Hashimoto-Thyreoiditis

Auf einen Blick

  • Bei einer Hashimoto-Thyreoiditis entzündet sich die Schilddrüse.
  • Die Ursache ist eine Fehlreaktion des Immunsystems.
  • Dadurch entwickelt sich mit der Zeit oft eine Schilddrüsenunterfunktion.
  • Die Schilddrüse bildet dann nicht mehr genug Hormone.
  • Die Hormone müssen dann als Tabletten eingenommen werden.

Einleitung

Foto von Frau bei der Medikamenten-Einnahme
PantherMedia / fizkes

Die Schilddrüse bildet unter anderem die T3 und T4, die sehr viele Vorgänge im Körper steuern. Bei der sogenannten Hashimoto-Thyreoiditis ist die Schilddrüse chronisch entzündet. Die Ursache ist eine . Sie führt oft dazu, dass die Drüse nicht mehr ausreichend produziert. Zu Beginn der Erkrankung ist durch die vorübergehend eine Schilddrüsenüberfunktion möglich. Im Verlauf kommt es aber zu einer Schilddrüsenunterfunktion, die verschiedenste Beschwerden hervorrufen kann, zum Beispiel Müdigkeit oder Hautveränderungen.

Die Unterfunktion lässt sich durch Tabletten mit Schilddrüsenhormonen ausgleichen, die täglich eingenommen werden. Dadurch verschwinden die Beschwerden in der Regel.

Symptome

Wenn die Schilddrüse zu wenig Hormone produziert, sind viele Körperfunktionen beeinträchtigt – deshalb können ganz unterschiedliche Beschwerden auftreten.

Viele Betroffene fühlen sich allgemein geschwächt, häufig müde und frieren leicht. Der Körper kann sich sichtbar verändern – zum Beispiel kann der Hals dicker werden, weil die Schilddrüse durch die manchmal größer wird (Struma). Im Verlauf kann die Schilddrüse auch stark schrumpfen. Außerdem kann die Haut trockener werden oder sich verdicken, sodass das Gesicht etwas aufgedunsen wirkt. Manche nehmen an Gewicht zu.

Außerdem können Heiserkeit, Verstopfung, langsamer Pulsschlag, Regelbeschwerden oder Erektionsstörungen auftreten. Auch psychische Probleme wie Stimmungstiefs und Antriebslosigkeit gehören zu möglichen Symptomen einer Schilddrüsenunterfunktion.

Grafik: Die Hashimoto-Thyreoiditis kann viele unterschiedliche Symptome hervorrufen

Die Hashimoto-Thyreoiditis kann viele unterschiedliche Symptome hervorrufen

Ursachen

Die der Schilddrüse wird bei der Hashimoto-Thyreoiditis durch eine ausgelöst: Dabei richtet sich das gegen den eigenen Körper – in diesem Fall greift es das Schilddrüsengewebe an. Dies führt zu einer chronischen der Drüse. Bei einem Teil der Betroffenen geht dadurch allmählich immer mehr Schilddrüsengewebe zugrunde und wird durch Bindegewebe ersetzt.

Wie es zu dieser „Fehleinschätzung“ des Immunsystems kommt, ist unklar. Genetische Ursachen spielen eine Rolle. Fachleute gehen davon aus, dass eine sehr hohe Jodzufuhr – etwa im Rahmen einer Röntgenuntersuchung mit jodhaltigem Kontrastmittel – bei Menschen mit entsprechender Veranlagung die Beschwerden auslösen kann. Im täglichen Leben werden so hohe Jodkonzentrationen durch die Nahrung jedoch nicht erreicht.

Häufigkeit

Schätzungsweise 4 von 1000 Frauen und 1 von 1000 Männern erkranken an einer Hashimoto-Thyreoiditis. Sie ist hierzulande der häufigste Grund für eine Schilddrüsenunterfunktion. Die meisten Betroffenen erkranken zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr. Eine Hashimoto-Thyreoiditis kann aber auch bei Kindern oder in höherem Alter auftreten.

Verlauf

Bei einer Hashimoto-Thyreoiditis bleibt die Menge an Schilddrüsenhormonen im Blut zunächst oft normal, obwohl Schilddrüsenzellen absterben. Das restliche Gewebe der Schilddrüse kann nämlich die Hormonproduktion steigern. Um den Hormonspiegel im Normalbereich halten zu können, wächst das noch funktionierende Gewebe. Die Schilddrüse wird deshalb bei einer Hashimoto-Thyreoiditis anfangs häufig größer (Struma).

