Wie zeigt sich eine Schizophrenie?

Foto von Gruppe Jugendlicher (PantherMedia / Diego Cervo) Eine Schizophrenie äußert sich in psychotischen Phasen. Diese können ganz unterschiedlich verlaufen. Typisch sind Wahnideen, Stimmen hören und das Gefühl, beobachtet oder beeinflusst zu werden. Eine Psychose kann relativ unkompliziert verlaufen, jedoch auch dramatische Folgen haben.

Betroffene erleben die Krankheit zum Teil sehr unterschiedlich. Sowohl die Ursachen als auch der Verlauf können stark variieren. Fast immer verläuft sie jedoch in Phasen, in denen die Beschwerden deutlich stärker werden – bis hin zur ausgeprägten akuten Psychose. Auch zwischen den akuten Phasen können Beschwerden auftreten.

Was sind die Symptome einer Schizophrenie?

Typische Beschwerden reichen von Stimmen hören bis zu Konzentrationsstörungen. Häufig treten mehrere der folgenden Symptome gleichzeitig auf:

  • Halluzinationen: Meist hören Menschen mit Schizophrenie Stimmen. Seltener sehen, schmecken oder fühlen sie Dinge, die nicht da sind. Die Stimmen können freundlich oder bedrohlich sein, sie können zu bekannten Personen „gehören“ oder nicht. Oft kommentieren die Stimmen das eigene Verhalten, oder sie unterhalten sich über einen. Die Stimmen können auch zu bestimmten Taten drängen.
  • Wahn: Oft entwickelt sich ein Verfolgungswahn oder das starke Gefühl, zu etwas Ungewöhnlichem berufen zu sein. Normale Dinge erscheinen plötzlich sonderbar. Betroffene beziehen alles auf sich und sehen überall „Zeichen“, die ihre Wahrnehmung bestätigen. Oder sie haben das Gefühl, dass sich andere gegen sie verschworen haben.
  • Ich-Störung: Der Begriff „Ich-Störung“ meint, dass die Grenze zwischen der eigenen Person und der Umwelt verschwimmt. Es kann zum Beispiel das Gefühl entstehen, das eigene Erleben und Denken werde durch andere gesteuert – oder andere könnten die eigenen Gedanken lesen.
  • Beeinträchtigung von Sprache und Denken: Das Denken wird fahrig und wirr, Sätze sind grammatikalisch falsch und unverständlich. Dieselben Gedanken werden ständig wiederholt.
  • Auffälliges Gefühlsleben: Dies kann sich als innere Leere, Abstumpfung und sozialer Rückzug äußern, manchmal auch als depressive Verstimmung. Plötzliche Stimmungswechsel oder völlig unpassendes Verhalten können ebenfalls vorkommen – zum Beispiel Lachen bei traurigen Anlässen.
  • Bewegungsauffälligkeiten: Manche Menschen haben einen ziellosen Bewegungsdrang, andere ahmen Bewegungen nach, grimassieren oder erstarren in teils ungewöhnlichen Gesten oder Körperhaltungen.
  • Eingeschränkte Denkleistung: Die Aufmerksamkeit, die Konzentration und das Gedächtnis sind gestört. Das Lösen komplexerer Aufgaben (beispielsweise, sich auf eine Stelle zu bewerben) bereitet starke Probleme.

Während einer akuten psychotischen Phase bestehen überwiegend Beschwerden wie Halluzinationen, Wahn, Ich-Störung oder Bewegungsauffälligkeiten. Nach Abklingen der akuten Psychose kommt es eher zu Konzentrations- und Gedächtnisproblemen, sozialem Rückzug und Antriebslosigkeit.

Wie verläuft die Erkrankung?

Eine Schizophrenie kann unterschiedlich verlaufen. Die häufigsten Verläufe sind:

  • Es kommt nur zu einer einzigen oder wenigen akuten psychotischen Phasen. Danach treten keine Beschwerden mehr auf. Etwa 25 % der Betroffenen haben nur einmal im Leben eine akute Psychose.
  • Innerhalb einiger Jahre entwickeln sich wiederholt akute Psychosen, danach nicht mehr. Es sind jedoch anhaltende leichtere Beschwerden spürbar.
  • Es treten in gewissen Abständen regelmäßig akute Psychosen auf. In der Zwischenzeit zeigen sich zunächst kaum oder nur geringe Beschwerden, die sich aber über die Jahre verstärken.
  • Die Beschwerden nehmen langsam zu, halten dauerhaft an und sind zum Teil sehr stark.

Kann man während einer akuten Psychose sich und andere in Gefahr bringen?

Oft wird angenommen, dass Menschen während einer akuten Psychose anderen gefährlich werden könnten. Dies ist jedoch die Ausnahme. Es ist zwar möglich, dass sie im Wahn aggressiver werden oder jemandem schaden wollen – aber die meisten Menschen mit einer akuten Psychose werden anderen gegenüber nicht gewalttätig.

