Leistenbruch und Schenkelbruch bei Frauen

Foto von Frau (PantherMedia / imagepointfr) Leistenbrüche (Leistenhernien) werden bei Frauen manchmal anders behandelt als bei Männern. So wird in der Regel zu einer Operation geraten. Denn hinter einem Leistenbruch steckt bei Frauen häufiger ein unerkannter Schenkelbruch. Schenkelbrüche führen eher zu Komplikationen als Leistenbrüche.

Ein Leistenbruch (Leistenhernie) verursacht häufig keine starken Beschwerden und lässt sich durch eine Operation gut behandeln. Schenkelbrüche dagegen können unangenehmer werden, da es häufiger zu Einklemmungen kommt. Beide Brüche werden meist durch eine laparoskopische (minimalinvasive) Operation mit Netzeinlage behandelt.

Wie entstehen Leisten- und Schenkelbrüche?

Ein Leistenbruch entsteht durch eine Schwachstelle in der vorderen Bauchwand, dem Leistenkanal. Der Kanal verläuft vom Hüftknochen schräg nach unten Richtung Schambein und verbindet die Bauchhöhle mit der Leistengegend. In ihm verlaufen Nerven, Blut- und Lymphgefäße und bei Frauen das Mutterband, das die Gebärmutter hält. Bei einem Leistenbruch wölben sich durch eine Lücke in der Bauchwand Bauchfell, Fettgewebe oder Darm vor.

Bei Frauen kommt es deutlich seltener zu einem Leistenbruch als bei Männern, da der Leistenkanal bei ihnen enger ist. Schwaches Bindegewebe kann einen Leistenbruch jedoch begünstigen. Auch mit dem Alter steigt das Risiko. Das Heben oder Tragen schwerer Lasten spielt, wenn überhaupt, nur eine geringe Rolle.

Schenkelbrüche treten am Oberschenkel unterhalb des Leistenbands auf. Meist betreffen sie Frauen über 65 Jahre. Äußerlich fallen viele Schenkelhernien zunächst nicht auf, da sie keine sichtbare Vorwölbung verursachen. Meist machen sie sich erst durch Schmerzen bemerkbar. Schenkelbrüche werden manchmal mit Leistenbrüchen verwechselt, sind jedoch schmerzhafter als diese.

Was spricht für eine Operation?

Frauen wird auch bei beschwerdefreien Leistenbrüchen eine Operation empfohlen, weil das Risiko für Komplikationen bei ihnen höher ist als bei Männern. Zudem kann sich hinter einem Leistenbruch ein Schenkelbruch verbergen. Dies kann oft erst bei einem Eingriff festgestellt werden. Bei Schenkelhernien besteht ein hohes Risiko für Komplikationen, wenn sie nicht operiert werden. So kann sich der Darm in der Bauchwandlücke einklemmen, was zu einem Darmverschluss und einer Bauchfellentzündung führen kann. Etwa die Hälfte aller Frauen mit einem unerkannten Schenkelbruch müssen notoperiert werden.

Welche Operationsverfahren gibt es?

Bei dem Eingriff wird der Bruchsack samt Inhalt wieder in die Bauchhöhle zurückverlagert. Anschließend wird die Lücke in der Bauchwand verschlossen. Sie kann zusätzlich mit körpereigenem Gewebe oder mit einem feinen Kunststoffnetz verstärkt werden.

Man unterscheidet folgende Operationsverfahren:

  • offene Operation ohne Netz: Es wird durch einen längeren Hautschnitt von außen operiert und die Bruchpforte mit benachbartem Bindegewebe vernäht.
  • offene Operation mit Netz: Die Bruchpforte wird mit einem Kunststoffnetz abgedeckt und dadurch zusätzlich stabilisiert.
  • laparoskopische Operation: Über meist drei kleine Hautschnitte (5 bis 10 mm) werden eine Kamera und die Operationsinstrumente in den Bauchraum oder in die Bauchdecke eingeführt. Bei einer minimalinvasiven Operation wird die Bruchpforte immer mit einem Kunststoffnetz abgedeckt.

Welche Operationsverfahren sind am besten geeignet?

Bei Frauen werden Leisten- und Schenkelbrüche in der Regel durch eine laparoskopische Operation mit Netz behandelt. Ein zusätzliches Kunststoffnetz stabilisiert die Bauchwand etwas besser als eine einfache Naht mit benachbartem Bindegewebe. Dadurch sind auch Belastungen nach der OP schneller wieder möglich.

Es gibt zwei laparoskopische Verfahren:

  • TAPP (Transabdominelle Präperitoneale Plastik): Es wird durch den Bauchraum operiert. Dazu muss die Bauchdecke mit kleinen Schnitten durchtrennt werden. Das Kunststoffnetz wird zwischen Bauchfell und Bauchmuskulatur eingebracht.
  • TEP (Total Extraperitoneale Plastik): Es wird nur innerhalb der Bauchdecke operiert. Das heißt, die Operateure gehen mit den Instrumenten weniger tief als bei der TAPP. Das Kunststoffnetz wird zwischen Bauchfell und Bauchmuskulatur eingebracht.

Die TEP-Operation ist das komplexere, schwerer zu erlernende Verfahren.

Von einer offenen Operation wird Frauen meist abgeraten, da sie danach häufiger Rückfälle haben.

Welche Nebenwirkungen hat ein Eingriff?

Hernien-Operationen zählen zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen. Sie verlaufen meist komplikationsfrei, können aber dennoch Nebenwirkungen haben. Zusätzlich bestehen die Risiken, die jede Narkose mit sich bringt.

Operationsschmerzen in der Leistenregion klingen meistens einige Tage nach dem Eingriff ab. Allerdings haben etwa 10 von 100 Menschen nach der Operation bleibende Schmerzen – etwa weil Nerven verletzt wurden oder der Körper auf das Kunststoffnetz reagiert. Frauen haben häufiger bleibende Schmerzen als Männer.

Zu schwereren Komplikationen kommt es bei weniger als 1 von 100 Operationen. Dazu zählen Verletzungen an Blutgefäßen und an den Nerven im Leistenkanal. Auch Wundheilungsstörungen und Entzündungen können auftreten.

Was muss ich nach einer Operation beachten?

Nach einer Hernien-Operation mit Netz ist körperliche Belastung recht schnell wieder möglich, laufen und leichte Bewegungsübungen bereits wenige Stunden nach der Operation. Wichtig ist, die Art und Intensität der Bewegungen davon abhängig zu machen, wie man sich fühlt und ob man die Belastung verträgt. In den ersten 2 bis 3 Wochen ist es besser, auf schweres Heben zu verzichten.

Was tun bei einem Rückfall?

Frauen haben ein höheres Rückfallrisiko als Männer. Deshalb wird schon bei der ersten Hernien-Operation die Einlage eines Netzes empfohlen. Kommt es erneut zu einem Leisten- oder Schenkelbruch, wird empfohlen, erneut ein Netz mithilfe einer Laparoskopie einzusetzen.

Was tun bei einem Bruch während einer Schwangerschaft?

Während einer Schwangerschaft kommt es nur sehr selten zu einem Leisten- oder Schenkelbruch. Falls doch, wird empfohlen, den Bruch erst nach der Schwangerschaft zu operieren. Eine schnelle Operation ist nur dann notwendig, wenn es zur Einklemmung kommt und Komplikationen drohen. Dies ist während einer Schwangerschaft aber die absolute Ausnahme. Die Schwangerschaft wird durch den Bruch nicht beeinträchtigt.