Der menschliche Körper

Wie Krebszellen wachsen und sich ausbreiten

Der menschliche Körper besteht aus Milliarden von Zellen. Zellen sind die kleinen Bausteine, aus denen die Gewebe und Organe aufgebaut sind. Zu Beginn eines Lebens besteht jeder Organismus nur aus einer einzigen Zelle. Diese Zelle hat eine Kopie von sich selbst angefertigt (Replikation) und sich dann in zwei Zellen geteilt.

Grafik: Zellteilung Zellteilung

Diese beiden Zellen haben sich dann ebenfalls vervielfacht  und geteilt, sodass aus den zwei Zellen vier Zellen geworden sind. Auch diese vier Zellen haben sich verdoppelt und in acht Zellen geteilt und so weiter.

Zellen spezialisieren sich, um bestimmte Aufgaben zu übernehmen. Manche Zellen schließen sich zusammen, um beispielsweise gemeinsam einen Finger zu bilden. Andere werden zu Hautzellen. Zellen altern und sterben nach einer bestimmten Zeit ab („programmierter Zelltod“, Apoptose), und die Zellteilung sorgt dafür, dass neue Zellen entstehen, um ihren Platz einzunehmen.

Normalerweise „wissen” Zellen aufgrund der in ihrem Erbgut enthaltenen Informationen, an welche anderen Zellen sie sich anschließen und anheften können – und sie wissen auch, wann sie ihre Teilung beenden und absterben müssen. Jeder Zelltyp erfüllt eine bestimmte Funktion und verfügt über einen speziellen Satz von Informationen oder Anweisungen. So wissen Zellen beispielsweise, wie sie die richtige Anzahl von Fingern an einer Hand bilden, und dass die Finger nur an den Händen wachsen sollen.

Jeder Finger ist mit Haut überzogen, und jeder hat einen Fingernagel. Wenn man sich in den Finger schneidet, beginnen sich die Hautzellen zu vervielfachen , und es entsteht neue Haut, um die Wunde zu verschließen. Wenn man einen Fingernagel verliert, können die Zellen einen neuen Nagel wachsen lassen. Allerdings können sie keinen zusätzlichen Finger wachsen lassen: Die Regeln, nach denen sich Zellen vermehren, sind eindeutig festgelegt, und gesunde Zellen halten sich daran.

Rolle der Hormone und des Lymphsystems

Hormone übermitteln Botschaften an die Zellen und bewirken, dass sie aktiv werden. Diese Botschaften werden mit dem Blut durch das Gefäßsystem weitergeleitet. Das Blut transportiert auch die anderen Stoffe, die Zellen für ihre Funktionsfähigkeit benötigen. So brauchen die Zellen beispielsweise Sauerstoff und Zucker, um am Leben zu bleiben.Über die Blutgefäße werden einige Abfallprodukte und das sauerstoffarme Blut abtransportiert, nachdem die Zellen den Sauerstoff aus dem Blut aufgenommen haben. Auch das Lymphsystem hilft beim Reinigen und Entsorgen von Abfallprodukten. Das Lymphsystem ist außerdem Teil des körpereigenen Abwehrsystems (Immunsystem) und transportiert auch Bakterien und Fremdkörper wieder ab.

Grafik: normaler ZellverbandNormaler Zellverband

Gutartiges und bösartiges Wachstum

Wenn das Erbgut einer Zelle gestört ist, kann sie sich krankhaft verändern. Dann unterscheiden sich die Nachkommen der Zelle von gesunden Zellen: Sie sehen anders aus und können andere Eigenschaften haben. Wenn in einem Gewebe – zum Beispiel in der Haut – solche veränderten Zellen entstanden sind, spricht man auch von einer Dysplasie. Solange es sich dabei nur um einige wenige Zellen handelt und diese vom körpereigenen Abwehrsystem im Schach gehalten werden, schaden sie nicht. Manchmal bilden sich solche Veränderungen auch von selbst wieder zurück. Wenn sich die Zellen aber immer mehr verändern, unkontrolliert zu teilen beginnen und Knoten oder Wucherungen bilden, entsteht eine von mehr als 200 Krankheiten, die „Krebs“ genannt werden. Wucherungen allgemein werden als Tumore bezeichnet.

Ein bösartiger Tumor (Krebs) unterscheidet sich von einem gutartigen oder Tumor dadurch, dass

  • er Gewebegrenzen überschreitet,
  • das umliegende Gewebe zerstört und
  • Tochtergeschwulste entwickeln kann.

