Gehirnerschütterung

Auf einen Blick

  • Zu einer Gehirnerschütterung kommt es meist durch einen Schlag oder Aufprall im Kopfbereich.
  • Typische Symptome sind Kopfschmerzen, Benommenheit, Gedächtnisstörungen, Übelkeit und Erbrechen.
  • In der Regel treten sie kurz nach der Kopfverletzung auf.
  • Meist verschwinden die Beschwerden nach 1 bis 2 Tagen Ruhe wieder vollständig.
  • Danach ist es wichtig, Alltags- und Freizeitaktivitäten langsam und schrittweise wieder aufzunehmen.

Einleitung

Foto von Patientin und Ärztin bei einer Untersuchung

Zu einer Gehirnerschütterung kann es zum Beispiel kommen, wenn man stürzt oder einen Unfall im Sport oder Straßenverkehr hat: Durch den Stoß bewegt sich der Kopf ruckartig oder schlägt zum Beispiel auf dem Boden auf. Das kann dazu führen, dass das Gehirn vorübergehend nicht mehr richtig funktioniert. Der umgangssprachliche Begriff dafür ist „Gehirnerschütterung“. Fachleute bezeichnen sie als leichtes Schädel-Hirn-Trauma.

Wer eine Gehirnerschütterung hat, fühlt sich meist benommen und hat Kopfschmerzen. Häufig kommt es auch zu Schwindel und Übelkeit. Manchmal fehlt die Erinnerung an das, was kurz vor oder nach dem Unfall passiert ist. Es ist wichtig, sich bei einer Kopfverletzung (not-)ärztlich untersuchen zu lassen. Bei einer Gehirnerschütterung wird man oft sicherheitshalber für 24 Stunden zur Beobachtung in ein Krankenhaus aufgenommen.

Nach einer kurzen körperlichen und geistigen Ruhephase verschwinden die Beschwerden meist nach einigen Tagen oder Wochen. Langfristige Folgen sind selten.

Symptome

Typische Beschwerden einer Gehirnerschütterung betreffen

  • den Körper: Dazu zählen Kopfschmerzen, Schwindel, Gleichgewichtsprobleme, Sehstörungen, Übelkeit und Erbrechen.
  • die Wahrnehmung und das Denken: Oft kommt es zu Benommenheit, Verwirrtheit, verlangsamtem Handeln und Denken; direkt nach der Kopfverletzung auch zu Problemen mit Konzentration und Orientierung.
  • das Gedächtnis: Manchmal führt die Erschütterung zu Gedächtnisstörungen (Amnesie) wie Erinnerungslücken, die meist weniger als 24 Stunden anhalten. Dann kann man sich nicht erinnern, was kurz vor, während oder kurz nach dem Unfall passiert ist.
  • das Befinden: Auch Gereiztheit und Ängstlichkeit sowie Probleme beim Ein- oder Durchschlafen können Folgen sein.

Es kann auch sein, dass man nur einige dieser Beschwerden hat – oder dass manche direkt nach dem Unfall auftreten und andere erst wenige Tage später. Wie stark die Beschwerden sind, hängt vor allem davon ab, wie sehr das Gehirn verletzt wurde.

Wichtig ist:

Schnelle ärztliche Hilfe ist notwendig, wenn ein Mensch nach einem Sturz oder Unfall bewusstlos ist, wenn auch nur kurz. Dann den Notruf 112 wählen! Es muss abgeklärt werden, ob es sich um eine schwere Verletzung wie eine Hirnblutung handelt.

Auch bei folgenden Anzeichen ist es wichtig, den Notruf 112 zu wählen:

  • Gedächtnisstörungen
  • anhaltende Kopfschmerzen, die stärker werden
  • wiederholtes Erbrechen
  • starke Müdigkeit oder Benommenheit
  • unklares Sprechen oder Sehen
  • ungewöhnliches Verhalten
  • Orientierungslosigkeit, Unruhe
  • unterschiedlich große Pupillen
  • Krampfanfälle
  • Blutungen oder Flüssigkeitsaustritt aus dem Ohr oder der Nase
  • stark blutende Wunden am Kopf
  • bei Kindern auch, wenn sie nicht aufhören zu weinen und nicht zu beruhigen sind oder,
    wenn sie nichts mehr essen und trinken wollen

Ursachen und Risikofaktoren

Das Gehirn ist im Schädel von einer Flüssigkeit umgeben, dem sogenannten Gehirnwasser (). Normalerweise schützt es das Gehirn vor Verletzungen, indem es Bewegungen abfedert.

