Vorbeugung von Nierensteinen

Foto von Mann mit einem Glas Wasser (PantherMedia / Goodluz) Wer einmal einen Nierenstein hatte, muss damit rechnen, dass sich erneut Steine bilden. Um dem vorzubeugen, reicht es meist aus, viel zu trinken und die Ernährung umzustellen. Manche Menschen bekommen trotzdem immer wieder Nierensteine. Für sie gibt es Medikamente zur Vorbeugung.

Etwa 30 bis 50 von 100 Personen, die einen Nierenstein hatten, müssen innerhalb von fünf Jahren mit einem zweiten Stein rechnen. Etwa 10 von 100 entwickeln häufiger Nierensteine. Für viele Betroffene stellt sich daher die Frage, wie sie neuen Steinen vorbeugen können.

Da es viele Ursachen für Nierensteine gibt, ist es zunächst wichtig, die chemische Zusammensetzung der Steine zu kennen. Auch bestimmte Werte in Blut und Urin geben Hinweise auf die Ursachen. Etwa 80 % aller Nierensteine bestehen aus Kalziumoxalat oder Kalziumphosphat. Harnsäuresteine sind für ungefähr 5 bis 10 % aller Nierensteine verantwortlich. Die restlichen Steine bestehen aus Struvit, Zystin oder anderen selteneren Substanzen.

Um das Risiko für Nierensteine zu senken, reicht es meist aus, genug zu trinken und wenn nötig die Ernährung umzustellen. Bei Menschen mit einem hohen Risiko für Nierensteine können Medikamente zum Schutz vor weiteren Steinen sinnvoll sein.

Hilft es, viel zu trinken?

Nierensteine entstehen, wenn der Urin die Kalzium- oder Harnsäuresalze nicht mehr gelöst halten kann, weil ihre Konzentration zu hoch ist. Die Salze bilden Kristalle, die zu Steinen werden. Je verdünnter der Urin ist, desto geringer ist also das Risiko für Nierensteine.

Eine Studie liefert Hinweise darauf, dass man das Risiko für Nierensteine senken kann, wenn man mehr trinkt. Die Teilnehmenden der Studie tranken so viel, dass sie etwa 2,5 Liter Urin am Tag ausgeschieden haben. Über einen Zeitraum von fünf Jahren zeigte sich:

  • Von 100 Personen, die genauso viel tranken wie vorher, hatten 27 einen zweiten Nierenstein.
  • Von 100 Personen, die zusätzlich mehr Flüssigkeit zu sich nahmen, hatten 12 einen zweiten Nierenstein.

Die Studienteilnehmenden kamen gut damit zurecht, dass sie mehr tranken als vorher.

Softdrinks eher meiden

Viele Softdrinks wie Cola enthalten Phosphorsäure (den Lebensmittelzusatzstoff E338). Dieser E-Stoff begünstigt möglicherweise die Bildung von Nierensteinen. Daher hat man untersucht, ob der Verzicht auf Softdrinks auch das Risiko für Nierensteine senkt. Zu dieser Frage gibt es bislang nur eine aussagekräftige Studie: Gut 500 Männer, die vorher mindestens 160 Milliliter Softdrinks am Tag tranken, wurden angehalten, weniger davon zu trinken. Sie verringerten ihren Konsum im Durchschnitt auf weniger als 100 Milliliter Softdrinks am Tag. Im Vergleich zu einer Gruppe von Männern, die nicht dazu angehalten wurde, weniger Softdrinks zu trinken, sank ihr Risiko für Nierensteine. Im Verlauf von drei Jahren zeigte sich:

  • Von 100 Männern, die nach wie vor Softdrinks tranken, hatten 41 einen weiteren Nierenstein.
  • Von 100 Männern, die weniger Softdrinks tranken, hatten 34 einen weiteren Nierenstein.

Manche Männer beendeten ihre Teilnahme an der Studie vorzeitig, möglicherweise weil ihnen die Umstellung schwer fiel.

Ist es sinnvoll, die Ernährung umzustellen?

