Einleitung

Foto von Frau bei der Apfelernte (PantherMedia / Dieter Möbus) Für viele Menschen sind Krampfadern hauptsächlich ein kosmetisches Problem: Sie mögen das Aussehen ihrer Beine mit den unebenen, bläulichen Venen nicht. Nach Schätzungen hat etwa jeder fünfte Erwachsene Krampfadern. Meistens machen sie sich nicht weiter bemerkbar, sie können aber auch zu Beschwerden wie schwere Beine oder Wadenkrämpfe führen. Zu Komplikationen kommt es nur selten.

Krampfadern sind oberflächliche Venen, die knotig ausgebuchtet sind. Sie werden auch als „variköse Venen“ oder „Varizen“ bezeichnet. Varizen können violett oder bläulich durch die Haut schimmern, sind geschwollen und treten manchmal deutlich nach außen vor. Am häufigsten finden sich Krampfadern an den Waden oder Innenseiten der Beine.

Eine weniger ausgeprägte Form von Krampfadern kann auch im Gesicht und anderen Körperbereichen auftreten. Man nennt sie Besenreiser, weil ihre feinen Verästelungen unter der Haut an dünne Zweige (Reisig) erinnern. Besenreiser sind häufig, bereiten aber keine gesundheitlichen Probleme.

Symptome

Krampfadern können dazu führen, dass sich die Beine schwer anfühlen und die Haut spannt oder juckt. Die Beschwerden nehmen meist gegen Ende des Tages zu, vor allem nach längerem Sitzen oder Stehen. Manchmal lösen Krampfadern auch nächtliche Wadenkrämpfe oder Schmerzen aus. Bei warmem Wetter sind die Beschwerden in der Regel ausgeprägter. Zwischen dem Aussehen der Krampfadern und der Stärke der Beschwerden besteht nicht unbedingt ein Zusammenhang: So können wenig auffällige Krampfadern zahlreiche Beschwerden verursachen und große, knotig verdickte Adern gar keine.

Krampfadern können auch das Wohlbefinden beeinträchtigen. Manchen Menschen mit Krampfadern ist es unangenehm, wenn ihre Beine sichtbar sind. Sie tragen deshalb nur lange Hosen und verzichten auf Aktivitäten wie etwa Schwimmen. Wenn das Aussehen der Beine sehr belastet, kann auch ohne starke Beschwerden eine Behandlung sinnvoll sein.

Ursachen

In den Beinen befinden sich oberflächliche, aber auch tiefer gelegene Venen. Die tiefen Beinvenen befördern sauerstoffarmes Blut wieder zum Herzen zurück. Dabei werden sie durch die Beinmuskeln unterstützt: Beim Gehen pressen die Muskeln die tiefen Venen zusammen, dadurch wird das Blut gegen die Schwerkraft in Richtung Herz gedrückt. Damit es nicht zurückfließen kann, sind die Venen mit Venenklappen ausgestattet, die wie Ventile wirken.

Grafik: Entstehung von Krampfadern am Bein

 

Die oberflächlichen Beinvenen transportieren das Blut aus der Haut, dem Fettgewebe und der Muskulatur in die tieferen Venen. Wenn die Klappen der oberflächlichen Venen nicht mehr richtig funktionieren, staut sich das Blut in ihnen. Dies kann verschiedene Ursachen haben. Manche Menschen haben schwächere Venenwände und -klappen als andere. Es kann auch sein, dass nicht genug Druck auf die Venen ausgeübt wird – zum Beispiel weil die Muskulatur nicht ausreichend bewegt wird, weil man häufig auf einer Stelle steht oder unbeweglich sitzt.

Risikofaktoren

Manche Menschen haben eine erblich bedingte Neigung zu Krampfadern. Bei Frauen treten Krampfadern häufig in der Schwangerschaft zum ersten Mal auf. Die hormonell bedingten Veränderungen des Körpergewebes und das zusätzliche Gewicht führen dazu, dass das Blut aus den Beinvenen schlechter abfließen kann. Auch starkes Übergewicht erhöht den Druck in den Beinen und Venen, was besonders bei Frauen die Entstehung von Krampfadern begünstigt.

Häufigkeit

Es wird geschätzt, dass etwa 20 % der Erwachsenen irgendwann Krampfadern bekommen. Ihre Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu, sie können aber auch schon bei jungen Menschen auftreten. Frauen haben öfter mit Krampfadern zu tun als Männer.

Folgen

Krampfadern führen nur selten zu Komplikationen. Anzeichen für Komplikationen sollten aber rasch ärztlich abgeklärt werden. Dazu gehören:

  • Geschwüre oder offene Wunden im Bereich des Fußknöchels, die nicht durch eine Verletzung entstanden sind, oder die noch nach Wochen keine Anzeichen für eine Heilung zeigen
  • eine starke Beinschwellung
  • gerötete Venen, die sich warm anfühlen und schmerzen
  • Blutungen aus oder in der Nähe von Krampfadern

Ein „offenes Bein“ (Beingeschwür) kann eine Komplikation von Krampfadern sein, aber auch die Folge einer anderen, ernsthafteren Erkrankung wie Diabetes oder einer Gefäßverengung.