Gehirnerschütterungen sind häufig die Folge von Stürzen, Sportverletzungen, Verkehrs-, Arbeits- oder Haushaltsunfällen – oder manchmal auch von körperlicher Gewalt. Schlägt man beispielsweise mit dem Kopf auf den Boden, kann die ruckartige Bewegung das Gehirn „durchschütteln“. Wenn es gegen die harte Schädelwand stößt, kann es verletzt werden.

Das Gehirn ist nach einer Gehirnerschütterung zunächst weniger leistungsfähig. Das kann das Denken, Wahrnehmen und Fühlen beeinflussen.

Die linke Grafik zeigt die Krafteinwirkung bei einem Aufprall mit dem Kopf, die rechte Grafik ein Gehirn mit verletztem Hirngewebe.

Aufprallverletzungen kommen bei Kontaktsportarten wie Fußball oder Eishockey oft vor. Deshalb haben Sportlerinnen und Sportler ein erhöhtes Risiko für Gehirnerschütterungen. Bei ihnen werden Kopfverletzungen zudem oft unterschätzt oder die Beschwerden nicht richtig erkannt. Ein höheres Risiko für Gehirnerschütterungen haben auch Kinder und ältere Menschen, weil sie häufiger stürzen.

Häufigkeit

Mehr als 200.000 Menschen werden pro Jahr in Deutschland mit einer Gehirnerschütterung stationär behandelt. Genaue Angaben zur Häufigkeit von Gehirnerschütterungen gibt es nicht, denn längst nicht alle Betroffenen nehmen ärztliche Hilfe in Anspruch.

Verlauf

Nach der Verletzung des Kopfes kommt es meist rasch zu Beschwerden wie Kopfschmerzen und Schwindel. Weitere Symptome können auch erst Stunden oder Tage später auftreten, zum Beispiel Schlafstörungen. Welche Symptome auftreten und wann, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Meist gehen die Beschwerden schrittweise über wenige Tage oder Wochen zurück. Nach 1 bis 3 Monaten sind etwa 85 % der Menschen mit einem leichten Schädel-Hirn-Trauma wieder symptomfrei.

Gelegentlich halten Beschwerden auch länger an. Dann ist ein Besuch bei der Hausärztin oder dem Hausarzt sinnvoll.

Eine Gehirnerschütterung hinterlässt normalerweise keine bleibenden Schäden. Ob mehrfache Gehirnerschütterungen bei Sportlerinnen und Sportlern zu langfristigen Komplikationen wie einer Demenz führen können, ist unklar. Daher wird empfohlen, wiederholte Gehirnerschütterungen möglichst zu vermeiden.

Diagnose

Bei jedem Verdacht auf eine Gehirnerschütterung ist es wichtig, sich ärztlich untersuchen zu lassen. Die Ärztin oder der Arzt fragt zunächst:

  • was genau passiert ist
  • welche Beschwerden nach dem Unfall aufgetreten sind und wie sie sich entwickelt haben
  • ob es in letzter Zeit schon einmal zu einer Gehirnerschütterung gekommen ist
  • welche Medikamente eingenommen werden

War man bewusstlos oder erinnert sich nicht an das Geschehene, kann vielleicht eine Augenzeugin oder ein Augenzeuge wichtige Informationen liefern.

