Diabetischer Fuß: Behandlung

Foto von einer Fußsohle
PantherMedia / aliced

An einem diabetischen Fuß kann sich eine chronische Wunde bilden. Durch eine rechtzeitige Behandlung kann sie aber wieder abheilen. Eine Amputation lässt sich so oft vermeiden.

Die Behandlung einer chronischen Wunde am Fuß erfordert Geduld, die aber oft lohnt: Die richtigen Maßnahmen können sehr wirksam sein. Dennoch kann es sein, dass Ärztinnen oder Ärzte bei größeren Wunden eine Amputation vorschlagen. In diesem Fall wird empfohlen, sich gut beraten zu lassen und eine zweite ärztliche Meinung einzuholen.

Wie wird ein diabetischer Fuß behandelt?

Am wichtigsten ist:

  • Wunden vollständig von Druck entlasten – dies ist entscheidend!
  • Die Durchblutung im Bein verbessern.
  • Wunden und Entzündungen behandeln.
  • Die Füße regelmäßig ärztlich untersuchen lassen, auch bei fehlenden Beschwerden.
  • Füße gut beobachten und richtig pflegen.

Ergänzend kommen infrage:

  • medizinische Fußpflege / podologische Komplexbehandlung (Abtragen der , Nagelpflege und -bearbeitung)
  • den Blutzucker besser einstellen
  • eine Schulung zum Umgang mit dem diabetischen Fuß
  • Haut- oder Gewebetransplantation
  • Amputation

Wie schnell eine Wunde durch die Behandlung abheilt, hängt vor allem davon ab, wie groß und tief sie ist, wo sie liegt und wie konsequent sie von Druck entlastet wird. Falls die Durchblutung gestört ist, muss die Störung durch einen Eingriff beseitigt werden. Kleine Wunden können innerhalb weniger Wochen abheilen. Bei größeren Wunden kann es Monate dauern.

Ein Charcot-Fuß – eine seltene Sonderform des diabetischen Fußes, bei dem es zu Knochenbrüchen und Fehlstellungen kommt – wird komplett ruhiggestellt, um den Fuß zu stabilisieren und weitere Knochenschäden zu vermeiden. Dazu wird über mehrere Monate ein Gips oder eine kniehohe Schiene angelegt. Um neue Schäden zu vermeiden, werden anschließend speziell angefertigte orthopädische Maßschuhe getragen.

Wie wird der Fuß von Druck entlastet?

Um abheilen zu können, muss eine Wunde vollständig von Druck entlastet werden. Je nach Art der Wunde kommen infrage:

  • spezielle Schuhe (Druckentlastungsschuhe)
  • spezielle Gipse oder Orthesen (knöchel- oder unterschenkelhohe Schiene)
  • Gehstützen oder Rollstuhl
  • Operation zur Korrektur von Fehlstellungen (zum Beispiel von Hammer- und Krallenzehen)
  • Entfernung von Hornhautschwielen

Wie wird eine Wunde behandelt?

Eine Wundbehandlung besteht aus:

  • Wundreinigung: Die Wunde wird regelmäßig von abgestorbenem und entzündetem Gewebe und Belägen befreit. Das geschieht zum Beispiel mit Hilfe von Skalpell, Schere und Wundspülungen.
  • Wundauflagen: Eine Wundauflage hält die Wunde feucht, saugt Wundflüssigkeit auf und schützt vor Infektionen von außen.

Welche Wundauflage infrage kommt, hängt unter anderem davon ab, wie tief die Wunde ist, ob sie entzündet ist und in welcher Heilungsphase sie sich befindet. Die Auflagen müssen regelmäßig gewechselt werden.

Eine entzündete Wunde kann nicht abheilen. Starke Entzündungen können sich zudem im Körper ausbreiten und lebensgefährlich werden. Deshalb ist es sehr wichtig, eine entzündete Wunde regelmäßig gründlich zu reinigen und ausreichend lange (oft über mehrere Wochen) mit zu behandeln. Entzündete Teile von Knochen und anderem Gewebe können durch einen Eingriff entfernt werden.

Um die Wundheilung zu fördern, kann eine Haut- oder Gewebetransplantation sinnvoll sein. Bei der wird die Wunde mit Haut vom eigenen Körper abgedeckt. Dazu wird meist eine dünne Hautschicht vom Oberschenkel entnommen. Sie wächst auf der Wunde an und kann helfen, sie zu schließen. Bei der Gewebetransplantation (Lappenplastik) wird die Wunde mit einem Gewebestück vom eigenen Körper (zum Beispiel vom Oberschenkel) abgedeckt.

Wie wird die Durchblutung verbessert?

Viele Menschen mit Diabetes haben verengte Gefäße. Typische Beschwerden einer Durchblutungsstörung wie Schmerzen in den Waden werden leicht übersehen, wenn sie aufgrund von Nervenschäden nicht mehr wahrgenommen werden. Werden die Beine schlecht durchblutet, ist die Wundheilung gestört. Die Durchblutung kann durch einen Eingriff verbessert werden. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Die Gefäßerweiterung (PTA = perkutane transluminale Angioplastie): Ein Schlauch () wird durch die Leiste bis in die verengte Arterie geschoben. An der Spitze des Katheters sitzt ein kleiner Ballon, der sich an der Engstelle entfaltet und das Gefäß erweitert.
  • : der Blutstrom wird um das verengte Gefäß herumgeleitet. Dafür wird ein neues Gefäß eingesetzt, das entweder aus Körpergewebe oder aus Kunststoff besteht.

