Druckgeschwüren vorbeugen

Foto von junger Frau im Rollstuhl im Gespräch mit einem Freund (franz pfluegl / iStock / Thinkstock) Die Liege- oder Sitzposition regelmäßig zu verändern, schützt am besten vor Druckgeschwüren. Spezielle Matratzen und andere Hilfsmittel können helfen, gefährdete Hautstellen zu entlasten.

Ein Druckgeschwür (Dekubitus) entsteht vor allem durch langes unbewegliches Liegen oder Sitzen in derselben Position. Die meisten Menschen bewegen sich ständig bewusst oder unbewusst, auch bei langem Sitzen oder im Schlaf. Bei sehr schwachen, kranken, gelähmten oder bewusstlosen Menschen werden diese Körperbewegungen jedoch seltener oder hören ganz auf. Deshalb lastet auf den Körperstellen, auf denen sie liegen oder sitzen, ständig ein erhöhter Druck. Wie lange es dauert, bis ein Druckgeschwür entsteht, ist individuell sehr verschieden.

Welche Maßnahmen sind am wichtigsten?

Druckgeschwüre heilen meist nur sehr langsam und können wiederkehren. Deshalb ist es umso wichtiger, darauf zu achten, dass sie gar nicht erst entstehen. Menschen, die im Rollstuhl sitzen oder lange Zeit im Bett liegen müssen, berichten oft, dass sie spüren, wie eine Körperstelle wund wird. Es ist wichtig, solche Empfindungen zu beachten, die Haut rasch von Druck zu entlasten und regelmäßig die Liege- oder Sitzposition zu wechseln.

Zu beobachten, auf welchen Körperstellen und in welcher Position der stärkste Druck lastet, hilft auch einzuschätzen, welche Entlastungen sinnvoll sind. Zum Beispiel entsteht beim Liegen weniger Druck auf das Gesäß als beim Sitzen in einem Stuhl. Wer einen Rollstuhl braucht, kann Möglichkeiten zur Druckentlastung erlernen und sich zur Gewohnheit machen.

Außerdem ist es wichtig zu versuchen, sich so gut es geht zu bewegen – selbst wenn man im Bett liegen oder im Rollstuhl sitzen muss. Wer mit etwas Unterstützung das Bett verlassen, sich hinsetzen oder einige Schritte gehen kann, tut dies am besten so oft wie möglich.

Wie oft sind Lagewechsel nötig?

Auch wenn oft empfohlen wird, die Position alle zwei Stunden zu wechseln: Wie oft man sie ändern sollte, lässt sich nicht pauschal sagen. Manche Menschen können etwas länger unbeweglich liegen, ohne dass ihre Haut wund wird; bei anderen sind sehr häufige Positionswechsel nötig. Studien konnten bislang nicht klären, in welchen Abständen ein Lagewechsel erfolgen muss, um optimal vorzubeugen.

Einen Menschen zu viel und damit unnötig neu zu lagern, kann auch Nachteile haben. Wer zum Beispiel nachts alle zwei Stunden umgelagert wird, wacht vielleicht jedes Mal auf und findet keinen erholsamen Schlaf mehr. Zudem kann das Umlagern für Menschen mit Wunden oder Gelenkerkrankungen schmerzhaft sein. Auch Pflegekräfte oder Angehörige kann häufiges Lagern körperlich belasten. Aus diesen Gründen ist es wichtig zu beobachten, wie oft Positionswechsel wirklich nötig sind. Dabei kann es sehr hilfreich sein, sich die Lagewechsel aufzuschreiben.

Welche Rolle spielen Ernährung und Hautpflege?

Manche Menschen, die sich kaum noch bewegen können, haben nur wenig Appetit und Durst. Um aber in guter körperlicher Verfassung zu bleiben, ist es wichtig, auf eine ausreichende Ernährung und Flüssigkeitszufuhr zu achten. Wer zu wenig oder sehr unausgewogen isst und kaum trinkt, kann die Haut noch weiter schwächen. Einige Menschen greifen zu Nahrungsergänzungsmitteln. Ob diese dabei helfen können, Druckgeschwüren vorzubeugen, ist allerdings kaum untersucht.

Wichtig ist, dass die Haut weder zu trocken wird, noch ständig Feuchtigkeit ausgesetzt ist – denn beides kann Hautschäden begünstigen. Ob eine regelmäßige Behandlung mit Cremes oder Lotionen Druckgeschwüren vorbeugt, ist bis jetzt nicht ausreichend geklärt.

Können druckentlastende Matratzen vorbeugen?

