Einleitung

Foto von Ärztin und Patientin (PantherMedia / nyul) Jeder Mensch ist manchmal ängstlich oder hat wirkliche Angst. Wenn Gefahr droht, etwa im Straßenverkehr, hat Angst eine wichtige Schutzfunktion: Sie versetzt den Körper in Alarmbereitschaft, damit er schnell reagieren kann. Aber auch Sorgen und Ängste um die Zukunft, die Arbeit oder die Familie können schützen: Zum Beispiel davor, unvorsichtig zu handeln und in eine schwierige Lage zu geraten. Wenn solche Ängste jedoch überhandnehmen, können sie zu einer Belastung werden. Manche Menschen kommen irgendwann im Leben an einen Punkt, an dem sie sich ständig und über alles Mögliche Sorgen machen. Wenn Ängste alles überschatten und gar nicht mehr verschwinden, hat sich möglicherweise eine „generalisierte Angststörung“ (GAS) entwickelt. Wer diese Angststörung hat, weiß meistens, dass seine Ängste ein normales Maß überschreiten, kann sie aber nicht kontrollieren. Es ist schwer, aus diesem Zustand herauszukommen. Verschiedene Behandlungen können aber dabei helfen.

Symptome

Eine generalisierte Angststörung kann sich sowohl psychisch als auch körperlich äußern. Zu den psychischen Beschwerden gehören andauernde, wirklichkeitsferne und übertriebene Befürchtungen. Die Ängste betreffen verschiedene Bereiche des Lebens. Sie sind keine Reaktion auf eine Bedrohung und auch nicht auf bestimmte Dinge oder Situationen beschränkt. Weil sich die Angst auf alles Mögliche beziehen kann, sprechen Fachleute von „generalisierter“ Angst.

Menschen mit einer generalisierten Angststörung können sich zum Beispiel in einem Moment ängstigen, dass ihr Partner auf dem Weg zur Arbeit einen Unfall haben könnte. Im nächsten Augenblick fürchten sie, dass ihr Kind auf dem Weg zur Schule überfahren wird; dann, dass sie ihren Schlüssel verlieren könnten und schließlich, dass sie am nächsten Tag einen Herzinfarkt bekommen. Sie machen sich praktisch über alles Sorgen – über große wie kleine und sogar über völlig belanglose Dinge. Viele fürchten auch die Angst selbst.

Natürlich können Ängste auch berechtigt sein. Die meisten Eltern sorgen sich, wenn ihr Kind nicht pünktlich von der Schule zurückkehrt. Bei einer generalisierten Angststörung ist das Ausmaß der Angst aber völlig übertrieben, die ständigen Befürchtungen schränken ein normales Alltagsleben deutlich ein oder machen es unmöglich.

Als Reaktion auf Angst setzt die Nebenniere das Hormon Adrenalin frei. Es beschleunigt viele Körperfunktionen – normalerweise, um die Wachsamkeit und Reaktionsbereitschaft kurzfristig zu erhöhen: Das Herz schlägt schneller, die Atemzüge werden kurz und flach. Bei Menschen mit einer generalisierten Angststörung kann dieser körperliche Alarmzustand anhalten. Mögliche Symptome sind Benommenheit, Nervosität, Muskelverspannungen, Herzklopfen und Magenbeschwerden. Sich ständig zu ängstigen, ist erschöpfend und kann zu Konzentrations- und Schlafstörungen führen.

Wenn Ängste nur in bestimmten Situationen auftreten, handelt es sich wahrscheinlich nicht um eine generalisierte Angststörung. Auch plötzlich einsetzende Ängste oder Panikattacken sind kein Merkmal einer generalisierten Angststörung, sie können aber manchmal hinzukommen.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen einer generalisierten Angststörung sind noch nicht ganz geklärt. Vermutlich spielen sowohl biologische als auch psychische Faktoren eine Rolle. Manche Menschen mit einer Angststörung haben in ihrer Kindheit oder im späteren Leben ein schweres Trauma durchlebt, Verluste erlitten oder viele strapaziöse Erfahrungen gemacht, zum Beispiel starken familiären Stress oder andauernde extreme Arbeitsbelastung.

Manchmal kann eine Lebenskrise Ängste hervorrufen, die sich zu einer generalisierten Angststörung entwickeln. Es gibt auch Hinweise darauf, dass die verstärkte Neigung zu Ängsten in einer Familie verbreitet sein kann. Manchmal ist eine Angststörung Folge einer anderen Erkrankung – etwa einer Depression oder Panikstörung, oder sie hängt mit einer Suchterkrankung zusammen. Sie kann aber auch ohne erkennbare Gründe auftreten.

