Medikamente gegen Alzheimer

Foto von Mutter und Tochter im Garten (PantherMedia / Jenny Sturm) Alzheimer-Demenz ist bislang nicht heilbar. Es gibt verschiedene Medikamente, die den Verlust der geistigen Fähigkeiten und der Selbstständigkeit bei leichter und mittelschwerer Demenz etwas verzögern können. Allerdings können sie auch Nebenwirkungen haben. Ob eins der Mittel besser wirkt als die anderen, ist unklar.

Wer an Demenz erkrankt, wird vergesslich und hat zunehmend Schwierigkeiten, komplexe Sachverhalte zu erfassen oder sich sprachlich auszudrücken. Die räumliche und zeitliche Orientierungsfähigkeit nimmt ab und im Alltag ist immer mehr Unterstützung nötig. Wie schnell diese Entwicklung verläuft, ist ganz unterschiedlich.

Die Alzheimer-Demenz ist die häufigste Ursache für eine Demenz. Dabei sterben mit der Zeit mehr und mehr Nervenzellen im Gehirn ab. Es gibt bisher keine Möglichkeit, die Erkrankung zu heilen oder ihr Fortschreiten zu stoppen. Es werden aber verschiedene Medikamente eingesetzt, die helfen sollen, das Gedächtnis und die Selbstständigkeit im Alltag länger zu erhalten. Neben Medikamenten gibt es auch andere Behandlungsmöglichkeiten, etwa Gedächtnistraining oder die Förderung sozialer Aktivitäten.

Cholinesterasehemmer

Medikamente aus der Wirkstoffgruppe der Cholinesterasehemmer sollen den Informationsaustausch zwischen den Nervenzellen im Gehirn anregen. Das soll die Symptome der Demenz mildern. Sie sind zur Behandlung von leichter und mittelschwerer Alzheimer-Demenz zugelassen. In Deutschland sind derzeit drei Cholinesterasehemmer auf dem Markt: Donepezil, Galantamin und Rivastigmin. Sie werden als Tabletten eingenommen. Rivastigmin ist auch als Pflaster erhältlich, dessen Wirkstoff über die Haut in den Körper gelangt.

Cholinesterasehemmer können den Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit leicht verzögern. Bislang weiß man: Manche Menschen mit Demenz können sich dadurch Dinge etwas besser merken. Ob eines der drei Mittel besser wirkt als die anderen, ist bislang unklar.

Dass Menschen, die einen Cholinesterasehemmer einnehmen, ihren Alltag etwas länger selbst bewältigen können, ist nicht nachgewiesen. Zudem ist unklar, ob die Mittel

  • die Lebensqualität verbessern können,
  • psychische Begleitsymptome wie Depressionen oder Angstzustände lindern oder
  • den Zeitpunkt verzögern, ab dem eine vollstationäre Pflege (Pflege im Heim) nötig wird.

Der Wirkstoff Donepezil wirkt schon in niedriger Dosierung – Galantamin und Rivastigmin dagegen nur in mittlerer oder höherer Dosierung. Alle drei Substanzen können Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder Durchfall haben. Sie treten umso häufiger auf, je höher die Dosis ist. So wird – je nach Wirkstoff – etwa einem bis 3 von 10 Menschen von dem Mittel schlecht oder sie müssen erbrechen.

Rivastigmin-Pflaster wird in verschiedenen Dosierungen angeboten. Für das Pflaster gibt es im Gegensatz zur Darreichungsform als Kapsel nur einen Hinweis, dass es die geistige Leistungsfähigkeit verbessert. Dies gilt jedoch nur für die höhere Dosierung, bei der das Pflaster 9,5 mg Rivastigmin pro 24 Stunden freisetzt. Die meisten Nebenwirkungen treten gleich häufig auf, egal ob bei der Anwendung als Pflaster oder bei der Einnahme als Kapsel. Das Pflaster führt aber seltener zu Magen-Darm-Problemen als die Kapsel. Dafür kann es allerdings Hautprobleme wie Juckreiz und Rötungen auslösen.

Was Studien sagen

Memantin

Medikamente mit dem Wirkstoff Memantin sind für Menschen mit einer mittelschweren bis schweren Alzheimer-Demenz zugelassen. Sie sollen verhindern, dass ein Überschuss des Stoffes Glutamat das Gehirn schädigt. Glutamat ist ein Botenstoff, der Nervensignale weiterleitet. Er trägt dazu bei, dass wir uns Dinge merken können. Man vermutet, dass bei Alzheimer-Erkrankten zu viel Glutamat im Gehirn dazu führt, dass Nervenzellen absterben.

Memantin kann den Abbau geistiger Fähigkeiten bei manchen Menschen mit Demenz etwas verzögern. In Zahlen ausgedrückt: Über einen Zeitraum von sechs Monaten kann Memantin bei ungefähr einem von 10 Menschen den Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit hinauszögern. Es gibt auch Hinweise, dass mit Memantin alltagspraktische Fähigkeiten wie Zähneputzen, Anziehen oder öffentliche Verkehrsmittel benutzen etwas länger erhalten bleiben können. Zudem deuten Studien an, dass sich starke Unruhe verringern kann.

Ob Memantin einen Einfluss darauf hat, wie lange Menschen mit Demenz noch zu Hause betreut werden können, ist nicht bekannt. Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass die Therapie Angehörigen hilft, etwa indem sie ihre emotionale Belastung oder den Pflegebedarf der Erkrankten verringert.

