Wohlbefinden in den Wechseljahren

Foto von Paar im Freien (PantherMedia / Phovoi R.) Auch wenn der Umgang mit den Wechseljahren von Frau zu Frau verschieden ist: Starke Wechseljahrsbeschwerden können das Wohlbefinden sehr beeinträchtigen. Dass das Risiko für bestimmte Erkrankungen ab der Lebensmitte ansteigt, liegt aber vor allem am zunehmenden Alter und weniger an der hormonellen Umstellung.

Hitzewallungen, Schweißausbrüche und eine veränderte Scheidenschleimhaut sind die häufigsten Beschwerden in den Wechseljahren. Wenn Hitzewallungen und Schweißausbrüche in der Nacht auftreten, stören sie oft den Schlaf. Dies kann zu Konzentrationsproblemen und Müdigkeit tagsüber führen.

Doch nicht alle körperlichen und emotionalen Veränderungen in dieser Lebensphase haben ihre Ursache in den Wechseljahren. Veränderungen der Stimmungslage und des seelischen Wohlbefindens, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie körperliche Beschwerden wie zum Beispiel Rückenschmerzen sind eher keine direkte Folge der Hormonumstellung. Sie können in jedem Lebensalter auftreten und viele andere Gründe haben. Das steigende Risiko für Erkrankungen wie Osteoporose oder Herz-Kreislauf-Krankheiten hängt auch mit dem Älterwerden zusammen.

Die Wechseljahre selbst haben also meist keine direkten Auswirkungen auf die Gesundheit. Sie können aber Anlass sein, darüber nachzudenken, wie sich die eigene Gesundheit im Alter erhalten oder verbessern lässt.

Was sind Hitzewallungen und wie entstehen sie?

Hitzewallungen werden vermutlich im Gehirn ausgelöst, wo die Körpertemperatur reguliert wird. Steigt sie zu stark an, kann das Gehirn eine vorübergehende Erweiterung der Blutgefäße in der Haut veranlassen. Diese Gefäßerweiterung wird Vasodilatation genannt. Sie bewirkt, dass mehr Blut durch die Haut fließen kann und der Körper so mehr Wärme nach außen abgibt, um die Körpertemperatur zu senken. Dies macht sich als Hitzeschub bemerkbar. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vermuten, dass die nachlassende Hormonproduktion in den Eierstöcken Auswirkungen auf diese Temperatursteuerung hat. Die genauen Ursachen der Hitzewallungen sind jedoch nicht bekannt.

Bei vielen Frauen setzen Hitzewallungen etwa zur Zeit ihrer letzten Regelblutung ein. Oft sind sie zunächst häufiger und stärker, mit der Zeit lassen sie wieder nach. Hitzewallungen werden von vielen Frauen als eine plötzlich auftretende heiße Welle empfunden, die meist von Brust, Nacken und Gesicht ausgeht und sich im ganzen Körper ausbreitet. Eine Hitzewallung kann die Haut fleckig und rot werden lassen, und sie kann Schweißausbrüche auslösen. Manche Frauen spüren gleichzeitig starkes Herzklopfen – dies hat normalerweise nichts mit einer Herzerkrankung zu tun. Hitzewallungen dauern im Durchschnitt etwa drei Minuten. Nach einer Hitzewallung stellt sich manchmal ein Frösteln ein.

Verschiedene Einflüsse stehen im Verdacht, Hitzewallungen zu fördern. Dazu gehören neben einer zu warmen Umgebung und / oder zu warmen Bekleidung zum Beispiel starker Kaffee oder Tee, scharfe Gewürze, Alkohol, Stress, Nervosität und bestimmte Medikamente.

Verändern die Wechseljahre die Sexualität?

Die Auswirkungen der Wechseljahre auf die Sexualität sind von Frau zu Frau verschieden. Manche befürchten, dass ihnen wegen ihrer Beschwerden die Freude an ihrer Sexualität verloren gehen könnte, andere sind mit ihrem Sexualleben zufrieden. Bei einigen Frauen nehmen die sexuelle Erregbarkeit oder das sexuelle Interesse etwas ab, andere dagegen haben ein besseres Sexualleben als zuvor. Viele sind froh, dass sie sich über Verhütung keine Gedanken mehr machen müssen.

Das deutet schon an, dass sich sexuelle Veränderungen in den mittleren Lebensjahren nicht allein mit den Wechseljahren erklären lassen. Bislang gibt es keine Belege, dass die hormonelle Umstellung selbst das sexuelle Empfinden oder Verlangen sowie die sexuelle Aktivität beeinträchtigt. Das Älterwerden an sich spielt hier offenbar eine wichtigere Rolle. Hinzu kommen psychologische, soziale und kulturelle Faktoren – und nicht zuletzt die Situation in der Partnerschaft.

Es kann zum störenden Problem werden, wenn die Scheide bei sexueller Erregung nicht feucht genug wird – oder wenn eine Frau sich schon im Vorfeld darüber Sorgen macht. Ohne Gleitmittel kann der Geschlechtsverkehr dann unangenehm sein. Etwa 3 von 10 Frauen haben etwa ab der Zeit kurz vor der Menopause Beschwerden, weil ihre Scheidenschleimhaut empfindlicher und trockener ist als früher. Das kann sich durch Juckreiz äußern und Infektionen begünstigen. Die Beschaffenheit der Scheidenschleimhaut verändert sich aber nicht plötzlich, sondern im Laufe der Wechseljahre. Manche Frauen bemerken dies auch erst lange nach der letzten Blutung.

