Kann Bewegungstraining erneuten Kreuzschmerzen vorbeugen?

Foto von Mann beim Bewegungstraining im Freien (Stockbyte / Photos.com) Regelmäßiges Bewegungstraining im Anschluss an die Behandlung akuter Kreuzschmerzen kann einem von drei Betroffenen helfen, Rückfälle zu vermeiden.

Kreuzschmerzen betreffen den unteren Rücken in der Lenden- und Kreuzbeinregion und zählen zu den häufigsten Schmerzen. Setzen ganz plötzlich heftige Schmerzen ein, werden sie auch als „Hexenschuss“ oder „Lumbago“ bezeichnet. Bei den meisten Menschen bessern sich Kreuzschmerzen innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen von selbst. Halten die Schmerzen mehr als zwölf Wochen an, werden sie als chronisch bezeichnet.

Meistens lassen sich keine eindeutigen Ursachen für die Beschwerden finden. Dann werden sie als „unspezifische Rückenschmerzen“ bezeichnet. Man vermutet aber, dass sowohl körperliche als auch psychische Faktoren eine Rolle spielen. Rückenschmerzen können immer wieder auftreten; viele Betroffene haben noch längere Zeit leichte Schmerzen oder nach einer beschwerdefreien Zeit erneut starke Schmerzen. Nur selten weisen Rückenschmerzen auf eine ernsthafte Erkrankung hin.

Wiederkehrenden Kreuzschmerzen vorbeugen

Eine Forschergruppe des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration hat sich mit der Frage befasst, ob körperliche Bewegung wiederkehrenden Kreuzschmerzen vorbeugen kann. Sie suchte nach Studien, die geprüft haben, wie gut Kräftigungsübungen, Gymnastik und Ausdauertraining helfen, unspezifischen Kreuzschmerzen vorzubeugen.

Die Forschergruppe fand neun Studien mit insgesamt gut 1500 Teilnehmenden, die nach dem Zufallsprinzip verschiedenen Vergleichsgruppen zugeteilt wurden. In den Gruppen wurde das Bewegungstraining jeweils zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufgenommen: In fünf der Studien trainierten die Teilnehmenden schon während der Behandlung der akuten Schmerzen. In den anderen vier Studien begannen sie erst nach Abklingen der Beschwerden damit. In den meisten Studien wurde das Bewegungstraining von einer Physiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten begleitet. Die Einheiten dauerten zwischen 15 Minuten und einer Stunde. Die Teilnehmenden trainierten mehrmals pro Woche, teils mehrere Monate lang. Menschen, deren Rückenschmerzen bekannte Ursachen hatten, wie Knochenbrüche, Tumore oder Infektionen, nahmen nicht an den Studien teil.

Bewegungstraining nach Behandlung

In manchen Studien nahmen die Teilnehmenden nach der Behandlung ihrer akuten Beschwerden ein gezieltes Bewegungstraining unter physiotherapeutischer Begleitung auf. Verglichen wurden sie mit einer Gruppe, die nach der Behandlung an keinem solchen Programm teilnahm. Das Ergebnis: In den ersten zwei Jahren traten durch das Training weniger Rückfälle auf.

In zwei kleineren Studien, die ein Programm mit regelmäßigem Bewegungstraining nach Akutbehandlung getestet hatten, kam heraus, dass innerhalb von zwei Jahren

  • 65 von 100 Menschen in der Gruppe ohne Training erneut Kreuzschmerzen hatten gegenüber
  • 33 von 100 Menschen in der Trainingsgruppe.

In anderen kleinen Studien, die ein regelmäßiges Bewegungstraining nach Behandlung der akuten Beschwerden untersuchten, wurde geprüft, wie häufig Menschen krankheitsbedingt an ihrem Arbeitsplatz fehlten. Hier zeigte sich, dass die Teilnehmenden der Trainingsgruppe genauso häufig krankheitsbedingt fehlten wie diejenigen, die nicht trainierten. Allerdings waren sie im Durchschnitt für weniger Tage krankgeschrieben.

Bewegungstraining während der Behandlung

Diese Studien prüften, ob ein frühes Bewegungstraining noch während der Behandlung akuter Schmerzen längerfristig Kreuzschmerzen vorbeugen kann. Ihre Ergebnisse sind nicht eindeutig: Einige Studien zeigen einen Vorteil, andere nicht. Deshalb bleibt unklar, ob ein spezielles Bewegungstraining während der akuten Phase längerfristig vor Rückfällen schützen kann.

Diese Ergebnisse bedeuten nicht, dass Bewegung in der frühen Phase von Kreuzschmerzen überflüssig ist. Im Gegenteil: Es ist von Anfang an wichtig, aktiv zu bleiben oder zu werden. Auch Bewegung während der Akutphase hilft, die Beschwerden zu lindern – nur ist dies möglicherweise nicht ausreichend, um auch langfristig Rückfälle zu vermeiden.

Auf Dauer aktiv bleiben

Die Cochrane-Forschergruppe vermutet, dass solche frühen Bewegungsprogramme oft nach wenigen Wochen aufgegeben werden, wenn die Beschwerden abklingen. Deshalb bewirken sie keine dauerhafte Verhaltensänderung. Genau da setzen jedoch Bewegungsprogramme an, die erst nach Abklingen der akuten Beschwerden beginnen. Und deshalb – so eine mögliche Erklärung – waren sie in den Studien effektiver. Über unerwünschte Wirkungen des Trainings wurde in den Studien nichts berichtet.

Wie das optimale Bewegungsprogramm aussieht, bleibt offen. Die Entscheidung, welche Behandlung im Einzelfall angebracht ist, hängt unter anderem von der Fitness, von Begleiterkrankungen, der Stärke der Schmerzen und den persönlichen Vorlieben eines Menschen ab.

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