Häufigkeit

Die generalisierte Angststörung ist eine verbreitete Angsterkrankung. Nach Schätzungen erhalten bis zu 5 % aller Menschen im Laufe des Lebens diese Diagnose. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Meist beginnt eine Angststörung im Alter von 30 bis 35 Jahren, sie kann sich aber auch früher oder später entwickeln. Auch Kinder können eine generalisierte Angststörung haben. Bei Menschen über 65 ist sie seltener.

Verlauf

Für gewöhnlich entwickelt sich eine generalisierte Angststörung langsam und bleibt zunächst oft unauffällig. Eine ausgeprägte Angststörung kann sehr hartnäckig sein. Es dauert häufig viele Monate oder Jahre, bis sie überwunden ist. Oft erleben Betroffene in dieser Zeit bessere und schlechtere Phasen.

In einer Studie hatte nach zwei Jahren etwa jeder vierte Betroffene die Angststörung überwunden. Langfristig schaffen es jedoch viele Menschen, ihre Ängste zu überwinden. Mit dem Alter geht sie oft zurück, da ältere Menschen im Umgang mit Stress und Ängsten erfahrener sind. Viele betrachten die Dinge dann auch nüchterner.

Diagnose

Es gibt verschiedene Arten von Angststörungen mit unterschiedlichen Symptomen. Dazu gehören Phobien, Panikstörungen und Zwangsstörungen. Zudem haben viele Menschen mit einer Angststörung auch Symptome einer Depression. Eine genaue Diagnose zu stellen, kann schwierig sein und ist nur im ausführlichen Gespräch mit Psychologen oder Psychiatern möglich.

Wenn man weiß, welche Beschwerden und Probleme im Vordergrund stehen, ist es jedoch möglich, gezielter eine geeignete Behandlung zu wählen.

Die Diagnose „generalisierte Angststörung“ wird gestellt, wenn die übermäßigen Ängste

  • an den meisten Tagen bestehen und für mindestens sechs Monate andauern,
  • unkontrollierbar werden,
  • so belastend sind, dass sie den Alltag beeinträchtigen und
  • mindestens drei körperliche Symptome ständiger Angst bestehen.

Die oben beschriebenen körperlichen Symptome wie beschleunigter Puls, Zittern, Muskelverspannungen oder Magenbeschwerden können ebenfalls Hinweise geben. Sie können aber auch von Erkrankungen wie zum Beispiel einer Schilddrüsenüberfunktion hervorgerufen werden. Zudem können bestimmte Arzneien und Drogen wie Amphetamine („Speed“) solche Symptome auslösen. Ärztinnen und Ärzte fragen daher auch nach anderen möglichen Erklärungen für die Beschwerden.

Es kann einige Zeit dauern, bis eine generalisierte Angststörung eindeutig festgestellt wird – vor allem, wenn Menschen zunächst wegen körperlicher Beschwerden ärztlichen Rat suchen. Manchmal wird dann nur ein Symptom der Störung behandelt, wie zum Beispiel Schlafstörungen.

Behandlung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Angststörung mit der Zeit besser in den Griff zu bekommen. Eine schnelle oder einfache „Heilung“ kann man aber nicht erwarten. Man kann aber lernen, mit dem Stress und der Angst besser umzugehen. Die Symptome lassen sich auch durch Medikamente lindern. Es gibt mehrere Gruppen von Behandlungsverfahren:

  • Psychologische und psychotherapeutische Behandlungen: Hierzu gehören Verfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie. Mit ihrer Hilfe kann man lernen, seine Gedanken und Ängste zu steuern und zu verändern.
  • Entspannungstechniken wie das autogene Training und die progressive Muskelentspannung können helfen, sich zu entspannen und mit Stress besser umzugehen. Sie werden oft auch im Rahmen psychotherapeutischer Behandlungen eingesetzt.
  • Medikamente: Bei einer Angststörung kommen vor allem bestimmte Antidepressiva und angstlösende Mittel infrage. Manche Menschen wenden auch pflanzliche Beruhigungsmittel wie Baldrian an.
  • Maßnahmen zur Selbsthilfe: In Selbsthilfegruppen besteht die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Betroffenen. Manchen Menschen hilft es auch, sich gut über die Erkrankung zu informieren – ob mit Büchern, Broschüren oder im Internet.

Es ist schwer, extreme Ängste in den Griff zu bekommen, aber viele Menschen schaffen es mit der Zeit. Mithilfe einer Therapeutin oder eines Therapeuten lassen sich die Grundmuster der Ängste und Sorgen erkennen. Mit ihrer Anleitung kann man lernen, schädliche Gedanken und Verhaltensweisen soweit in den Griff zu bekommen, dass sie das Leben nicht mehr beherrschen. In ein weniger angstbestimmtes Leben zurückzufinden, kann viel Geduld erfordern. Eine spürbare Besserung ist dennoch schon nach einigen Wochen möglich.

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