Durch die Tropfen konnte mein Augendruck gesenkt werden

Foto eines Mannes beim Walking (Marcel Mooij / iStockphoto / Thinkstock) Peter, 64 Jahre

„Aktiv zu bleiben, hat mir geholfen, die Angst vor einer Erblindung und einem Fortschreiten der Erkrankung ein wenig zu lindern.“

Erste Veränderungen an meinen Augen habe ich bei schwerer Gartenarbeit festgestellt: Dann bekam ich das sogenannte Nebelsehen. Auch sonst ging es mir allgemein nicht gut. Daraufhin bin ich zum Arzt gegangen. Der erste Augenarzt, bei dem ich in Behandlung war, hat das Glaukom nicht erkannt. Festgestellt wurde es schließlich 1988 durch einen anderen Arzt.

Durch die regelmäßige Anwendung von Augentropfen konnte der Augeninnendruck gesenkt werden und das Nebelsehen hörte auf. Die Augentropfen nehme ich ständig. Am Anfang war das eine Problem: Vor 20 Jahren gab es noch nicht so viele Tropfen und die wenigen, die es damals gab, waren oft schwer verträglich. Das hat sich glücklicherweise im Laufe der etwa letzten 10 Jahre geändert. Ich komme momentan mit meinen Tropfen gut klar. Durch die Tropfen konnte mein Augendruck gesenkt werden, so dass bisher keine Operation notwendig war.

Die Tropfen nehme ich mehrmals täglich. Die Anwendung habe ich mit der Zeit in meinen Tagesablauf eingebaut. Wichtig ist die regelmäßige Anwendung und dass man sie nicht vergisst. Aber wenn die Tropfen einen festen Platz im Tagesablauf haben, dann geht es auch und ich denke fast immer daran. Wichtig ist, dass man sie auch unterwegs oder im Urlaub dabei hat. Da ist es gut, sich vorher ein Rezept für alle Fälle ausstellen zu lassen und mitzunehmen.

Die Diagnose hat mich sehr bedrückt und mir Angst gemacht, da ja die Gefahr einer Erblindung besteht. Bei mir wurde der Grüne Star erst sehr spät festgestellt. Das Gesichtsfeld war bei der Diagnose schon stark eingeengt. Im Laufe der Jahre hat sich das Gesichtsfeld zwar weiter verengt, aber ich glaube durch die Behandlung verlief das nicht mehr so schnell. Mein Sehen war sozusagen die letzten Jahre recht stabil. Dass es in der letzten Zeit doch schlechter geworden ist, liegt nicht am Glaukom, sondern daran, dass ich zusätzlich einen Grauen Star bekommen habe.

Schwerpunkte haben sich verschoben

Meine Familie hat mit weniger Verständnis auf die Diagnose reagiert als ich gehofft hatte. Das liegt vielleicht daran, dass man bei einer Augenerkrankung nichts von außen sehen und nachvollziehen kann, wie zum Beispiel bei einem gebrochenen Bein. Nach meinem Gefühl liegen Welten zwischen demjenigen, der eine Augenerkrankung hat und demjenigen, der das nur theoretisch kennt.

Nach der Diagnose haben sich die Schwerpunkte in meinem Leben verschoben. Vorher war das Berufsleben sehr wichtig für mich und ich habe sehr viel gearbeitet. Durch die Diagnose habe ich anders über mich und die Gestaltung meines Lebens nachgedacht.

Früher habe ich in der Freizeit Tennis gespielt und bin gejoggt. Das war dann mit meiner Erkrankung nicht mehr so günstig. Ich habe stattdessen mit anderen Bewegungsarten begonnen. So habe ich mit Nordic Walking und Krafttraining in sanfterer Form angefangen. Aktiv und in Bewegung zu bleiben war für mich ganz wichtig! Ich habe später auch angefangen, viel zur Entspannung zu tun: Yoga, Meditation, Atemtherapie und so weiter. Das tut mir gut.

Möglichst gelassen bleiben

Ein wichtiges Thema für Menschen mit einem Glaukom ist das Autofahren. Das geht bei mir noch ganz gut. Aber ich nutze auch gerne öffentliche Verkehrsmittel und weitere Strecken fahre ich sowieso mit dem Zug.

Menschen, die die Diagnose Glaukom bekommen, würde ich mit auf den Weg geben, möglichst gelassen zu bleiben. Die heutige Medizin bietet Einiges. Wenn ein Glaukom frühzeitig erkannt wird, gibt es oft gute Möglichkeiten, das Gesichtsfeld stabil zu halten und eine Erblindung zu vermeiden. Für mich war es neben der Behandlung auch wichtig, dass ich geschaut habe, was ich mir sonst noch Gutes tun kann, beispielsweise bei der Freizeitgestaltung, Entspannung und Ernährung. Aktiv zu bleiben, hat mir geholfen, die Angst vor einer Erblindung und einem Fortschreiten der Erkrankung ein wenig zu lindern.

 

Danksagung

Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.