Anschließend untersucht die Ärztin oder der Arzt den allgemeinen körperlichen und geistigen Zustand, beispielsweise:

  • Gleichgewicht und Gangsicherheit
  • Pupillenfunktion
  • Reflexe von Armen und Beinen
  • Orientierung und Koordination
  • Sprache

Mit bildgebenden Verfahren wie einer lässt sich eine Gehirnerschütterung nicht feststellen. Deshalb kommt sie nur zum Einsatz, wenn eine schwere Hirnverletzung wie eine Hirnblutung ausgeschlossen werden soll – zum Beispiel, wenn die Beschwerden besonders stark sind oder ein höheres Risiko für Komplikationen besteht.

Vorbeugung

Es gibt einige Schutzmaßnahmen, die das Risiko für Kopfverletzungen in Freizeit und Sport senken können, beispielsweise:

  • einen Helm zu tragen, etwa beim Fahrradfahren, Skifahren, Inlineskaten oder Reiten
  • sich an die Verkehrsregeln zu halten, um Unfälle zu vermeiden
  • sich im Auto anzuschnallen

Im Alter ist es wichtig, Stürzen vorzubeugen – zum Beispiel durch das Beseitigen von Stolperfallen wie Teppichen oder Kabeln in der häuslichen Umgebung. Außerdem können Bewegungs- und Koordinationsübungen helfen, die Muskulatur zu stärken und den Gleichgewichtssinn zu verbessern.

Vor allem Sportlerinnen und Sportler sollten über die Gefahren durch Gehirnerschütterungen informiert sein. Denn Sportunfälle mit Kopfverletzungen werden häufig unterschätzt, für normal gehalten oder die Beschwerden werden nicht richtig erkannt. Manche Betroffene spielen die Beschwerden herunter, wollen weiterspielen oder ihr Team nicht im Stich lassen. Bei einem Verdacht auf eine Gehirnerschütterung ist es aber wichtig, das Training oder Spiel zu beenden und sich rasch ärztlich untersuchen zu lassen.

Behandlung

Das Gehirn braucht Zeit zur Erholung, damit es wieder so leistungsfähig wird wie vorher. Die Behandlung besteht deshalb erst einmal aus viel Ruhe, besonders in den ersten zwei Tagen – mit ausreichend Schlaf, wenig körperlicher und geistiger Anstrengung sowie kaum äußeren Reizen. Das bedeutet zum Beispiel, nicht lange aufs Smartphone zu sehen, keine Serien oder Filme zu schauen und auf laute Veranstaltungen zu verzichten.

Selten kann es nach einer Gehirnerschütterung zu Komplikationen wie einer Hirnblutung kommen. Deshalb wird man während der ersten 24 Stunden nach dem Unfall oft vorsichtshalber im Krankenhaus beobachtet. Anschließend wird empfohlen, zu Hause nicht allein zu bleiben. Lassen die Beschwerden nicht nach oder verschlechtern sich sogar, ist es ratsam, sich wieder ins Krankenhaus fahren zu lassen.

Nach der 1- bis 2-tägigen Erholungsphase kann man nach und nach alltägliche Aktivitäten wie Hausarbeit und andere Bewegung wieder aufnehmen und steigern. Auch zur Arbeit oder Schule zu gehen, ist dann wieder möglich. Auf den Körper zu hören, ist dabei wichtig: Kehren die Beschwerden zurück, braucht er wieder Ruhepausen. Akute Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Übelkeit lassen sich durch Medikamente lindern.

Halten die Symptome länger an, kann das den Alltag einschränken und belasten. Möglicherweise helfen manchen Betroffenen spezielle Rehabilitationsprogramme, Ausdauertraining oder psychotherapeutische Verfahren wie eine . Außerdem gibt es einige Tipps, um im Alltag mit den Beschwerden umzugehen. Dazu gehören Entspannungstechniken und das Vermeiden von Auslösern wie zum Beispiel lauter Musik, die die Beschwerden verstärken.

Weitere Informationen

Die hausärztliche Praxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem Rat braucht. Informationen zur Gesundheitsversorgung in Deutschland helfen dabei, sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden und eine passende Praxis zu finden. Mit einer Frageliste kann man sich auf das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt vorbereiten.

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Aktualisiert am 02. September 2026

Nächste geplante Aktualisierung: 2029

Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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