Kalziumarme Ernährung schadet eher

Kalziumsteine bestehen zum großen Teil aus Kalziumoxalat. Sowohl Kalzium als auch Oxalat sind in vielen Lebensmitteln enthalten. Allerdings kommt es auf das Verhältnis an: Studien zeigen, dass eine kalziumarme Kost Nierensteine eher begünstigt, da bei zu wenig Kalzium im Essen mehr Oxalat in den Urin gelangt. Für Menschen, die einen Kalziumstein hatten, gibt es also keinen Grund, sich kalziumarm zu ernähren.

Anders sieht es aus, wenn Kalzium als Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt wird. Hier zeigen Studien, dass dies – zumindest bei Frauen in den WechseljahrenNierensteine begünstigt.

Umfassende Ernährungsumstellung könnte helfen

An der bislang aussagekräftigsten Studie zu Ernährung und Nierensteinen nahmen Männer teil, die hohe Kalziumwerte im Blut hatten. Im Rahmen einer umfassenden Ernährungsumstellung wurden sie dazu angehalten,

  • viel zu trinken,
  • oxalatreiche Lebensmittel zu meiden (insbesondere Walnüsse, Spinat, Rhabarber, Petersilie und Schokolade),
  • auf eine ausreichende Kalziumzufuhr zu achten (etwa 1000 bis 1200 Milligramm pro Tag),
  • wenig tierisches Eiweiß zu essen und
  • sich salzarm zu ernähren.

Die Männer in der Vergleichsgruppe sollten lediglich viel trinken und sich oxalat- und kalziumarm ernähren.

Das Ergebnis der Studie zeigte, dass die umfassende Ernährungsumstellung das Risiko für Nierensteine senken konnte:

  • Ohne Ernährungsumstellung hatten 38 von 100 Männern innerhalb von fünf Jahren einen weiteren Nierenstein.
  • Mit Ernährungsumstellung hatten 20 von 100 Männern innerhalb von fünf Jahren einen weiteren Nierenstein.

Teilweise wird auch eine Ernährung empfohlen, die reich an Ballaststoffen ist. Es gibt aber keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass man dadurch Nierensteinen vorbeugen kann.

Einfluss purinarmer Ernährung unklar

Vor allem Menschen mit Gicht und Diabetes haben Harnsäuresteine. Harnsäure ist ein Abbauprodukt sogenannter Purine: Sie werden überwiegend im Körper gebildet, zum Teil aber auch über die Nahrung aufgenommen. Zur Vorbeugung von Harnsäuresteinen wird daher eine purinarme Ernährung mit wenig Fisch, Fleisch und Meeresfrüchten empfohlen.

Bislang gibt es allerdings keine wissenschaftlichen Studien, die untersucht haben, ob eine purinarme Ernährung das Risiko für Harnsäuresteine senkt. Was Menschen hiervon erwarten können, ist daher unklar.

Wann sind Medikamente zur Vorbeugung von Nierensteinen sinnvoll?

Medikamente zur Vorbeugung von Nierensteinen kommen infrage, wenn jemand ein hohes Risiko für weitere Nierensteine hat.

Von einem hohen Risiko spricht man zum Beispiel:

  • wenn die Nierensteine bereits im Kindes- oder Jugendalter auftreten.
  • bei familiärer Veranlagung für Nierensteine.
  • bei bestimmten Erkrankungen der Nieren, Harnwege oder des Magen-Darm-Trakts.
  • bei einer Überfunktion der Nebenschilddrüse.
  • wenn Steine durch eine Harnwegsinfektion bedingt sind.
  • bei Harnsäuresteinen.
  • bei Zystinsteinen (durch eine seltene vererbte Stoffwechselstörung bedingt).

