Blasenentzündungen vorbeugen

Foto von zwei Frauen im Garten (PantherMedia / Renaud Philippe) Ein Patentrezept zur Vorbeugung von Blasenentzündungen gibt es nicht. Es kann sich aber lohnen, im Alltag auf bestimmte Dinge zu achten. Medikamente, die vorbeugend wirken, müssen lange eingenommen werden und haben häufig Nebenwirkungen. Andere Mittel sind unwirksam oder nicht ausreichend erforscht.

Auch wenn eine Blasenentzündung (Zystitis) normalerweise unproblematisch ist: Die Beschwerden können sehr unangenehm sein. Manchen Frauen ist eine Blasenentzündung außerdem peinlich. Wer häufig wiederkehrende Blasenentzündungen hat, scheut sich, an Freizeitaktivitäten wie Schwimmen teilzunehmen und hat vielleicht weniger Lust auf Sex. Vielen Frauen ist es daher sehr wichtig, einer Blasenentzündung möglichst vorzubeugen.

Vorbeugung im Alltag

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die helfen sollen, Blasenentzündungen vorzubeugen. Da durch Geschlechtsverkehr mehr Bakterien in die Harnröhre gelangen können, wird häufig geraten, danach auf die Toilette zu gehen und Wasser zu lassen, damit die Bakterien aus der Harnröhre gespült werden. Die Wahl des Verhütungsmittels spielt ebenfalls eine Rolle: So können spermienabtötende Mittel und Diaphragmen Blasenentzündungen begünstigen. Es kann deshalb einen Versuch wert sein, andere Verhütungsmethoden wie zum Beispiel Kondome auszuprobieren.

Auch eine gute Intimhygiene wird immer wieder als Tipp genannt – dabei reicht Waschen mit warmem Wasser und Seife aus, Intimsprays sind überflüssig. Wichtig ist darauf zu achten, dass möglichst keine Darmbakterien in Scheide und Harnröhre geraten. Damit ist zum Beispiel gemeint, nach dem Stuhlgang mit dem Toilettenpapier immer von vorn nach hinten zu wischen.

Oft wird empfohlen, darauf zu achten, dass Füße und Unterleib nicht kalt werden. Oder viel zu trinken. Manchmal werden zudem allgemeine Ratschläge zur Stärkung der Abwehrkräfte gegeben, wie ausreichend schlafen und Stress vermeiden.

Selbst wenn alle diese Tipps nachvollziehbar klingen und sich im Alltag umsetzen lassen: Wissenschaftlich konnte bisher nicht gezeigt werden, dass solche Maßnahmen helfen.

Cranberry-Produkte und Probiotika

Manchmal werden Cranberry-Produkte zur Vorbeugung von Blasenentzündungen empfohlen. In Apotheken und Drogerien sind Zubereitungen aus den Beeren in Form von Säften, Pulver, Kapseln und Tabletten erhältlich. Bislang ist offen, ob Cranberries Blasenentzündungen tatsächlich vorbeugen können. Die bisherigen Studien zeigen widersprüchliche Ergebnisse. Wenn es einen Vorteil gibt, ist dieser nur klein. Viele Frauen tun sich zudem schwer damit, Cranberry- Produkte über einen langen Zeitraum regelmäßig einzunehmen.

Auch Probiotika wird manchmal eine vorbeugende Wirkung nachgesagt. Sie gibt es in Form von Zäpfchen, Saft oder Tablette. Für kein Produkt ist aber bislang eine Wirkung gegen Blasenentzündungen nachgewiesen.

Antibiotika

Frauen, die immer wieder Blasenentzündungen haben, können Antibiotika in einer niedrigen Dosierung vorbeugend einnehmen. Dies müssen sie dann jedoch über einen langen Zeitraum tun, häufig über 3 bis 6 Monate.

Zwar bekommen Frauen dann weniger Blasenentzündungen, sie haben aber recht häufig Nebenwirkungen wie Verdauungsstörungen, Hautausschlag und Pilzinfektionen in der Scheide. Viele Frauen brechen die Einnahme deshalb nach einiger Zeit ab. Zudem erhöht eine zu häufige Einnahme von Antibiotika die Gefahr, dass Bakterien unempfindlich gegen Antibiotika werden und die Mittel nicht mehr wirken (Resistenzbildung).

Hormone

Ab den Wechseljahren produziert der Körper weniger vom weiblichen Geschlechtshormon Östrogen. Bei manchen Frauen wird dadurch die Schleimhaut der Scheide dünner und trockener, weshalb sich dort leichter Keime ansiedeln und auch Blasenentzündungen auslösen können. Östrogenpräparate zum Einführen in die Scheide – zum Beispiel als Zäpfchen, Creme oder Tablette – sollen dem vorbeugen.

Örtlich angewendete Östrogenpräparate können manchen Frauen helfen, die Zahl der Blasenentzündungen zu verringern. Allerdings können die Mittel Nebenwirkungen wie Jucken und Brennen im Vaginalbereich haben. Zudem weiß man noch nicht viel über die Folgen, wenn Frauen die Mittel über einen längeren Zeitraum (mehr als acht Monate) anwenden.

Östrogentabletten zum Einnehmen können Blasenentzündungen dagegen nicht vorbeugen. Zudem können sie nach einigen Monaten zu Nebenwirkungen führen wie Spannungsgefühlen in den Brüsten, leichten Scheidenblutungen und Hautausschlag.

Weitere Behandlungen

Seit 2004 ist eine Impfung gegen Blasenentzündungen auf dem Markt (StroVac-Impfung). Der Impfstoff enthält mehrere inaktive Bakterienstämme. Der Hersteller gibt an, dass der Körper durch die Impfung lerne, sich gegen die Erreger besser zur Wehr zu setzen. Ob diese Impfung sinnvoll ist, ist jedoch nicht sicher nachgewiesen. Von den gesetzlichen Krankenkassen wird sie nicht bezahlt.

Unklar ist auch, ob die Einnahme von Kapseln mit einem Extrakt aus abgetöteten Escherichia-coli-Bakterien Vorteile hat. Auch sie sollen dem Körper helfen, bei einer Infektion schneller und wirksamer zu reagieren. An den bisherigen Studien haben aber zu wenige Menschen teilgenommen, die Forschungsergebnisse sind deshalb noch unsicher. Die Kosten für die Kapseln werden in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.