Über längere Zeit kann aber so viel Drüsengewebe zugrunde gehen, dass nicht mehr genug Schilddrüsenhormone gebildet werden. Dann treten typische Beschwerden einer Schilddrüsenunterfunktion auf.

Selten kommt es zu Beginn der Erkrankung kurzzeitig zu einer Schilddrüsenüberfunktion mit Beschwerden wie Herzrasen, Nervosität und vermehrtem Schwitzen. Der Grund: In der Schilddrüse ist eine gewisse Menge von Hormonen gespeichert. Stirbt Schilddrüsengewebe ab, werden die darin enthaltenen auf einmal freigesetzt.

Diagnose

Bei Anzeichen einer Schilddrüsenunterfunktion fragt die Ärztin oder der Arzt zunächst nach den Beschwerden und tastet die Schilddrüse ab. Gegebenenfalls wird sie außerdem per Ultraschall untersucht.

Ob es sich um eine Hashimoto-Thyreoiditis handelt, zeigen letztlich Bluttests: Dabei werden zum einen die sogenannten „Schilddrüsenwerte“ gemessen. Dazu gehören die Schilddrüsenhormone selbst und das Thyreoidea-stimulierende Hormon (). Das wird in der Hirnanhangsdrüse gebildet und steuert die Funktion der Schilddrüse. Zum anderen wird überprüft, ob sich im Blut typische gegen Schilddrüsengewebe befinden. Sie entstehen aufgrund der Fehlregulation des Immunsystems.

Eine Hashimoto-Thyreoiditis kann gemeinsam mit anderen Autoimmunerkrankungen auftreten. Um diese zu erkennen, sind bei entsprechendem Verdacht manchmal weitere Untersuchungen notwendig – etwa Tests auf eine Glutenunverträglichkeit () oder Diabetes mellitus. Bei Typ-1-Diabetes mellitus werden Zellen der vom eigenen angegriffen.

Folgen

Wenn eine Hashimoto-Thyreoiditis zu einer Schilddrüsenunterfunktion führt, ist eine Behandlung wichtig. Sonst können langfristig Komplikationen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen auftreten. Sehr selten kommt es zu Krampfanfällen, Konzentrations-, Gedächtnis- oder Bewusstseinsstörungen bis hin zu Koma.

Es kommt zwar insgesamt selten dazu, dennoch gilt bei einer Hashimoto-Thyreoiditis das Risiko für die Entstehung bösartiger Tumoren im Bereich der Schilddrüse als erhöht.

Behandlung

Die Ursachen der Hashimoto-Thyreoiditis lassen sich nicht beheben. Führt die zu einer Schilddrüsenunterfunktion, kann das fehlende Schilddrüsenhormon T4 (auch Thyroxin genannt) aber gut durch ein Medikament ersetzt werden. Der Wirkstoff wird als Levothyroxin oder L-Thyroxin bezeichnet. Das Medikament normalisiert die Hormonwerte. Dadurch verschwinden die Beschwerden in der Regel vollständig. Es dauert aber etwa 2 bis 3 Monate, bis sich der Hormonspiegel im Körper einpendelt.

L-Thyroxin wird bei der Hashimoto-Thyreoiditis einmal am Tag eingenommen – in der Regel lebenslang. Oft wird empfohlen, die Tablette morgens eine halbe Stunde vor dem Frühstück mit einem Glas Wasser einzunehmen. Der Körper soll den Wirkstoff nüchtern besser aufnehmen können. Es ist aber auch möglich, die Tablette abends vor dem Schlafengehen etwa zwei Stunden nach der letzten Mahlzeit einzunehmen.

Nebenwirkungen treten bei richtiger Dosierung praktisch nicht auf. Die Dosis richtet sich unter anderem nach den genauen Schilddrüsenwerten und dem Körpergewicht. Eine zu hohe Dosis kann zu Nervosität führen. Deshalb werden die Schilddrüsenwerte in den ersten Wochen regelmäßig überprüft und die Dosierung, wenn nötig, angepasst. Später reicht es meist aus, die Werte einmal im Jahr zu kontrollieren.

Bei einer Hashimoto-Thyreoiditis empfehlen Fachleute nach individueller Abwägung auch dann eine Behandlung, wenn nur eine sogenannte latente Schilddrüsenunterfunktion vorliegt. Dabei schafft es die Schilddrüse noch, genügend zu bilden – allerdings nur, weil die Hirnanhangsdrüse sie stärker dazu anregt. Eine Behandlung der latenten Unterfunktion soll verhindern, dass sich daraus eine Schilddrüsenunterfunktion mit Beschwerden entwickelt.

Weitere Informationen

Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

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Erstellt am 02. Juni 2021
Nächste geplante Aktualisierung: 2024

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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