Druckentlastende Matratzen und Auflagen können das Risiko für Druckgeschwüre senken. Es gibt mittlerweile viele unterschiedliche Produkte, die in Krankenhäusern, Pflegeheimen und zu Hause verwendet werden können. Die meisten bieten eine besonders weiche Lagerung oder wechselnden Druck.

Zur Weichlagerung werden zum Beispiel Matratzen aus speziellem Schaumstoff angeboten. Sie verteilen den Druck auf eine größere Körperfläche und entlasten so einzelne, besonders gefährdete Stellen. Ein Nachteil sehr weicher Matratzen ist, dass sie eigene Bewegungen erschweren können: Wer in die Matratze einsinkt, kann sich schlechter abstützen, um sich anders hinzulegen. Dies kann vor allem für schwächere Menschen ein Problem sein, die ihre Position eigentlich noch selbstständig verändern könnten. Es ist daher sinnvoll, genau zu prüfen, welche Matratze benötigt wird.

Auch sogenannte Wechseldruckmatratzen werden oft eingesetzt und können helfen, einem Druckgeschwür vorzubeugen. Sie bestehen aus mehreren luftgefüllten Kammern, in die automatisch unterschiedlich viel Luft eingepumpt wird. In der Regel wechselt der Luftdruck mehrmals pro Stunde. Dadurch wird die Haut an verschiedenen Stellen abwechselnd entlastet. Wechseldruckmatratzen werden meist bei Menschen mit besonders hohem Risiko für Druckgeschwüre verwendet – etwa bei beatmeten Patienten auf Intensivstationen, die sich nicht selbst bewegen können.

Welche weiteren Hilfsmittel gibt es?

Auflagen aus Schaffell sind eine weitere Möglichkeit, die Haut zu schützen. Manche Menschen empfinden Schaffelle aber als unangenehm, da die Haut bei längerem Kontakt sehr warm werden kann.

Druckgeschwüre entstehen häufig an den Fersen. Deshalb werden die Fersen manchmal vorbeugend mit Kissen hochgelagert oder Fersenschoner aus Fell oder Schaumstoff verwendet. Ob dies tatsächlich vor Druckgeschwüren schützen kann, ist nicht nachgewiesen. Einige Menschen finden Fersenschoner auch unangenehm und lehnen es ab, sie zu tragen. Zudem bestehen Bedenken, dass sie das Risiko für Stürze erhöhen können, wenn man damit aufsteht und herumläuft.

Hilfsmittel wie Lagerungs- oder Sitzkissen sind ebenfalls noch nicht ausreichend untersucht.

Wie können Angehörige helfen?

Pflegende tun möglicherweise manches, was eine im Bett liegende Person eigentlich noch selbst tun könnte oder wofür sie nur wenig Unterstützung bräuchte – etwa, sich im Bett umzudrehen. Besser ist es, nur so viel zu helfen, wie nötig ist – dies fördert die Selbstständigkeit des betreuten Menschen und hilft, einem Druckgeschwür vorzubeugen.

Wer einen Angehörigen zu Hause pflegt oder im Krankenhaus oder Pflegeheim besucht, kann ihm oder ihr bei kleinen Bewegungen helfen, wie ein paar Schritte zum Tisch zu gehen und sich zur Mahlzeit auf einen Stuhl zu setzen.

Wenn jemand über lange Zeit im Bett liegen muss, wird meist gemeinsam mit den Pflegekräften eine Pflegeplanung erstellt. Darin kann festgelegt werden, wie oft am Tag die Position gewechselt wird. Es ist für alle Beteiligten wichtig, darauf achten, dass solche Maßnahmen regelmäßig umgesetzt werden. Zu ihnen gehört auch, Inkontinenz-Windeln oder -Einlagen regelmäßig zu wechseln.

Wenn eine gerötete oder wunde Stelle auffällt, sollte man die Pflegekräfte, die Ärztinnen oder Ärzte rasch darauf aufmerksam machen. Sie können die betroffene Stelle dann genauer untersuchen. Wichtig ist in jedem Fall, dafür zu sorgen, dass die betroffene Hautstelle von Druck entlastet wird.

Angehörige können in Pflegekursen verschiedene Bewegungs- und Lagerungstechniken erlernen. Die Kranken- oder Pflegekassen übernehmen für viele zu Hause benötigte Hilfsmittel die Kosten und verleihen zum Beispiel Pflegebetten. Zudem gibt es in vielen Städten Pflegeberatungsstellen, die auch bei Fragen rund um die Dekubitus-Vorbeugung Hilfe anbieten.

Schlagwörter: Alter und Pflege, Dekubitus, Druckgeschwür, Haut und Haare, L89, M70, Prävention