Welchen Nutzen haben HPV-Tests zur Früherkennung?

Foto von Mädchen (PantherMedia / Bernd Friedel) Neben dem Pap-Test eignet sich auch der HPV-Test zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs. Mit dem HPV-Test können mögliche Krebsvorstufen sogar besser entdeckt werden.

Unter Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) versteht man einen bösartigen Tumor, der am unteren Teil der Gebärmutter, dem Muttermund, entsteht. In Deutschland erkranken im Jahr etwa 4600 Frauen daran. Der Krebs entwickelt sich aus einer anhaltenden Infektion mit Humanen Papillomviren (HP-Viren oder HPV). Wenn sich die Viren in den Schleimhautzellen im Bereich des Muttermunds dauerhaft festsetzen, können sich die Zellen mit der Zeit verändern und über viele Jahre zu einem Krebs weiterentwickeln. Die weitaus meisten Infektionen mit HPV sind allerdings harmlos und heilen von selbst wieder aus.

Früherkennungsuntersuchungen auf Gebärmutterhalskrebs

Gebärmutterhalskrebs verursacht anfangs keine oder nur sehr wenig Beschwerden und bleibt daher lange Zeit unbemerkt. Treten Beschwerden wie zum Beispiel häufige Zwischenblutungen auf, kann der Krebs schon weit fortgeschritten sein. Früherkennungsuntersuchungen (auch Screening genannt) sollen helfen, Gewebeveränderungen (Dysplasien) so früh zu entdecken, dass sie erfolgreich behandelt werden können, bevor ein Krebs entstehen kann.

Zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs wird in Deutschland seit den 1970er Jahren eine Zellabstrich-Untersuchung eingesetzt, der Pap-Test genannt wird. Mit dieser Untersuchung lassen sich Gewebeveränderungen am Gebärmutterhals feststellen. Gesetzlich krankenversicherte Frauen haben in Deutschland ab einem Alter von 20 Jahren einmal im Jahr Anspruch auf einen Pap-Test.

Mithilfe eines Tests auf HP-Viren (HPV-Test) lässt sich herausfinden, ob eine Frau mit HPV infiziert ist und daher ein erhöhtes Risiko für Gebärmutterhalskrebs hat. Der HPV-Test selbst kann Dysplasien aber nicht erkennen. Deshalb sind bei einem auffälligen Befund der Pap-Test und eventuell weitere Untersuchungen nötig.  Der HPV-Test wird zurzeit nicht routinemäßig im Rahmen der Krebsfrüherkennung eingesetzt, sondern zählt zu den individuellen Gesundheitsleistungen, kurz IGeL, die selbst bezahlt werden müssen. Alle Krankenkassen übernehmen die Kosten aber unter bestimmten Bedingungen, zum Beispiel wenn ein Pap-Test auffällig war oder um den Behandlungserfolg nach einer Operation am Gebärmutterhals zu überprüfen. Es ist geplant, den HPV-Test künftig im Rahmen der Früherkennung in Kombination mit dem Pap-Test anzubieten.

Studien zum Nutzen von HPV-Tests

In mehreren großen Studien wurde untersucht, welchen Nutzen ein HPV-Test im Rahmen der Krebsfrüherkennung auf Gebärmutterhalskrebs im Vergleich zum Pap-Test hat. In den Studien wurde geprüft, ob der HPV-Test hilft, hochgradige Gewebeveränderungen besser  zu entdecken und Gebärmutterhalskrebs wirksamer vorzubeugen. An den sechs Studien nahmen insgesamt über 235.000 Frauen teil. Darin wurden HPV-Tests sehr unterschiedlich eingesetzt, zum Beispiel mal als Ersatz für den Pap-Test und mal als Ergänzung. Beide Tests wurden im Abstand von etwa 3 bis 5 Jahren durchgeführt. In keiner Studie wurde der jährliche Pap-Test mit dem HPV-Test verglichen.

HPV-Test zur Krebsfrüherkennung könnte Vorteile haben

Die Studienergebnisse zeigen, dass die Früherkennung mit dem  HPV-Test hochgradige Dysplasien besser erkennen kann als der Pap-Test. Beim Pap-Test allein wird etwa die Hälfte der Dysplasien übersehen. Durch den HPV-Test werden deutlich mehr Dysplasien erkannt.

Werden Pap- und HPV-Tests regelmäßig über längere Zeit in Anspruch genommen, entdecken beide die meisten Dysplasien rechtzeitig. Der HPV-Test schnitt in den Studien jedoch etwas besser ab: Weniger Frauen erkrankten an einem Zervixkarzinom, wenn sie ihn wahrgenommen hatten. Die Studien liefen über etwa fünf Jahre. In dieser Zeit zeigte sich:

  • Etwa 4 von 10.000 Frauen erkrankten an einem Zervixkarzinom, wenn sie nur den Pap-Test in Anspruch genommen hatten.
  • Dagegen erkrankte etwa eine von 10.000 Frauen, die zusätzlich oder stattdessen den HPV-Test gemacht hatten.

Die Studien konnten aber nicht die Frage beantworten, ob der HPV-Test dazu beitrug, dass weniger Frauen an Gebärmutterhalskrebs starben.

Der HPV-Test könnte auch Nachteile mit sich bringen. Viele Dysplasien entwickeln sich nicht zu Gebärmutterhalskrebs. Deshalb kann es sein, dass der HPV-Test häufiger als der Pap-Test zur Entdeckung von Dysplasien führt, die sich von selbst zurückbilden und nie zu Krebs entwickeln würden. Solche Diagnosen haben für die Frauen jedoch keinen Nutzen und können unnötige Behandlungen nach sich ziehen, wie zum Beispiel eine Operation am Muttermund (Konisation). Wie viele Frauen davon betroffen waren, bleibt allerdings unklar.

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