Welche Bedeutung haben die Wechseljahre als Lebensabschnitt?

Häufig werden die Wechseljahre vor allem als Zeichen des Älterwerdens gesehen und oft auch mit Verlusten in Verbindung gebracht: etwa der Attraktivität und Weiblichkeit, der Gesundheit – oder auch von bestimmten Rollen in Familie und Beruf. Wie eine Frau diesen Abschnitt ihres Lebens empfindet und gestaltet, hängt aber zu einem guten Teil von ihrer persönlichen Lebenssituation, ihrem Selbstbild und ihrer Einstellung zum Alter ab.

Das gesellschaftliche Bild der älteren Frau wandelt sich zwar allmählich. Dennoch sind die allgemeinen Vorstellungen über die Wechseljahre nicht gerade positiv. Dies ist kein Wunder: Schließlich wird seit Jahrzehnten behauptet, dass sich mit den Wechseljahren Alterungsprozesse beschleunigen und Frauen sich ab der Menopause besondere Sorgen um ihre Gesundheit machen müssten. In dieser Sichtweise haben sich die Wechseljahre zum behandlungsbedürftigen medizinischen Problem entwickelt.

Wenn man hingegen Frauen dazu befragt, wie sie selbst ihre Wechseljahre beurteilen, zeigt sich oft eine ganz andere Sichtweise. Die Empfindungen sind so verschieden wie die Frauen selbst: Sie reichen von „neuer Freiheit und Energie“ über „Aufbruchsstimmung“ bis hin zu „sich alt und nutzlos fühlen“.

Einen „richtigen“ Weg durch die Wechseljahre gibt es nicht – die meisten Frauen finden einen für sie passenden: Einige beachten die Wechseljahre gar nicht weiter. Andere werten sie als wichtige Phase in ihrem Leben, aus der sich durchaus positive Perspektiven ergeben. Manche nehmen sie als Anlass, über ihr bisheriges Leben nachzudenken und sich kritisch zu fragen, was für sie wirklich wichtig ist.

Für manche Frauen fallen die Wechseljahre in eine Phase der Um- und Neuorientierung, zum Beispiel weil ihre Kinder allmählich erwachsen werden oder bereits das Elternhaus verlassen haben: Sie ändern ihren Lebensstil, konzentrieren sich mehr auf die eigenen Interessen oder die eigene Zukunft. Dass solche Neuorientierungen Unsicherheiten und wechselnde Gefühle mit sich bringen können, ist ganz normal.

Wie gehen Frauen mit ihren Gefühlen um?

Viele Frauen besprechen ihre Erfahrungen und Gefühle mit Freundinnen, die ebenfalls in den Wechseljahren sind. Viele würden ihre Empfindungen auch gern mit ihrem Partner besprechen. Solch ein Gespräch ist jedoch nicht immer einfach. Frauen machen manchmal die Erfahrung, dass sich ihre Partner gar nicht für ihre Wechseljahre interessieren oder nur wenig Verständnis zeigen. Viele Männer wissen nur wenig über diese Phase im Leben der Frau.

Einige Frauen vermeiden das Thema lieber ganz, oder sie reden mit ihrer Ärztin, ihrem Arzt oder anderen professionellen Beratern. Viele Frauen wünschen sich, mit der eigenen Mutter über deren Erfahrungen sprechen zu können. Denn Informationen von Müttern und älteren Schwestern können beim Umgang mit den eigenen Beschwerden unterstützen und helfen, den möglichen Zeitpunkt der Menopause abzuschätzen. In der älteren Generation sind die Wechseljahre allerdings noch manchmal ein Tabuthema.

Wie empfinden Frauen die körperlichen Veränderungen?

Solange sie nicht unter starken Beschwerden leiden, sind körperliche Veränderungen für viele Frauen nur eine von vielen Facetten der Wechseljahre. Frauen erleben ihr Äußeres in dieser Zeit ganz unterschiedlich. Bei manchen verändert sich ihr Selbstbild und sie machen sich Sorgen, dass sie nicht mehr als attraktiv wahrgenommen werden. Andere fühlen sich nicht weniger attraktiv oder weiblich, wenn sie in die Wechseljahre kommen. Einige empfinden sich als ruhiger und gelassener, haben mehr Selbstvertrauen und sehen diese Phase als normale Lebensphase an. Nicht wenige Frauen empfinden das Ende der Blutungen als angenehm und erleichternd; dies gilt insbesondere für Frauen mit starken und / oder sehr schmerzhaften Regelblutungen, oder einer Erkrankung wie Endometriose.

Körperliche Beschwerden können jedoch verunsichern – schließlich ist es für die meisten Menschen wichtig, sich im eigenen Körper wohl zu fühlen. Einige Frauen fühlen sich während einer Hitzewallung aber plötzlich fremd in ihrem Körper. Sichtbare Schweißausbrüche in der Öffentlichkeit, zum Beispiel bei einem beruflichen Termin, können Frauen peinlich sein. Doch Hitzewallungen sind nicht immer gleich stark – und nicht in jeder Situation ist es unangenehm, wenn der Körper plötzlich bis hinunter zu den Füßen warm wird.