Wie wird eine anfallsartige Vorhoftachykardie behandelt?

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PantherMedia / ridofranz

Wenn das Herz ab und zu sehr schnell schlägt, kann eine anfallsartige Vorhoftachykardie die Ursache sein. Der zu schnelle Herzschlag lässt sich dann oft mit dem sogenannten Valsalva-Manöver wieder in ein normales Tempo bringen. Wenn das nicht hilft, sind Medikamente sinnvoll. Aufwendigere Behandlungen sind nur selten nötig.

Eine anfallsartige Vorhoftachykardie (paroxysmale supraventrikuläre ) zählt zu den häufigen, aber harmlosen Herzrhythmusstörungen. Das Herz schlägt dann für einige Minuten, selten auch länger als eine Stunde sehr schnell ().

Diese Art des Herzrasens verschwindet bei der anfallsartigen Vorhoftachykardie aber meist so plötzlich, wie es gekommen ist. Während des Anfalls kann der schnelle Herzschlag als Herzklopfen spürbar sein (sogenannte Palpitationen). Manchen Menschen wird schwindelig, übel oder sie haben Brustschmerzen – nur selten kommt es zu einer Ohnmacht und dadurch zu einem Sturz. Schwere Folgen hat eine anfallsartige Vorhoftachykardie in der Regel jedoch nicht.

Grafik: Wenn im AV-Knoten die Erregung kreist, schlägt das Herz zu schnell

Wenn im AV-Knoten die Erregung kreist, schlägt das Herz zu schnell

Es gibt mehrere Möglichkeiten, den Herzschlag bei anfallsartiger Vorhoftachykardie rasch wieder in ein normales Tempo zu bringen. Außerdem gibt es Verfahren, mit der Attacken dauerhaft unterdrückt werden sollen. Sie können zum Beispiel für Menschen sinnvoll sein, die häufig Anfälle mit starken Beschwerden haben. Generell ist es aber wichtig, dass im Vorfeld andere, insbesondere schwere Herzrhythmusstörungen wie das ausgeschlossen wurden.

Wie lässt sich das Herzrasen beenden?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine anfallsartige Vorhoftachykardie zu beenden. Zunächst kann man es mit dem recht einfachen sogenannten Valsalva-Manöver versuchen:

Wie funktioniert ein Valsalva-Manöver?

Dieses Manöver erhöht den Druck im Brustkorb. Dadurch wird ein bestimmter Nerv stimuliert (Vagusnerv), der die Weiterleitung elektrischer Reize im Herzen verlangsamt. Dies kann das Herzrasen beenden. Dazu legt man sich zum Beispiel auf den Rücken. Dann richtet man den Oberkörper etwas auf, spannt die Bauchmuskeln an und presst in den Bauch hinein. Eine andere Möglichkeit ist, den Mund zu schließen, sich die Nase zuzuhalten und zu versuchen, kräftig auszuatmen. Das Valsalva-Manöver ist einfach anzuwenden und gilt als schonend. Gute Studien zur Wirksamkeit und zu möglichen Risiken des Manövers gibt es allerdings nicht.

Eine ähnliche Wirkung auf den Vagusnerv hat es, ein Glas kaltes Wasser schnell auszutrinken oder sich ein kaltes, feuchtes Handtuch auf das Gesicht zu legen. Manche Ärztinnen oder Ärzte massieren für 5 bis 10 Sekunden eine Halsseite. Der Druck auf die Halsschlagader soll den Vagusnerv ebenfalls anregen und das Herzrasen beenden. Bei diesem Vorgehen ist es wichtig, vorher zu prüfen, ob die Blutgefäße gesund sind. Dazu hört die Ärztin oder der Arzt zum Beispiel mit dem Stethoskop den Hals ab oder untersucht ihn per Ultraschall.

Welche Medikamente kommen infrage?

Manchmal wird zunächst auch der Wirkstoff Adenosin gegeben, um den Herzrhythmus zu normalisieren. Adenosin wird in die Vene gespritzt. Mögliche Nebenwirkungen sind zum Beispiel Brustschmerzen und Atemnot.

Wenn ein Valsalva-Manöver oder Adenosin nicht gegen das Herzrasen helfen, kommen weitere Mittel infrage, die auf den Herzrhythmus wirken. Dazu gehören vor allem und Kalziumantagonisten. Sie werden bei einer Attacke ebenfalls gespritzt und können als Nebenwirkungen unter anderem Kopfschmerzen, Schwindel und einen Blutdruckabfall auslösen.

Was wird bei Komplikationen gemacht?

Selten kommt es durch eine anfallsartige Vorhoftachykardie zu Problemen. Das Herz schlägt dann zum Beispiel so schnell, dass die einzelnen Schläge nicht mehr genügend Kraft haben, um das Blut durch den Körper zu pumpen. Wenn das passiert und ein Valsalva-Manöver oder eine Adenosin-Spritze nicht geholfen haben, werden in der Regel keine weiteren Medikamente gegeben. Dann wird zügig mit einem Stromstoß behandelt, der das Herz wieder in den richtigen Rhythmus bringt. Man nennt dieses Verfahren Elektrokardioversion.

Da der Stromstoß schmerzhaft ist, wird vorher eine kurze gegeben. Für die Kardioversion wird ein Defibrillator verwendet. Er gibt den Stromstoß über zwei Elektroden ab, die auf den Brustkorb gehalten werden. Dabei kann es an den betroffenen Hautstellen zu Rötungen oder Verbrennungen kommen. Die Risiken der Kardioversion hängen aber auch mit der zusammen: Sie kann zu Atem- oder Kreislaufproblemen, Übelkeit und Erbrechen führen.

Auch wenn das Herz trotz des hohen Pulses noch kräftig genug schlägt, kann eine Elektrokardioversion manchmal sinnvoll sein – etwa wenn Medikamente nicht anschlagen oder nicht vertragen werden.

Wie lassen sich die Anfälle dauerhaft unterdrücken?

Wenn es nur selten zu Vorhoftachykardie-Anfällen kommt und die Beschwerden nur leicht sind, ist oft keine weitere Behandlung nötig. Regelmäßige Untersuchungen sind allerdings sinnvoll. Wer sich mit der Erkrankung auskennt und mit den Behandlungsmöglichkeiten gut vertraut ist, kann sich bei einer erneuten Attacke auch selbst helfen: Manche versuchen das Herzrasen mit dem Valsalva-Manöver zu beenden, einige nehmen dann Medikamente ein.

Wenn bei den Anfällen Beschwerden auftreten, wird aber oft eine empfohlen. Eine Möglichkeit ist die sogenannte Ablation. Dabei wird ein in die Leistenvene eingeführt und bis zum Herz vorgeschoben. Dort veröden die Ärztinnen oder Ärzte die Zellen, die für das Herzrasen verantwortlich sind – häufig Teile des AV-Knotens im Herzen. Zu den Risiken dieses Verfahrens zählen zum Beispiel Verletzungen durch den . Wenn bei der Ablation versehentlich normales Gewebe des AV-Knotens verletzt wird, kann das selten zu einem AV-Block führen.

Eine Alternative zu einer Ablation ist die dauerhafte Einnahme von Medikamenten, die den Herzschlag normalisieren und Anfälle unterdrücken sollen. Ähnlich wie bei einem akuten Anfall werden dazu oder Kalziumantagonisten eingesetzt.

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Erstellt am 03. Juli 2019
Nächste geplante Aktualisierung: 2022

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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