Wie wird ein Tennisarm oder Golferarm behandelt?

Foto von Patientin und Physiotherapeut (PantherMedia / Wavebreak Media Ltd) Die Beschwerden eines Tennisarms (Tennisellenbogens) oder Golferarms (Golferellenbogens) verschwinden meist nach einigen Monaten auch ohne größere Behandlung. Dehn- und Kräftigungsübungen können dazu beitragen, dass die Beschwerden schneller abklingen. Zur Behandlung werden auch viele Methoden angeboten, deren Nutzen nicht nachgewiesen ist.

Ein Tennis- oder Golferarm kann hartnäckig sein und viele alltägliche Aktivitäten erschweren. Er schmerzt und schränkt meist die Beweglichkeit von Arm und Handgelenk ein. Die typischen Beschwerden an der Außen- bzw. Innenseite des Ellenbogens können nach regelmäßiger einseitiger Belastung der Armmuskulatur auftreten.

Die Liste der Behandlungsangebote ist lang, viele von ihnen sind aber kaum untersucht. Zur Therapie des Golferarms gibt es fast gar keine Studien. Grundsätzlich kann ein Golferarm ähnlich behandelt werden wie ein Tennisarm.

Welche Behandlungen werden angeboten?

Ärztinnen und Ärzte schlagen beim Tennis- wie beim Golferarm zum Teil ganz unterschiedliche Therapien vor. Den bisherigen Studien zufolge können die folgenden Behandlungen helfen:

In erster Linie kann eine Kombination von Dehn- und Kräftigungsübungen die Beschwerden lindern. NSAR kommen für eine kurzfristige Behandlung infrage. Kortisonspritzen wirken ebenfalls schmerzlindernd, können aber den Heilungsprozess stören.

Für die Wirksamkeit der meisten folgenden Behandlungen, die ebenfalls bei einem Tennis- oder Golferarm angeboten werden, fehlen wissenschaftliche Nachweise:

  • Schienen / Bandagen: Sie werden um den Ellenbogen oder am Unterarm getragen und sollen die Muskulatur entlasten.
  • Injektionen: Spritzen in den Ellenbogen, mit verschiedenen Wirkstoffen wie Botox, Hyaluronsäure oder Eigenblut.
  • extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT): Ein Gerät erzeugt Stoß- oder Druckwellen, die über die Haut auf das Gewebe übertragen werden. Dies soll die Durchblutung im Gewebe verbessern und den Heilungsprozess fördern.
  • Lasertherapie: Das Gewebe wird mit gebündelten Lichtstrahlen behandelt. Dies soll die Durchblutung und den Zellstoffwechsel anregen.
  • transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): TENS-Geräte übertragen elektrische Reize über die Haut auf das Nervensystem. Sie sollen die Weiterleitung des Schmerzreizes ans Gehirn stören.
  • Akupunktur: Die Akupunkturnadeln werden an bestimmten Stellen in die Hautoberfläche des Arms gestochen. Auch dies soll die Schmerzwahrnehmung mindern.
  • Kälte: Der Ellenbogen wird regelmäßig mit Eisbeuteln gekühlt.
  • Massagen: Beim Tennis- oder Golferarm ist die sogenannte Querfriktionsmassage gängig. Sie setzt an den Sehnen und Muskeln an, massiert wird mit ein oder zwei Fingerkuppen.
  • Operationen: Es gibt verschiedene Eingriffe, bei denen meist Teile der Unterarmmuskulatur abgelöst sowie schmerzleitende Nerven durchtrennt und verödet werden.

Hilft es, den Arm zu schonen?

In den ersten Tagen oder Wochen nach Auftreten der Beschwerden ist es sinnvoll, den Arm möglichst wenig zu belasten und vor allem die Belastungen zu vermeiden, die die Schmerzen hervorrufen. Treten sie zum Beispiel bei bestimmten Kraftübungen auf, sollte man einige Wochen auf sie verzichten. Lassen sich bestimmte Tätigkeiten nicht ganz vermeiden – etwa Computerarbeit, Heben oder Schreiben – sollte die Belastung zumindest soweit verringert werden, dass die Schmerzen nachlassen.

Manche Menschen tragen eine Schiene oder Bandage, um die Muskulatur zu entlasten. Es ist jedoch unklar, ob dies hilfreich ist.

Erst wenn die Schmerzen deutlich abgeklungen sind, kann der Arm langsam wieder stärker belastet und mit täglichen Kräftigungsübungen begonnen werden.

Wie gut helfen Dehn- und Kräftigungsübungen?

Spezielle Dehn- und Kräftigungsübungen können den Heilungsprozess beschleunigen. Studien zeigen, dass Menschen, die konsequent solche Übungen machen, schneller schmerzfrei werden. Zudem verbessern die Übungen die Beweglichkeit. Eine manuelle Therapie kann ebenfalls helfen.

Gegen Tennisarm-Beschwerden ist die sogenannte exzentrische Trainingstherapie am besten untersucht. Bei dieser Behandlungsform wird die Streckmuskulatur im Unterarm zugleich gedehnt und gestärkt. Welche Übungen der exzentrischen Trainingstherapie am wirksamsten sind, ist noch nicht ausreichend erforscht. Wie wirksam einfache Dehnübungen (Stretching) sind, ist ebenfalls unklar.

