Helfen Sport und Bewegung?

Foto von Frau beim Radfahren (YanLev / iStockphoto / Thinkstock) Sport und Bewegung können bei einer Depression wahrscheinlich helfen, die Symptome etwas zu lindern. Ob bestimmte Sportarten geeigneter sind als andere, ist unklar.

Depressionen können sich auf verschiedene Weise bemerkbar machen. Zu den wesentlichen Kennzeichen gehören eine anhaltend gedrückte Stimmung, Antriebs- und Freudlosigkeit sowie ein allgemeines Desinteresse – selbst an Hobbys und Aktivitäten, die zuvor Freude bereitet haben. Für Menschen mit Depressionen gibt es verschiedene Behandlungs- und Unterstützungsmöglichkeiten. Wichtige Bausteine der Behandlung sind Psychotherapie und Medikamente (Antidepressiva).

Wer eine Depression hat, ist oft antriebsarm und dadurch auch körperlich weniger aktiv. Bewegung und Sport – zum Beispiel Walking, Joggen, Radfahren, Schwimmen oder Wandern – werden häufig empfohlen, um depressive Beschwerden zu lindern oder ihnen vorzubeugen. Für viele Menschen, die es schaffen, trotz ihrer Beschwerden ergänzend zu anderen Behandlungen Sport zu treiben, ist das Gefühl wichtig, selbst etwas gegen ihre Erkrankung tun zu können. Sport bietet die Möglichkeit, aktiv zu sein und auch mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Zudem wird vermutet, dass Sport den Stoffwechsel im Gehirn und damit auch die Depression positiv beeinflusst.

Studien zu Sport und Bewegung bei Depression

In vielen Studien wurde der Nutzen von Sport und Bewegung bei Depression geprüft. Sie verglichen die Wirkung von Sport- und Bewegungsprogrammen mit anderen Maßnahmen gegen Depressionen. Viele der Studien untersuchten Joggen und Walken, andere Radfahren, Gymnastik und Krafttraining. Die meisten Sportprogramme liefen über 1 bis 16 Wochen.

Beschwerden verringerten sich etwas

Die zentrale Frage der Untersuchung war: Verringern sich depressive Beschwerden bei Menschen, die an Sport- und Bewegungsprogrammen teilnehmen? Die Ergebnisse der Studien zeigten: Sport und Bewegung haben eine Wirkung, auch wenn sie eher gering ist. Das heißt: Menschen, die an Bewegungsprogrammen teilnahmen, hatten im Durchschnitt etwas weniger Beschwerden als die Personen, die nicht teilnahmen und auch keine andere Behandlung erhielten. Zu einer deutlichen Abnahme der Beschwerden kam es durch die Programme aber nicht. Viele Teilnehmende beendeten die Programme zudem vorzeitig. Dies könnte ein Zeichen dafür sein, dass das angebotene Training – meist Joggen oder Walken – nicht für jeden geeignet war.

Es gab kaum Studien, in denen verschiedene Bewegungsprogramme miteinander verglichen wurden. Deshalb lässt sich nicht sagen, ob die Art, Intensität und Häufigkeit der körperlichen Aktivität einen Unterschied macht.

Sport und Bewegung können bei mittelschweren oder schweren Depressionen eine  Psychotherapie oder Antidepressiva meist nicht ersetzen. Sie können aber eine sinnvolle Ergänzung sein. Bei leichten Depressionen sind sie eine gute Alternative für Menschen, die nicht sofort eine Behandlung beginnen möchten.

Einige Fragen bleiben offen

Die Zusammenfassung der Studien gibt auf viele Fragen keine Antwort: Wirkt Sport bei leichten, mittleren und schweren Depressionen gleich – oder gibt es Unterschiede? Sind Sport und Bewegung in Gruppen oder als Einzelaktivität besser? Wie lange hält der Effekt an? Könnte es manchmal auch unangebracht sein, jemanden zu mehr Bewegung zu ermuntern? Schließlich ist es Menschen mit einer schweren Depression kaum möglich, sportlich aktiv zu sein. Bei einer leichten Depression gelingt dies eher.