Ich war sehr verzweifelt und habe viele Salben, Cremes und Peelings ausprobiert

Foto von junger Mutter mit Kinderwagen (Photodisc / Thinkstock) Julia, 22

„Momentan habe ich vereinzelt noch Pickel. Man sieht vielleicht noch die Narben, aber man muss dann schon genau hinsehen.“

Bei mir fing die Akne an, als ich zwölf Jahre alt war. Kurz vor der Pubertät traten bei mir die ersten Pickelchen an der Stirn auf. Ich habe mir zuerst weiter keine Gedanken gemacht, denn es betraf ja nur die Stirn. Mit der Zeit waren aber die Wangen, die Nase und das Kinn komplett mit Pickeln übersät. Nicht nur äußerlich waren die Pickel sehr unangenehm, sie lösten zudem ein schmerzhaftes Druckgefühl aus.

Daraufhin bin ich zu einer Kosmetikerin gegangen. Sie hat die Pickel geöffnet und diverse Cremes, Peelings und Masken auf die Gesichtshaut aufgetragen. Das war im Ganzen eine sehr teure Angelegenheit und hat letztlich nur ein wenig geholfen. Man kann die teuersten Salben und Cremes benutzen, aber dennoch ist es eine sehr individuelle Sache. Der eine reagiert darauf, der andere nicht. Erlöst hat es mich nicht.

Ich war verzweifelt und habe vieles ausprobiert

Ich bin dann schließlich zu einer Hautärztin gegangen. Sie hat mir eine Salbe mit Vitamin-A-Säure verschrieben. Das führte dazu, dass ich sehr starke Hautrötungen bekommen habe und die Haut sehr stark gespannt hat. Diese Behandlung musste ich aus diesen Gründen abbrechen. Dann habe ich eine Tinktur zum Auftragen bekommen. Das hat aber nur am Anfang geholfen. Mit der Zeit trocknete die Haut stark aus. Das war dann auch kein sehr schönes Hautbild, wenn man trockene und gerötete Haut hat. Ich war auch im Solarium. Das hat nichts gebracht, weil ich eine sehr empfindliche Haut habe und Sonnenbrand bekommen habe.

Ich war sehr verzweifelt und habe selbstständig viele Salben, Cremes und Peelings ausprobiert. Das hatte zur Folge, dass eine Dermatitis in meinem Gesicht auftrat. Das bedeutete, dass der Hautschutzmantel aufgrund der intensiven Anwendung von Kosmetika zerstört war. Dies veranlasste mich, einen neuen Dermatologen aufzusuchen. Dieser sagte, dass ich gegen die Dermatitis am besten gar nichts machen soll. Im ersten Moment war das schon komisch, wenn ein Hautarzt sagt, dass man erstmal gar nichts drauf machen sollte. Dennoch bekam ich von ihm ein Antibiotikum verschrieben. Die Wirkung war für mich positiv, denn die Haut hat sich deutlich verbessert. Die Pickel wurden dann für ein halbes bis ein Jahr weniger. Bis heute habe ich einen Restbestand an Antibiotika in einer Schublade, falls es wieder mal so schlimm wird. Das ist eine Sicherheit für mich. Ich habe schon Angst, dass das wieder auftritt.

Ich hatte auch versucht, weniger Süßigkeiten zu essen. Aber wahrscheinlich habe ich das nicht lange genug reduziert. Es hat nichts gebracht und ich war dann sehr schnell frustriert. Ich esse nicht so gerne Fleisch und meine Lebensqualität hat darunter schon gelitten. Man greift ja jeden Strohhalm, man probiert alles aus, bis die Haut kaputt ist und hat dadurch auch finanzielle Einbußen.