Memantin ist insgesamt anscheinend gut verträglich. Dass es sehr selten doch einmal zu Nebenwirkungen kommt, ist jedoch nicht ausgeschlossen

Was Studien sagen

Ginkgo biloba

Ginkgo ist ein pflanzliches Präparat, das aus Blättern des Ginkgo-biloba-Baums gewonnen wird. Dem Mittel werden unterschiedliche Wirkungen zugeschrieben, unter anderem, dass es die Durchblutung verbessert und Nervenzellen schützt. Ginkgo-Präparate können rezeptfrei gekauft werden. Bei Demenz-Erkrankungen kann die Ärztin oder der Arzt sie auch verschreiben.

Einzelne Studien geben Hinweise, dass Menschen mit leichter oder mittelschwerer Alzheimer-Demenz, die Ginkgo in der höchsten geprüften Dosierung (240 mg pro Tag) einnehmen, alltägliche Verrichtungen wie Haushaltsarbeiten oder Körperpflege wieder besser bewältigen können. Die Studien weisen auch darauf hin, dass Ginkgo in hoher Dosierung die Gedächtnisleistung verbessern und psychische Beschwerden lindern könnte. Allerdings ist unklar, wie groß dieser Effekt ist.

Ginkgo ist insgesamt recht gut verträglich. Manche Menschen brechen die Einnahme von Ginkgo wegen Nebenwirkungen ab. Möglich sind beispielsweise Magenbeschwerden oder Kopfschmerzen. Es ist nicht auszuschließen, dass Ginkgo-Präparate Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln haben können, zum Beispiel mit blutverdünnenden Medikamenten.

Was Studien sagen

Weitere Medikamente

Bei vielen Menschen mit Alzheimer-Demenz verändern sich die Persönlichkeit und das Verhalten deutlich. Sie können sich zum Beispiel ungewohnt ängstlich, misstrauisch, passiv, unruhig oder auch aggressiv verhalten. Solche Verhaltensänderungen können mit der Krankheit zusammenhängen, aber auch ganz normale Reaktionen auf die Umgebung oder die Einschränkungen und Verlusterfahrungen durch die Demenz sein. So kann Aggression eine normale Reaktion sein, wenn sich ein Mensch mit Demenz durch andere bevormundet fühlt. Menschen mit Alzheimer-Demenz haben zudem häufig Depressionen und Schlafstörungen.

Daher nehmen viele Erkrankte auch Medikamente ein, die psychische Beschwerden und auffälliges Verhalten verringern sollen – etwa Beruhigungsmittel, Antidepressiva oder auch Antipsychotika. Diese Medikamente können zwar möglicherweise die Symptome lindern, aber auch ernsthafte Nebenwirkungen wie Verwirrtheit oder erhöhte Sturzgefahr haben.

Deshalb ist es wichtig, zunächst nach den Ursachen der Probleme zu suchen und sie möglichst auf andere Weise zu lösen als durch Psychopharmaka. Diese Medikamente sollten nur genommen werden, wenn es nicht anders geht. Wenn mehrere Mittel gleichzeitig eingenommen werden, kann es außerdem zu Wechselwirkungen kommen. Vor der Verschreibung eines Mittels sollte eine Ärztin oder ein Arzt daher sorgfältig prüfen, ob Neben- und Wechselwirkungen denkbar sind, und gegebenenfalls auf andere Behandlungsmöglichkeiten hinweisen.

Auch die Behandlung körperlicher Beschwerden wie zum Beispiel Schmerzen kann eine Rolle spielen. Schmerzen können die Ursache für Unruhe und ungewöhnliches Verhalten sein, was ein Mensch im fortgeschrittenen Stadium einer Alzheimer-Demenz aber oft nicht mehr äußern kann.

Medikamente nehmen – ja oder nein?

Die bisher verfügbaren Medikamente können die Alzheimer-Demenz nicht entscheidend beeinflussen. Umso wichtiger ist eine gute soziale und pflegerische Begleitung der Betroffenen. Bisherige Studien zeigen, dass bestimmte Medikamente manche Symptome einer leichten bis mittelschweren Demenz kurzfristig etwas lindern oder ihr Auftreten hinauszögern können. Dazu gehören Cholinesterasehemmer, Memantin und vielleicht auch Ginkgo.

Ob eine dieser Medikamentengruppen hilfreicher ist als andere, lässt sich bislang nicht sagen. Es gibt kaum Studien, die die verschiedenen Medikamente miteinander verglichen haben. Auch ihre Langzeitwirkungen sind kaum untersucht – die meisten Studien dauerten höchstens ein halbes Jahr.

Die Entscheidung, eines dieser Medikamente einzunehmen, kann gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt besprochen werden. Sie bleibt aber eine persönliche Abwägung und hängt unter anderem davon ab, wie die möglichen Vorteile und die Nebenwirkungen eingeschätzt werden. Für den einen Menschen ist vielleicht die Aussicht auf kleine Verbesserungen schon ein guter Grund, täglich Medikamente einzunehmen. Den anderen überzeugen der begrenzte Nutzen und die möglichen Nebenwirkungen nicht. Bei der Entscheidung spielt auch eine Rolle, ob noch andere Erkrankungen bestehen und weitere Medikamente eingenommen werden – und nicht zuletzt, wie weit die Demenz bereits fortgeschritten ist.

Schlagwörter: Alter und Pflege, Alzheimer-Demenz, Demenz, F00, F01, F03, G30, Gedächtnisstörungen, Kopf und Nerven, Psyche und Gemüt, Vergesslichkeit