Heute würde ich kritischer nachfragen, ob die Spange wirklich nötig ist

Foto von einem Mann (PantherMedia / Wavebreakmedia ltd) Markus, 60 Jahre

„Dass mein Sohn eine Zahnspange braucht, haben wir gar nicht infrage gestellt oder geprüft. Bei meinem Kind will ich schließlich nichts verpassen oder versäumen.“

Diese inflationäre Verschreibung von Zahnspangen finde ich schon auffällig im Freundeskreis meiner Kinder. Ich frage mich, ob das wirklich notwendig ist. Das Kind muss ja alle sechs Wochen zur Kontrolle, am Anfang mit Eltern. Auch das ist ein Zusatztermin für die Familie.

Als ich an beiden Knien operiert werden sollte, habe ich recherchiert, ob das nötig ist und wie die Erfolgsraten sind. Aber da ging es auch um mich.

Bei meiner jüngeren Tochter würde ich es anders machen. Wenn jetzt der nächste Zahnarzt sagen würde: „Die Sinja braucht eine feste Spange“, würde ich woanders hingehen und mir eine zweite Meinung anhören.

Ich frage mich, ob wirklich so viele Kinder eine Zahnspange brauchen

Manche festen Zahnspangen sind ja auch mit Zusatzkosten verbunden, die man privat übernehmen muss. Wir müssen das Gott sei Dank nicht, da die Kinder über meine Frau privat versichert sind. Aber für andere Familien ist das schon eine finanzielle Belastung.

Die durchsichtigen Zahnschienen, die man komplett selbst zahlen muss, waren bei uns gar nicht im Gespräch, die wurden uns nicht angeboten. Und wir wollten sie auch nicht, da mein Sohn gar kein Problem damit hatte, Metall-Brackets zu tragen.

Eine feste Zahnspange ist für die meisten Jugendlichen kein Problem

Er hat mit zehn Jahren erfahren, dass er erst eine lose und dann eine feste Spange bekommen wird. Alle seine Freunde fanden das eher spannend und interessant. Und bei meiner Tochter ist es ganz verrückt: Sie ist total scharf darauf, eine Spange zu bekommen. Sie hat einer Freundin erzählt, wie sehr sie sich freuen würde, wenn sie eine Zahnspange bekäme. Ich verstehe das nicht, das ist doch nichts Tolles: Da wird etwas über Jahre auf die Zähne geklebt und du musst ständig zum Zahnarzt laufen. Aber für die Mädchen ist das fast so ein Ritterschlag. Vielleicht fühlen sie sich dann erwachsen oder es hat eine Art Beauty-Effekt, weil es in ist und cool.

In der Pubertät müssen die Eltern beim Zähneputzen vertrauen und auf die Zahnärzte setzen

Nach der losen Zahnspange kamen irgendwann die Brackets, die mit dem Draht fest montiert wurden. Da fingen die Probleme mit dem Zähneputzen an, genau zu Beginn der Pubertät. Entweder stellst du dich daneben und kontrollierst. Das nervt alle und dein Kind will es doch selbst machen. Oder du stellst dich nicht daneben und musst damit rechnen, dass der Zahnarzt bei der nächsten Kontrolle meckert. So war das auch bei uns.

Mir war das dann schon peinlich, aber die Kinder oder Jugendlichen müssen es selbst von den Ärzten hören, dann wirkt es erst. Die Eltern sind da ein bisschen hilflos. Unsere Kieferorthopädin hat das aber ganz toll gemacht. Sie hat die Stellen mit Zahnbelag mit einem speziellen Wirkstoff angefärbt und unserem Sohn freundlich die Stellen gezeigt, die ungeputzt waren. Dann hat sie ihn vor Ort die Zähne nochmal putzen lassen und ihm die Technik gezeigt. Und noch mal kontrolliert und gelobt, wo es schon gut war. Das fand ich total klasse.

Das wirkt viel mehr als die Kontrolle durch uns Eltern. Irgendwann muss man den Kindern das überlassen und zutrauen.

In den ersten zwei Tagen nach Einsetzen der Spange haben die Zähne weh getan

Insgesamt hatte Slavik selten Schmerzen oder Beschwerden durch die Zahnspange. Einmal ist ein Bracket abgegangen und der Draht hat irgendwo in die Wange gedrückt und weh getan. Das wurde aber schnell behoben. Und ganz am Anfang die ersten zwei Tage nach Einsetzen der festen Spangen waren die Schmerzen stärker, aber Slavik hat sich unglaublich schnell daran gewöhnt. Einschränkungen beim Essen gab es fast gar nicht, wir haben beim Kochen jetzt nicht speziell darauf geachtet.

 

Danksagung

Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.