Den bisherigen Studien zufolge ist es am wirksamsten, die Übungen etwa dreimal täglich über etwa 1 bis 3 Monate durchzuführen. Man kann damit beginnen, sobald die Schmerzen es zulassen. Wichtig ist, vorsichtig anzufangen und den Arm nicht zu überlasten. Wird der Arm zu stark belastet, können solche Übungen die Tennisarm-Beschwerden wieder verstärken.

Können Tabletten oder Salben helfen?

Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac können die Schmerzen wahrscheinlich etwas lindern. Sie bieten sich vor allem zu Anfang an, wenn die Schmerzen am stärksten sind. Die Mittel können als Gel auf den Ellenbogen aufgetragen oder als Tablette eingenommen werden. NSAR eignen sich nicht zur Einnahme über längere Zeit, da sie unter anderem zu Magenproblemen führen können. Es gibt keine Hinweise darauf, dass sie die Heilung beschleunigen.

Helfen Spritzen in den Ellenbogen?

Bei einem Tennis- oder Golferarm werden oft verschiedene Injektionsbehandlungen angeboten. Den bisherigen Studien zum Tennisarm zufolge halten sie meist nicht das, was sie versprechen. Zudem können sie Nebenwirkungen haben. In der Regel sind es vorübergehende wie etwa Schmerzen an der Einstichstelle. Mit jeder Spritze ist ein geringes Risiko für Entzündungen oder Verletzungen im Ellenbogen verbunden. Die Spritzen enthalten meist folgende Wirkstoffe:

  • Kortison: wirkt entzündungshemmend. Studien zeigen, dass Kortisonspritzen die Schmerzen vorübergehend lindern können. Allerdings gibt es Hinweise, dass sie die Heilung behindern können: So hatten Menschen, die anfangs einige Kortisonspritzen bekamen, nach einigen Monaten mehr Schmerzen als Menschen, die keine Kortisonspritzen bekamen. Häufige Kortisonspritzen bergen beispielsweise das Risiko, dass sich Gewebe zurückbildet (Atrophie) und eine sichtbare Delle am Ellenbogen verbleibt.
  • Hyaluronsäure: ein körpereigener Stoff, der sich in Gewebe und Gelenken findet. Er wird meist zur Behandlung von Arthrose eingesetzt. Eine Studie deutet an, dass Hyaluronsäure bei Tennisarm-Beschwerden wirksam sein könnte. Um ihre Vor- und Nachteile zu beurteilen, sind aber weitere Studien nötig.
  • Botox: hemmt die Signalübertragung zwischen Nervenzellen. Dadurch lähmt es die Muskulatur. Den bisherigen Studien zufolge kann Botox die Schmerzen allenfalls geringfügig lindern. Zudem können Botox-Spritzen Nebenwirkungen wie Lähmungserscheinungen in den Fingern haben, die einige Wochen andauern können.
  • Eigenblutspritzen: Dazu wird Blut aus der Armvene entnommen und anschließend in den Ellenbogen gespritzt. Vor dem Spritzen kann das Blut auf unterschiedliche Art bearbeitet werden. Eine gängige Form der Eigenblutbehandlung ist das plättchenreiche Plasma (PRP). Dabei wird das Blut in einer Zentrifuge in verschiedene Bestandteile getrennt. In den Ellenbogen wird dann eine konzentrierte Lösung mit Blutplättchen gespritzt. Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Eigenbluttherapie wirksam ist.

Die bisherigen Studien sprechen also dafür, sehr vorsichtig zu sein, wenn Injektionsbehandlungen angeboten werden. Spritzen kommen normalerweise nur dann infrage, wenn die Schmerzen sehr belastend sind und anders nicht abklingen.

Weitere Behandlungen

Für die Ultraschalltherapie deuten wenige Studien eine geringfügig schmerzlindernde Wirkung an. Es dauert vermutlich etwa 5 bis 10 Wochen, bis die Behandlung mit Ultraschallwellen spürbar wirkt. Die Therapie hat kaum Nebenwirkungen.

Keine Nachweise gibt es bislang für die Wirkung folgender Behandlungen: extrakorporale Stoßwellentherapie, transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) und Lasertherapie. Diese Behandlungen wurden zum Teil in guten Studien untersucht, die keine lindernde Wirkung feststellen konnten. Besonders die extrakorporale Stoßwellentherapie kann jedoch Nebenwirkungen haben. In den Studien kam es unter anderem zu Hautrötungen, Schmerzen, Blutergüssen und Übelkeit.

Ob Massagen oder Akupunktur helfen, ist unklar. Wie sinnvoll die Kältebehandlung ist, lässt sich nicht beurteilen.

Operationen werden meist erst angeboten, wenn die Beschwerden viele Monate bis Jahre bestehen und andere Behandlungen nicht geholfen haben. Ob eine Operation dann die Beschwerden lindern kann, lassen die bisher wenigen Studien dazu offen.