Selbsthilfe bei Schizophrenie

Foto von Paar beim Spaziergang
PantherMedia / RomanPashkovsky

Menschen mit Schizophrenie haben verschiedene Möglichkeiten, ihre Behandlung mitzugestalten und mit kritischen Situationen besser umzugehen. Zu wissen, dass man sich ein Stück weit auch selbst helfen kann, unterstützt bei der Bewältigung von Psychosen.

Einige Menschen mit Schizophrenie fühlen sich nicht ausreichend in Entscheidungen über ihre Behandlung einbezogen. Manchmal haben sie zu dem, was ihnen wichtig ist, auch andere Vorstellungen als Fachleute. Manche Betroffene haben das Gefühl, mit ihren Gedanken allein zu sein und mit niemandem offen sprechen zu können. Dabei haben viele das starke Bedürfnis, ihre Krankheitserfahrungen zu ordnen und Wege zu finden, damit umzugehen.

Ein weiterer häufiger Wunsch ist der nach konkreter Unterstützung im Alltag, um mit den Folgen der Erkrankung besser umgehen und ein möglichst eigenständiges Leben führen zu können.

Welche Hilfen gibt es?

Es gibt verschiedene Stellen, an die sich Menschen mit Schizophrenie und ihre Angehörigen wenden können:

  • Sozialpsychiatrische Dienste bieten Beratung, Unterstützung im Alltag und Hilfe in Krisensituationen an.
  • Psychiatrische Praxen und psychiatrische Institutsambulanzen, die an Kliniken angeschlossen sind: Dort kann die gestellt und eine Behandlung angeboten werden.
  • Ärztliche oder psychologische Praxen können Psychotherapien anbieten, wenn die Therapeutinnen oder Therapeuten die Zusatzbezeichnung „Psychotherapeut/in“ haben.
  • Selbsthilfegruppen ermöglichen den Austausch mit anderen Betroffenen.
  • Die Telefonseelsorge bietet anonyme Beratung rund um die Uhr an und kann auch weitere Hilfen vermitteln.
  • Psychiatrische Kliniken bieten rund um die Uhr Hilfe in Notfällen an, wenn sofort behandelt werden muss.

Darüber hinaus steht eine ganze Reihe psychosozialer Angebote zur Verfügung. Mit ihrer Hilfe lernt man Strategien kennen, sich im Alltag selbst zu helfen und mit der Erkrankung zurechtzukommen. Andere sollen vor allem dabei unterstützen, Probleme in der Familie oder im Beruf zu lösen.

Eine Schizophrenie kann es erschweren, beruflich Fuß zu fassen oder an den Arbeitsplatz zurückzukehren. Verschiedene Beratungsangebote helfen bei beruflichen Problemen. Eine wichtige Anlaufstelle ist zum Beispiel die Agentur für Arbeit. Neben der persönlichen Beratung vermittelt sie auch Wiedereingliederungsmaßnahmen und Weiterbildungen.

Was bietet eine Behandlungsvereinbarung?

Eine Behandlungsvereinbarung ist ein schriftliches Dokument, in dem formuliert wird, wie man bei einer erneuten akuten Psychose behandelt werden möchte. Die Vereinbarung wird deshalb mit der behandelnden Klinik abgeschlossen. Das Dokument wird gemeinsam mit der Therapeutin oder dem Therapeuten und einer Pflegefachkraft ausgefüllt, unter Umständen auch mit Angehörigen oder einem gesetzlich Betreuenden.

In der Behandlungsvereinbarung lässt sich beispielsweise festlegen,

  • von wem oder in welcher Klinik man behandelt werden möchte,
  • ob die Psychose mit Medikamenten behandelt werden soll,
  • welche Medikamente eingesetzt werden sollen und in welcher Dosierung,
  • ob und wenn ja, auf welche weiteren Hilfen zurückgegriffen werden soll (zum Beispiel solche, die bereits in vorherigen Krisensituationen geholfen haben),
  • welche Behandlungen man nicht wünscht,
  • wer in einer akuten Krankheitsphase benachrichtigt werden soll – aber auch, mit wem man keinen Kontakt haben möchte,
  • wie mit Zwangsmaßnahmen umzugehen ist und
  • welche persönlichen Angelegenheiten zu regeln sind (Wohnung, Arbeitgeber, Finanzen, Versorgung von Angehörigen, wichtige Termine).

Ärztinnen und Ärzte können allerdings von den Festlegungen in der Behandlungsvereinbarung abweichen, wenn eine andere Situation eintritt als in der Vereinbarung beschrieben oder eine Gefahr nicht anders abwendbar ist.

Was kann man tun, wenn man Anzeichen für eine akute Psychose spürt?

Da sich eine akute Psychose schon einige Zeit vorher ankündigen kann, ist es möglich, auf typische Situationen und Anzeichen zu reagieren und gegenzusteuern. Zu akuten Psychosen kommt es häufig bei starkem Stress, zum Beispiel in Zeiten großer Lebensveränderungen. Sie können durch besonders starke Gefühle wie ausgeprägte Angst begünstigt werden. Vermutlich kann schlechter Schlaf das Risiko weiter erhöhen.

