung ist es ja, vorzeitige Folgen wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu vermeiden. Neben einem erhöhten Blutzuckerspiegel können auch ein erhöhter Blutdruck oder erhöhte Cholesterinwerte auf ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle hinweisen. Daher ist es sinnvoll, das Gesamtbild im Auge zu behalten.

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