Wahrscheinlicher ist, dass sie selbst Opfer von Gewalt oder Unfällen werden – zum Beispiel, wenn sie in einer psychotischen Phase die Kontrolle über sich verlieren und riskanten Wahnideen folgen.

Wie erleben Betroffene selbst ihre Erkrankung?

Die oben genannten Symptome sind typisch für eine Schizophrenie – dennoch kann die persönliche Wahrnehmung der Erkrankung sehr unterschiedlich sein. Dies hängt zum Beispiel davon ab, wie stark die Beschwerden sind, aber auch davon, wie gut die Behandlung anschlägt und die Unterstützung durch andere funktioniert.

Stimmen hören

Menschen empfinden das Hören von Stimmen unterschiedlich. Für einige sind die Stimmen bedrohlich und auf Dauer extrem erschöpfend, zudem können sie den Wahn massiv verstärken. Das Stimmen hören kann Angst, Verwirrung und Selbstzweifel auslösen. Andere Betroffene finden eher einen Weg, mit den Stimmen umzugehen und fühlen sich durch sie nicht wesentlich beeinträchtigt.

Manche sehen sich auch gar nicht als krank an, sondern empfinden „ihre“ Stimmen als Teil ihrer Persönlichkeit. Wieder andere verheimlichen, dass sie Stimmen hören – aus Angst davor, als krank eingestuft oder gegen ihren Willen behandelt zu werden.

Auch wenn Menschen mit Schizophrenie ähnliche Beschwerden haben, können sie den Symptomen unterschiedliche Bedeutungen geben und verschiedene Ursachen vermuten. Dies beeinflusst ihren Umgang mit den Beschwerden. Oft finden sie ganz verschiedene Antworten auf folgende Fragen:

  • Empfinde ich die Stimmen als bedrohlich, nur etwas lästig oder sogar als Bereicherung?
  • Sehe ich etwas darin, das mir mehr über mich verrät?
  • Warum höre ich bestimmte Stimmen?

Für viele Betroffene ist es sehr wichtig, dass andere sich für ihre Wahrnehmungen interessieren und sie nicht gleich bewerten, sondern ihnen erst einmal zuhören.

Bestimmte Menschen empfinden ihre Stimmen und Halluzinationen als Teil spiritueller oder übersinnlicher Erfahrungen, die beweisen, dass andere Realitäten existieren (zum Beispiel eine Welt der Toten oder außerirdisches Leben). Oder psychotische Erfahrungen werden als Ausdruck einer Sinnkrise empfunden.

Wahn

Auch Wahnvorstellungen können sich ganz unterschiedlich äußern. Das Gefühl, „berufen“ zu sein, lässt manche Menschen zum Beispiel glauben, sie müssten die Welt von etwas Bösem befreien oder davor bewahren. Dies kann sich in teils absurden Fantasien ausdrücken, in denen häufig berühmte Personen vorkommen, mit denen sie zusammenarbeiten oder gegen die sie vorgehen müssen. Manche Betroffene bewegen sich in Film- oder Literaturwelten oder glauben, dass Radio- oder Fernsehbeiträge geheime, an sie gerichtete Botschaften enthalten. Einige Menschen haben das Gefühl, verfolgt zu werden oder glauben, dass sich andere gegen sie verschworen haben – zum Beispiel die Regierung, Geheimdienste oder die eigenen Nachbarn.

In einer wahnhaften Phase sind Betroffene oft sehr energiegeladen und rastlos. Sie haben manchmal extrem positive Gefühle, sind sehr kreativ und euphorisch. Andere erleben wiederum starke Angst bis hin zu Verfolgungswahn (Paranoia) und fürchten, „verrückt zu werden“. Oft wechseln sich positive und negative Gefühle ab.

Schlaflosigkeit

Für viele Betroffene ist Schlaflosigkeit ein großes Problem. Sie wachen nachts auf, haben Albträume oder von vornherein Angst, einzuschlafen. Oft glauben sie nicht mehr, dass sie irgendwann wieder gut schlafen können – haben aber den starken Wunsch danach, da sie den schlechten Schlaf als Ursache für viele Probleme sehen, wie Erschöpfung und Konzentrationsprobleme.

Schlafprobleme können das Anzeichen für eine Psychose sein, können aber auch mit Stress im Alltag und Suchtmittelkonsum zusammenhängen.

Diagnose

Die Diagnose „Schizophrenie“ empfinden viele Menschen als stigmatisierend. Sie sorgen sich, von anderen abgewertet und benachteiligt zu werden. Aus Angst, „abgestempelt“ zu werden, ziehen sich viele zurück und erzählen anderen auch nicht von der Diagnose. Oft wissen sie sehr wenig über Ursachen, Folgen und Behandlungsmöglichkeiten ihrer Erkrankung. Viele vermissen auch die Möglichkeit, mit Fachleuten über ihr persönliches Erleben zu sprechen.

Auf der anderen Seite betonen manche, dass erst die Diagnose es ihnen ermöglicht hat, ihre Situation besser zu verstehen, die eigenen Beschwerden ernst zu nehmen und Hilfe in Anspruch zu nehmen.

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