Deshalb kann es sinnvoll sein, mögliche Einflussfaktoren zu prüfen: Wo erlebe ich gerade besonderen Stress? Wie kann ich diesen verringern? Was macht mir Angst? Was kann mir helfen, besser zu schlafen? Welche Hobbys tun mir gut? Habe ich gerade Konflikte mit anderen Menschen? Wie kann ich diese lösen? Kann ich mich an Freunde und Familie wenden und ihnen von meinen Problemen berichten? Oder wende ich mich lieber an Fachleute oder eine Selbsthilfegruppe?

Weitere Möglichkeiten, auf Anzeichen einer akuten Psychose zu reagieren, sind:

  • Zur Psychotherapeutin oder zum Psychotherapeuten gehen: Ist man in psychotherapeutischer Behandlung, sind sie wichtige Ansprechpartner, um zu klären, welche Schritte sinnvoll sind. Es ist aber auch möglich, die psychotherapeutische Sprechstunde einer Praxis aufzusuchen, die man noch nicht kennt.
  • Zur Ärztin oder zum Arzt gehen: Am besten ist, sich an jemanden zu wenden, der einen schon länger behandelt, die eigene Situation kennt und zu dem ein gutes Verhältnis besteht. Mit ihr oder ihm lässt sich dann auch besprechen, ob es sinnvoll ist, Medikamente einzunehmen und ob ein Klinikaufenthalt ratsam ist.
  • Psychosoziale Krisendienste in Anspruch nehmen: Solche Dienste sind in manchen Städten vorhanden und können bei akuten Problemen helfen.
  • Erlernte Strategien anwenden, um Symptome zu lindern: Im Rahmen einer Psychotherapie oder in Schulungsprogrammen werden bestimmte unterstützende Techniken vermittelt, die helfen können, Beschwerden zu begrenzen.

Bei Anzeichen für eine akute Psychose kann man sich an jede Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie wenden. Zudem gibt es in einigen Städten spezialisierte Früherkennungszentren für Psychosen.

Was kann im Alltag noch helfen?

Die Probleme der Erkrankung beschränken sich nicht nur auf akute psychotische Phasen. Viele spüren die Folgen auch dann, wenn sie gerade keine akute Psychose haben. Sie sind dann beispielsweise sehr antriebslos und haben Konzentrations- und Gedächtnisprobleme. Manche ziehen sich sozial zurück und haben Probleme, beruflich Fuß zu fassen und ihren Alltag ohne fremde Hilfe zu bewältigen. Menschen mit Schizophrenie berichten, dass ihnen ganz unterschiedliche Dinge im Alltag helfen:

  • aktiv sein
  • sich Hobbys suchen
  • Sport und Bewegung
  • Yoga, Entspannungsübungen
  • in eine Gruppe eingebunden sein, etwa in einem Chor oder Sportverein
  • den Alltag klar strukturieren
  • lesen
  • sich mit religiösen oder philosophischen Fragen beschäftigen
  • sich beruflich einbringen
  • sich ehrenamtlich engagieren

Viele betonen, dass es ihnen wichtig ist, ein Selbstbild unabhängig von ihrer Erkrankung zu entwickeln: Sie wollen nicht als schizophren wahrgenommen werden, sondern genauso vielfältig wie andere Menschen auch. Empathie und Zuwendung von anderen werden als besonders wertvoll empfunden – ebenso Gesprächspartner und Menschen, denen man vertraut, mit denen man sich wohl fühlt und mit denen man sich austauschen kann. Neben der Familie, Freunden und Bekannten können dies andere Betroffene oder auch Fachleute aus Sozialarbeit oder Psychotherapie sein. Das Leben trotz der Erkrankung als sinnvoll zu empfinden und das Gefühl zu haben, sich selbst helfen zu können, ist eine wichtige Stütze bei der Bewältigung der Erkrankung.

Soll man anderen Menschen von der Erkrankung erzählen?

Dies kann eine schwierige Entscheidung sein, die jeder für sich selbst treffen muss. Viele Menschen mit Schizophrenie stellen sich zum Beispiel die Frage, ob sie Kollegen davon erzählen sollen. Ein offener Umgang mit der Erkrankung kann den Vorteil haben, dass andere Menschen dann mehr Verständnis für die eigene Situation entwickeln und sich darauf einstellen können.

Auf der anderen Seite kann man auf Vorurteile stoßen und riskiert, in eine bestimmte Schublade gesteckt zu werden. Vor einer solchen Entscheidung kann es hilfreich sein, sich zum Beispiel mit anderen Betroffenen oder psychotherapeutischen Fachleuten auszutauschen.

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Erstellt am 28. November 2018
Nächste geplante Aktualisierung: 2021

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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