Bösartige Tumore können lebensbedrohlich sein. Es gibt aber auch Krebsarten, die sich bei älteren Menschen manchmal so langsam entwickeln, dass sie zu Lebzeiten keine Beschwerden verursachen. Gutartige Tumore richten meistens nur wenig Schaden an und werden normalerweise nicht lebensbedrohlich. Doch gibt es keine Garantie dafür: So können gutartige Wucherungen durch starkes Wachstum gefährlich werden oder sich mitunter nach einer gewissen Zeit zu einem bösartigen Tumor entwickeln.

Wenn Krebszellen sich zu teilen beginnen, verhalten sie sich nicht wie normale Zellen. Sie wissen beispielsweise nicht, wann sie mit der Teilung aufhören und wann sie absterben müssen. Zum anderen haften sie nicht immer fest aneinander. Deshalb können sie sich von ihrem Zellverband trennen und durch das Gefäß- oder Lymphsystem bewegen, um an einer anderen Körperstelle zu wachsen. Diesen Vorgang bezeichnet man als Metastasierung.

Grafik: carcinoma in situCarcinoma in situ

Wenn bösartiges Gewebe, wie in der Abbildung,nach außen abgeschlossen ist und sich noch nicht in das umgebende Gewebe ausgebreitet hat, spricht man in der Medizin von einem „Carcinoma in situ”. Wenn dieser Tumor aufgehört hat zu wachsen, wird dies auch als „stumm bleiben“ bezeichnet („ruhende Krebszellen”).

Um zu wachsen, beginnt ein solcher Tumor mit der Bildung eigener Blutgefäße. Sie versorgen ihn mit zusätzlichem Sauerstoff, Glukose und Hormonen. Wenn ein Tumor ein solches Gefäßsystem bildet, nennt man das Angioneogenese (Entstehung neuer Blutgefäße). Hat ein Tumor erst einmal damit begonnen, kann er in das umgebende Gewebe eindringen. In diesem Fall spricht man von einer invasiven Krebserkrankung.

Grafik: invasive KrebserkrankungInvasive Krebserkrankung

Aktive Krebszellen können in das Blut oder das Lymphsystem gelangen und so andere Körperregionen erreichen, um sich dort anzusiedeln und erneut einen Tumor (Metastase oder Sekundärtumor) zu bilden.

Krebstherapie soll Tumor entfernen oder Wachstum begrenzen

Es gibt viele verschiedene Arten der Krebstherapie. Sie alle versuchen, den bösartigen Tumor zu entfernen oder zumindest das Wachstum und die Ausbreitung zu unterbinden. Einige Tumore können operativ entfernt werden. Manchmal werden vorher Medikamente oder eine Strahlentherapie (Radiotherapie) eingesetzt, um den Tumor vor der Operation zu verkleinern. Auch nach der Operation werden häufig Medikamente und / oder eine Strahlentherapie eingesetzt, um übriggebliebene Zellen abzutöten und so einem erneuten Wachstum des Krebses vorzubeugen.

Auch wenn der Tumor nicht operativ entfernt werden kann, kommen Medikamente und / oder eine Strahlentherapie infrage. Ob und wie bestrahlt wird oder welche Mittel geeignet sind, hängt unter anderem von der Art des Tumors und vom Krankheitsstadium ab. Bei einer Chemotherapie werden in der Regel sogenannte Zytostatika eingesetzt. Diese Wirkstoffe können Krebszellen abtöten oder dafür sorgen, dass sie sich nicht weiter vermehren. Es gibt aber auch Medikamente, die die Bildung von Blutgefäßen verhindern, die den Tumor versorgen. Auf diese Weise können sie das Wachstum des Tumors bremsen. Andere Wirkstoffe stören das Tumorwachstum, indem sie zum Beispiel den Einfluss von Hormonen und Botenstoffen auf die Zellen verringern. Mittlerweile gibt es auch Medikamente, die das körpereigene Immunsystem so beeinflussen, dass es bestimmte Krebszellen besser bekämpfen kann. Die Forschung sucht ständig nach neuen Möglichkeiten, um das Wachstum und die Ausbreitung von Krebszellen zu begrenzen.

Schlagwörter: Apoptose, C43, Carcinoma in situ, D04, D48, In-situ-Karzinom, Krebs, Zelltod