Rehabilitation nach einem Kreuzbandriss

Foto von Patientin und Orthopäde bei der Untersuchung (PantherMedia / Wavebreakmedia ltd) Nach einem Riss des vorderen Kreuzbands ist eine mehrmonatige Rehabilitation wichtig. Dies gilt sowohl nach einer Operation als auch nach einer konservativen Behandlung ohne Operation.

Ein Riss am vorderen Kreuzband kann konservativ behandelt oder operiert werden. Bei einer Operation wird das gerissene Kreuzband durch ein körpereigenes Transplantat ersetzt. Dazu wird ein Stück einer Sehne aus der Innenseite der Oberschenkelmuskulatur, ein Teil der Patella-Sehne oder der Quadrizeps-Sehne entnommen.

Ein ersetztes Kreuzband muss richtig einheilen, damit es langfristig stabil ist. Die eingesetzte Sehne muss vom Körper zu einem Band umgebaut werden, damit sie ihre neue Aufgabe erfüllen kann. Bis dieser Umbau abgeschlossen ist, dauert es mehrere Monate. Im Anschluss an eine Operation wird daher eine mehrmonatige Rehabilitation empfohlen. Auch die Stelle im Oberschenkel, an der die Ersatzsehne entnommen wurde, muss nach der Operation heilen und kann noch länger schmerzhaft sein.

Bei einer konservativen Behandlung wird das Kreuzband nicht operativ ersetzt. Stattdessen beginnt man direkt mit einer Rehabilitation. Ziel der Reha ist es, die Muskeln, die das Knie stützen, soweit zu stärken, dass sie die Aufgaben des fehlenden Kreuzbands übernehmen können.

Eine ausreichende Reha ist unabhängig von der Art der Behandlung sinnvoll. Ziel ist, das Knie in den Wochen und Monaten nach dem Kreuzbandriss zu stabilisieren und eine kräftige Oberschenkelmuskulatur aufzubauen. Außerdem dauert es eine Weile, bis das Gefühl für das Knie zurückkehrt und man es so selbstverständlich bewegen kann wie vor dem Unfall. Das vordere Kreuzband enthält spezielle Sinneszellen (Rezeptoren), die das Gehirn über die mechanischen Kräfte informieren, die im Knie wirken. Geeignete physiotherapeutische Übungen helfen dabei, die koordinativen Fähigkeiten wiederherzustellen.

Wie lange dauert die Genesung nach einem Kreuzbandriss?

Wie lange der Heilungsprozess und die Reha dauern, hängt unter anderem davon ab, wie ausgeprägt die Verletzungen sind, ob operiert wurde und, wenn ja, durch welche Sehne das Kreuzband ersetzt wurde. Zudem beeinflussen die körperlichen Voraussetzungen den Heilungsprozess, also zum Beispiel das Alter und der Trainingszustand vor der Verletzung.

Nach einer Kreuzband-Operation dauert es etwa:

  • zwei Wochen, bis die Operationsfäden gezogen werden.
  • Nach etwa 4 bis 6 Wochen ist es möglich, wieder arbeiten zu gehen. Bei körperlich anstrengenden Berufen dauert es länger.
  • Nach etwa 6 bis 8 Wochen ist das Radfahren auf einem Ergometer möglich (wenn das Knie ausreichend gebeugt werden kann und dabei beschwerdefrei ist).
  • Nach etwa vier Monaten kann man mit leichtem Lauftraining beginnen.
  • Nach etwa sechs Monaten ist ein allmählicher Wiedereinstieg in den Sport möglich.

Viele Fachleute empfehlen, erst nach 9 bis 12 Monaten mit intensivem Ballsport und Kampfsport zu beginnen. Manchmal dauert es auch noch länger, bis so intensive Belastungen empfehlenswert sind. Wichtig ist, sich nicht zu übernehmen und neue Aktivitäten immer langsam und mit Vorsicht anzugehen. Im Zweifel holt man vorher am besten physiotherapeutischen oder ärztlichen Rat ein.