Akne wird bei Männern eher akzeptiert als bei Frauen

Ich habe oft abweisende und negative Reaktionen von Männern erfahren. Mir wurde mitunter dadurch deutlich, wie entstellt man als Frau ist, wenn man von Akne betroffen ist. Mein persönliches Resümee ist, dass Akne bei Männern in der Gesellschaft eher akzeptiert wird als bei Frauen. Einmal sagte beispielsweise ein fremder Mann auf der Straße zu mir: „Nimm doch mal eine Salbe.“ Oder ein anderer: „Wie siehst Du denn aus? Kannst Du denn da nichts machen?“

Für mich war es psychisch nicht einfach. Besonders in der Zeit der Pubertät. Wenn man ausgeht, wird einem ja zuerst in das Gesicht geschaut, dann fallen schon die ersten Entscheidungen. Mein Selbstwertgefühl hat sehr stark gelitten. Ich bin in meiner Lebensweise schon ein wenig eingeschränkt gewesen. Zum Beispiel, dass ich mich immer schminken musste, wenn ich rausgehen wollte. Das war für mich ein echtes Problem.

Insgesamt habe ich etwa zehn Jahre mit Akne gekämpft und habe auch ein entsprechendes Narbenbild. Aber wenn ich Make-up auftrage, sieht man es nicht sehr deutlich.

Die Narben habe ich nicht umsonst. Ich habe die Pickel schon gespürt, bevor man sie sehen konnte. Dabei hatte ich das Gefühl: Es ruft regelrecht danach, dass man es bearbeiten muss. Und dann entzündet es sich noch schlimmer. Es ist wie ein innerer Drang, den ich nicht beherrschen kann. Ich hatte immer das Gefühl, wenn es so drückt, dass es raus muss und dann Ruhe gibt.

Familie und Freundin haben mir sehr geholfen

Meine Familie stand immer hinter mir. Es hat mich nie jemand auf mein Hautbild angesprochen oder mich gehänselt. Besonders, wenn ich wieder mal traurig war, wenn ich am Abend weg gehen wollte und aussah wie ein Streuselkuchen. Sie haben mich zur Kosmetikerin gefahren und mir auch geholfen, das zu finanzieren. Sie haben immer mit Wort und Tat hinter mir gestanden.

Meine Freundin hat mir in dieser Zeit sehr geholfen. Mit ihr habe ich sehr viel Zeit verbracht. Sie war sehr feinfühlig mir gegenüber und konnte mich auch sehr gut ablenken. Es waren immer andere Sachen Thema, so dass ich dann überhaupt nicht darüber nachgedacht habe und einfach leben konnte, wie jeder andere Mensch auch. Das war auch die Zeit, in der ich Männer kennengelernt habe, die auch mit Frauen zusammen sein konnten, die Akne haben. Diese Erfahrung war sehr wichtig für mich.

Wichtig finde ich es, sich ein gutes Selbstbewusstsein zu erarbeiten

In meinem damaligen Freundeskreis habe ich neben meiner Freundin überhaupt keine Unterstützung erhalten. Aber ich glaube, dass ich das zum Teil auch mir selber zuschreiben muss, denn ich habe mich auch selber isoliert. Ich hatte einfach Angst. Wenn ich mit Klassenkameradinnen weggegangen bin, dann wurden alle Mädels von den Männern umgarnt und ich stand dann allein da. Da hatte ich nicht jede Woche Lust darauf.

Momentan habe ich vereinzelt noch Pickel. Man sieht vielleicht noch die Narben, aber man muss dann schon genau hinsehen. Ich versuche zu vermeiden, ohne Make-up aus dem Haus zu gehen. Es ist wie ein Schutz, wie eine Maske, die mich schützt.

Wichtig finde ich es, sich ein gutes Selbstbewusstsein zu erarbeiten. Und dass es noch so viele schöne Dinge im Leben gibt, die wichtig sind. Zum Beispiel meine Tochter, oder wenn man sich an einem schönen Sommerabend ins Grüne setzt und sich einfach nur der Natur hingibt.

Danksagung

Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.