Diese Eingriffe kommen vor allem für Menschen mit einer Durchblutungsstörung infrage, bei denen eine Behandlung und die Druckentlastung der Wunde allein nicht mehr ausreichen.

Wann kommt eine Amputation infrage?

Eine Amputation kommt nur dann infrage, wenn es keine anderen Behandlungsmöglichkeiten mehr gibt. Durch eine gute Vorbeugung und Behandlung lässt sie sich oft vermeiden – auch dann, wenn eine Wunde bereits seit Langem besteht.

Es gibt folgende Amputations-Formen:

  • Kleine Amputation (Minoramputation): Es werden einzelne Zehen oder Teile des Vorfußes entfernt.
  • Große Amputation (Majoramputation): Der komplette Fuß (manchmal mit einem Teil des Beins) wird oberhalb des Sprunggelenks amputiert.

Amputationen können nötig sein, wenn

  • eine Zehe oder der Fuß nicht mehr erhalten werden kann,
  • nur durch die Entfernung kleinerer Teile des Fußes eine Wundheilung möglich ist oder
  • sich die im Bein ausbreitet, Muskelgewebe im Bein abstirbt oder die Schmerzen sehr stark sind.

Bei einer Amputation sollte immer nur so wenig wie möglich vom Fuß entfernt werden. Meist reicht eine kleine Amputation aus, zum Beispiel einzelner Zehen. Nur selten ist eine Amputation oberhalb des Sprunggelenks notwendig.

Wie gelingt eine gute Behandlung?

Am besten lässt man sich frühzeitig in einer diabetologischen Praxis behandeln, die auf die Behandlung diabetischer Füße spezialisiert ist. Auch die Behandlung in einer speziellen Fußbehandlungs-Einrichtung ist sinnvoll. Entsprechend zertifizierte Einrichtungen finden sich auf den Seiten der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).

Die Behandlung gelingt am besten, wenn sich die verschiedenen Fachrichtungen gut miteinander abstimmen. Beteiligt sind meist Hausärzte, Diabetologen, Podologen, Gefäßmediziner, (Fuß- oder plastisch-ästhetische) Chirurgen, Orthopädietechniker und Pflegekräfte. Wichtig ist, dass die gesamte Behandlung des diabetischen Fußes von einer ärztlichen Praxis aus koordiniert wird. In der Regel übernimmt das eine diabetologische Praxis oder eine Diabetes-Fußambulanz in einem Krankenhaus.

Wichtig: Regelmäßige Kontrolle

Es ist wichtig, die Füße regelmäßig kontrollieren zu lassen. Wie häufig, hängt davon ab, wie ausgeprägt der diabetische Fuß ist. Wenn keine Nervenschädigung () besteht, reicht eine jährliche Untersuchung aus. Sind die Nerven bereits geschädigt, wird empfohlen, sich alle sechs Monate untersuchen zu lassen. Wenn schon eine Wunde bestanden hat, wird eine Kontrolle alle 1 bis 3 Monate empfohlen.

Zudem sollte man selbst die Füße auf Druckstellen, Verletzungen, Rötungen, Fußpilz oder andere Auffälligkeiten hin untersuchen, möglichst täglich. Um den gesamten Fuß betrachten zu können, einschließlich Fußsohle und dem Raum zwischen den Zehen, kann ein Handspiegel helfen.

Auch wenn eine Wunde abgeheilt ist, ist es wichtig, weiter gut auf den Fuß zu achten. Denn die Nervenschäden bleiben und es kann immer wieder eine neue Wunde entstehen.

Eine zweite ärztliche Meinung kann helfen

Manchmal ist es sinnvoll, eine zweite ärztliche Meinung einzuholen. Auf diese gibt es vor bestimmten planbaren Eingriffen einen Rechtsanspruch. Eine zweite ärztliche Meinung ist besonders wichtig, wenn eine Ärztin oder ein Arzt eine Amputation empfiehlt. Denn diese hat weitreichende Folgen und es kann sein, dass es noch andere Behandlungsmöglichkeiten gibt.

Entscheidend ist, warum die Amputation erfolgen soll: Gibt es wirklich keine anderen Möglichkeiten mehr, den Fuß zu erhalten? Welche Vor- und Nachteile hätte die Operation?

Eine zweite ärztliche Meinung einzuholen heißt, sich in einer anderen Praxis oder Klinik durch Spezialistinnen oder Spezialisten beraten zu lassen. Zur Unterstützung kann eine Entscheidungshilfe verwendet werden, die die wichtigsten Vor- und Nachteile der verschiedenen Behandlungen kurz zusammenfasst.

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Erstellt am 04. November 2020
Nächste geplante Aktualisierung: 2023

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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