Wenn der Kreuzbandriss konservativ behandelt, also nicht operiert wird, erholt sich das Knie einige Wochen schneller. Die Ziele und Übungen, die in der Rehabilitation eingesetzt werden, sind mit denen vergleichbar, die nach einer Operation eingesetzt werden. Man kann jedoch früher mit dem Kraftaufbau beginnen.

Wie läuft eine Rehabilitation nach Kreuzband-OP ab?

Je nach den persönlichen Voraussetzungen und dem Umfang der Knieverletzungen werden für jede Phase der Reha Ziele festgelegt, die erreicht werden sollen, bevor man mit der nächsten Phase beginnt. Wie lange eine Reha-Phase dauert, ist aber individuell. Zudem können sich die Phasen auch überschneiden. Grob lässt sich die Rehabilitation in drei Phasen einteilen:

Erste Phase (etwa zwei Monate)

In der ersten Reha-Phase geht es vor allem darum,

  • die Schwellungen und Entzündungen im Gelenk abzubauen,
  • das Bein wieder vollständig strecken und gut beugen zu können,
  • die Oberschenkelmuskulatur zu steuern und
  • wieder normal gehen zu können.

In den Tagen nach der Operation wird das Knie geschont, gekühlt und hochgelegt. Schwellungen werden mit einer physiotherapeutischen Lymphdrainage behandelt, Schmerzen mit entzündungshemmenden Medikamenten. Bereits in der ersten Woche wird mit leichten Übungen zum Strecken und Beugen des Beins begonnen. Dazu wird manchmal auch eine elektrische Schiene eingesetzt, in die das Bein eingespannt und durch einen Motor passiv bewegt wird. Wichtige Etappenziele sind:

  • Das Bein soll nach 1 bis 2 Wochen möglichst vollständig durchgestreckt werden können.
  • Die Kniescheibe soll beweglich gehalten werden, um Verklebungen zu verhindern, die sonst später zu Beschwerden führen können.

Wenn es schmerzfrei möglich ist, können die Oberschenkelmuskeln in der ersten Woche nach der Operation bereits durch sogenannte isometrische Übungen aktiviert werden. Dabei wird die Muskulatur angespannt, ohne das Kniegelenk zu bewegen – zum Beispiel, indem man das gestreckte Bein im Liegen wiederholt anhebt und senkt. Manchmal werden zudem Elektrostimulationsgeräte eingesetzt, um die Muskulatur anzuregen. Es ist aber nicht nachgewiesen, dass diese Geräte die Rehadauer verkürzen können.

Vor allem in den ersten 2 bis 4 Wochen sollte das Knie noch durch Gehhilfen entlastet werden. Manchmal wird eine Knieschiene empfohlen, die es erlaubt, das Bein zu strecken, aber nicht ganz zu beugen. Studien zeigen allerdings keine Unterschiede in den Behandlungsergebnissen von Menschen mit und ohne Knieschiene. Manche Menschen fühlen sich mit einer Schiene sicherer, andere empfinden sie eher als lästig.

Nach und nach kommen Kräftigungsübungen hinzu, bei denen man die Muskeln aktiv bewegt (dynamische Übungen). Nach etwa vier Wochen kann mit Übungen begonnen werden, bei denen die Muskeln gegen Widerstände arbeiten müssen. Wichtig ist, sich von der Therapeutin oder dem Therapeuten zeigen zu lassen, wie man die verschiedenen Übungen richtig ausführt und dabei den vorgegebenen Bewegungsumfang beachtet.

Übungen aus dem sogenannten neuromuskulären Training können helfen, die Stabilität und (unbewusste) Steuerung der Kniebewegungen zu fördern, was für viele Alltagsaktivitäten hilfreich ist. Zu solchen Übungen gehören zum Beispiel Halteübungen auf einem Wackelbrett.