Ein Ausschlag im Bereich der Krampfadern kann ein erstes Anzeichen dafür sein, dass sich ein Geschwür bildet. Auf ein solches Risiko weist auch eine sogenannte Lipodermatosklerose hin. Dies ist eine eher seltene Krankheit, bei der die Haut um die Knöchelinnenseite braun, straff, dünner und schmerzempfindlicher wird.

Lange bestehende Krampfadern können dazu führen, dass ein Bein stark anschwillt. Eine Beinschwellung kann aber auch durch andere Erkrankungen wie eine Herzschwäche verursacht werden.

Gerötete, warme Venen, die brennende Schmerzen auslösen können, deuten auf eine Entzündung der Venen hin (Phlebitis). Eine Venenentzündung kann auch mit einem Blutgerinnsel einhergehen (Thrombophlebitis).

Blutungen treten bei Krampfadern zwar selten auf, könnten jedoch gefährlich sein und erfordern deshalb sofortige medizinische Hilfe. Als Erste-Hilfe-Maßnahme sollte man das Bein hochlegen und Druck auf die blutende Stelle ausüben.

Das Risiko für die Entstehung einer tiefen Venenthrombose (TVT) durch Flugreisen ist auch bei Menschen, die Krampfadern haben, sehr gering.

Diagnose

Die meisten Menschen mit Krampfadern benötigen keine speziellen Untersuchungen. Wenn vermutet wird, dass es ein Problem im Bereich der tiefen Venen gibt, kann eine Ultraschalluntersuchung sinnvoll sein. Der sogenannte Duplex-Ultraschall (auch „Doppler“ genannt) gibt Aufschluss über den Zustand der tiefen Beinvenen und den Blutfluss in den Venen. Ein Ultraschall wird auch gemacht, um die Venen im Vorfeld einer Operation zu beurteilen. Ergänzend kommt eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel infrage (Phlebografie).

Behandlung

Die häufigste Behandlung ist das Tragen von Stützstrümpfen (Kompressionsstrümpfen). Die Strümpfe sollen Druck auf die Venen ausüben und die Muskeln dabei unterstützen, das Blut weiter zu transportieren.

Außerdem können Krampfadern operativ entfernt oder verödet werden. Es gibt verschiedene Techniken, um Krampfadern operativ zu entfernen. Die häufigsten sind:

  • Das Venenstripping: Am Bein werden zwei Schnitte gesetzt und die Vene über einen Schnitt in der Leiste komplett herausgezogen.
  • Die Phlebektomie: Entlang der betroffenen Vene werden mehrere, wenige Millimeter kleine Schnitte gesetzt und die Vene in mehreren Teilen entfernt. Dieses Verfahren wird vor allem bei kleineren Venen eingesetzt.

Verschiedene Verfahren bieten eine Alternative zur herkömmlichen Entfernung der Krampfadern. Hierzu gehören:

  • Die Radiofrequenzablation: Hierbei werden die Venen mithilfe von Wärme versiegelt, die durch elektromagnetische Wellen (Radiowellen) erzeugt wird.
  • Die endovenöse Lasertherapie: Dabei wird die Vene ebenfalls von innen durch Wärme versiegelt, allerdings werden statt Radiowellen Laserstrahlen verwendet.
  • Das Trivex-Verfahren: Beim Trivex-Verfahren wird ein winziges rotierendes Messer ins Innere der Vene eingeführt, um sie zu zerschneiden und das Gewebe anschließend abzusaugen.

Bei kleinen und mittelgroßen Krampfadern kommt auch die sogenannte Sklerotherapie infrage. Dabei wird eine Flüssigkeit oder ein Schaum in die betroffene Vene gespritzt und die Vene dadurch verschlossen.

Mehr Wissen

Leben und Alltag

Langes Stehen in derselben Position führt dazu, dass sich das Blut in den Venen leichter staut. Auch längeres Sitzen mit überkreuzten Beinen kann die Arbeit der Venen erschweren. Sich zu bewegen und möglichst oft die Haltung zu verändern, kann die Beschwerden lindern. Viele Menschen mit Krampfadern berichten zudem, dass der Schmerz in den Beinen nachlässt, wenn sie sich hinsetzen und ihre Füße hochlegen.

Körperliche Aktivität und Bewegung können dazu beitragen, dass das Blut in den Beinen ungehinderter fließen kann. Bei Menschen mit Übergewicht entlastet eine Gewichtsabnahme die Beine.

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