Welche Medikamente zur Vorbeugung von Nierensteinen eingesetzt werden, hängt von der Ursache ab. Dazu gehören:

  • Kaliumcitrat: Es macht den Urin weniger sauer und erhöht dadurch seine Fähigkeit, Salze zu lösen. Kaliumcitrat ist als Brausetablette, Kapsel und Pulver im Handel erhältlich. Es wird zur Vorbeugung von Kalzium-, Harnsäure-  und Zystinsteinen eingesetzt.
  • Thiaziddiuretika: Diese Medikamente bewirken, dass weniger Kalzium aus dem Blut in den Urin gelangt. Sie gehören zu den entwässernden Medikamenten und beugen Kalziumsteinen vor.
  • Allopurinol: Dieser Wirkstoff hemmt den Abbau von Purinen zu Harnsäure und senkt dadurch den Harnsäurespiegel im Urin. Allopurinol wird vor allem zur Vorbeugung von Harnsäuresteinen eingesetzt.
  • weitere Medikamente: Zur Vorbeugung von Steinen, die durch Harnwegsinfekte verursacht werden, setzt man Mittel ein, die den Urin saurer machen (L-Methionin). Nahrungsergänzungsmittel mit Magnesium erhöhen den Magnesiumgehalt im Urin. Dort bindet Magnesium Oxalat und soll die Bildung von Kalziumoxalatsteinen hemmen.

Anhand von Blut- und Urintests sowie der Analyse der Nierensteine können Ärztinnen und Ärzte einschätzen, welche vorbeugenden Medikamente individuell sinnvoll sind.

Medikamente zur Vorbeugung von Nierensteinen werden dauerhaft täglich eingenommen. In der Regel werden sie erst in Erwägung gezogen, wenn jemand mindestens zweimal Nierensteine hatte.

Wie wirksam sind Medikamente zur Vorbeugung von Nierensteinen?

Für die häufig eingesetzten Mittel zur Vorbeugung von Nierensteinen wurde in Studien gezeigt, dass sie Nierensteine verhindern können.

Kaliumcitrat

In mehreren Studien konnte Kaliumcitrat wirksam vor Nierensteinen schützen:

  • Ohne Kaliumcitrat hatten 53 von 100 Personen innerhalb von zwei Jahren einen weiteren Nierenstein.
  • Mit Kaliumcitrat hatten 13 von 100 Personen innerhalb von zwei Jahren einen weiteren Nierenstein.

Mögliche Nebenwirkungen von Kaliumcitrat sind Magen-Darm-Beschwerden und Durchfall. In den Studien beendeten etwa 13 von 100 Personen die Behandlung wegen Nebenwirkungen.

Thiaziddiuretika

Auch für Thiaziddiuretika wurde in Studien gezeigt, dass sie das Risiko für Nierensteine senken:

  • Ohne Thiaziddiuretika hatten 47 von 100 Personen innerhalb von drei Jahren einen weiteren Nierenstein.
  • Mit Thiaziddiuretika hatten 24 von 100 Personen innerhalb von drei Jahren einen weiteren Nierenstein.

Thiaziddiuretika können verschiedene Nebenwirkungen haben. Dazu gehören ein zu niedriger Blutdruck mit Schwindel und Abgeschlagenheit, Mundtrockenheit und Erektionsstörungen. In den Studien brachen 8 von 100 Personen die Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen ab.

Allopurinol

Allopurinol wird vor allem zur Vorbeugung von Harnsäuresteinen eingesetzt. Bislang wurde seine Wirksamkeit allerdings nur in Studien untersucht, an denen Menschen mit Kalziumsteinen teilnahmen. Dort zeigte sich, dass Allopurinol vor Kalziumsteinen schützen kann:

  • Ohne Allopurinol hatten 55 von 100 Personen innerhalb von dreieinhalb Jahren einen weiteren Nierenstein.
  • Mit Allopurinol hatten 33 von 100 Personen innerhalb von dreieinhalb Jahren einen weiteren Nierenstein.

Allopurinol kann zu Hautausschlägen führen und manchmal einen Gichtanfall auslösen. In den Studien brachen aber nicht mehr Menschen die Behandlung mit Allopurinol wegen Nebenwirkungen ab als Studienteilnehmende ohne das Medikament.

Weitere Medikamente

Andere Medikamente zur Vorbeugung von bestimmten Steintypen wie zum Beispiel Magnesium oder L-Methionin sind bislang nicht gut in Studien untersucht worden. Ob sie wirksam vor Nierensteinen schützen, ist daher unklar.

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