Leichtes Radfahren auf einem Ergometer ist möglich, wenn das Knie ausreichend gebeugt werden kann. Mit dem Ergometer kann das Kniegelenk durchbewegt und die Muskulatur vor Übungen aufgewärmt werden.

Wenn das Knie nach dem Training heiß und dick wird oder schmerzt, ist das ein Zeichen, dass es überfordert ist. Dann ist es sinnvoll, weniger intensiv zu üben. Bei stärkeren Beschwerden sollte man fachlichen Rat einholen.

Zweite Phase (etwa 3. bis 6. Monat)

Die zweite Reha-Phase beginnt, wenn die Ziele aus Phase 1 erreicht wurden und die Übungen schmerzfrei und korrekt ausgeführt werden können. Am Ende der zweiten Phase ist es oft möglich, mit Sport anzufangen und auch körperlich anstrengendere Tätigkeiten auszuüben.

In Phase 2 wird weiter daran gearbeitet, die Beinmuskulatur zu stärken. Das Training enthält zunehmend anspruchsvollere Übungen, wie Ausfallschritte oder einbeinige Kniebeugen. Bei den Übungen erhöht sich zudem der Bewegungsumfang. Um die Maximalkraft zu verbessern, wird bei bestimmten Übungen der Widerstand erhöht. Das neuromuskuläre Training wird ebenfalls anspruchsvoller. In den letzten Wochen dieser Phase können sportspezifische Übungen eingebaut werden, wie zum Beispiel spezielle Sprung- oder Laufübungen.

Dritte Phase (nach dem 6. Monat)

In der letzten Phase steht ein spezielles Kraft-, Funktions- und Ausdauertraining im Vordergrund. Die Schwerpunkte, die dabei gesetzt werden, hängen von den individuellen Zielen und Problemen ab, die jemand hat.

Wichtig ist: Bis der Umbauprozess der Ersatzsehne im Körper vollständig abgeschlossen ist, kann es zwölf Monate und länger dauern. Um neue Verletzungen zu vermeiden, ist es daher sinnvoll, erst nach Rücksprache mit den Therapeutinnen und Therapeuten wieder voll in den Leistungssport einzusteigen – und nur dann, wenn die folgenden Kriterien erfüllt sind:

  • Beim Training treten keine Knieschmerzen und Stabilitätsprobleme auf,
  • sportartspezifische Übungen gelingen sauber und
  • der Kraftunterschied zwischen operiertem und gesundem Bein ist kleiner als 10 %.

Wie lange es dauert, bis diese Kriterien erreicht werden, lässt sich nicht genau vorhersagen.

Wo findet die Reha statt?

In den ersten Wochen der Rehabilitation lässt sich das Knie meist gut in einer ambulanten Physiotherapie-Praxis behandeln. Dabei werden viele Reha-Übungen nach therapeutischer Anleitung zu Hause selbst umgesetzt. Nach den ersten Wochen kann die Ärztin oder der Arzt eine sogenannte „Medizinische Trainingstherapie“ (MTT-Rezept) oder eine „Krankengymnastik am Gerät“ (KGG-Rezept) verordnen. Dies ermöglicht gezieltes und umfassenderes Training an Geräten. Auch danach ist ein längerfristiges Training an Geräten oder mit Hilfsmitteln sinnvoll, zum Beispiel im Fitnessstudio.

Wenn das Knie stark verletzt ist, kommt auch eine stationäre Rehabilitation infrage – oder nach einer Operation eine stationäre Anschlussheilbehandlung.

Die Physiotherapie wird ärztlich verordnet. Bei einem Berufsunfall kommt auch eine „erweiterte ambulante Physiotherapie“ infrage, die durch eine sogenannte Durchgangsärztin oder einen Durchgangsarzt verordnet werden kann. Wer die Kosten trägt und zuständig ist (Renten-, Kranken- oder Unfallversicherung), hängt unter anderem davon ab, ob es ein Berufsunfall war und wie man versichert ist. Der Umfang der Rehabilitation richtet sich auch danach, welche Leistungen medizinisch für notwendig gehalten werden.