Was kann den Alltag erleichtern?

Foto von Großvater mit Enkelkind nach dem Angeln (Steven Mason / Photodisc / Thinkstock) Manche Eltern fragen sich, ob sie etwas falsch gemacht haben, wenn ihr Kind nicht trocken durch die Nacht kommt. An Bettnässen ist aber normalerweise niemand „schuld“. Das zu wissen, ist auch für das Kind tröstlich. Etwas Gelassenheit und praktische Maßnahmen können helfen, mit den nächtlichen Störungen umzugehen.

Wenn das Bettnässen den Familienalltag empfindlich stört oder zu einer emotionalen Belastung wird, ist eine Behandlung sinnvoll. Außerdem kann man Verschiedenes tun, um allen Beteiligten den Umgang damit zu erleichtern.

Praktisch sind zum Beispiel ein Nachtlicht und / oder leicht zugängliche Lichtschalter im Flur, Bad oder WC. Sie helfen dem Kind, möglichst rasch die Toilette zu erreichen. Ist der Weg dorthin zu lang oder die Eile groß, ist vielleicht auch ein Nachttöpfchen in Bettnähe eine Möglichkeit. Wenn das Zimmer des Kindes eher weit vom WC entfernt ist, kann – sofern möglich – auch ein Zimmertausch eine Überlegung wert sein. Zudem gibt es Windeln und Windelhöschen auch für ältere Kinder. Manchen Kindern geben sie Sicherheit, andere lehnen sie ab.

Was tun, wenn das Bett nass wird?

Mit einer guten Vorbereitung ist das Bett schnell wieder frisch bezogen, und alle können sich wieder schlafen legen. Hilfreich ist,

  • die Matratze des Kindes mit wasserdichten Auflagen oder Betttüchern vor Nässe zu schützen. Auch für Bettdecke und Kissen sind spezielle waschbare Schutzbezüge erhältlich.
  • einen sauberen Schlafanzug, frische Bettwäsche und Laken bereitzulegen – oder eine zweite, schon fertig bezogene Bettgarnitur.
  • morgens genügend Zeit einzuplanen, damit das Kind duschen und man sich um die Wäsche kümmern kann.

Je nach Alter kann das Kind mithelfen oder lernen, sein Bett selbst zu beziehen.

Manchmal riechen Schutzbezüge, Bettwäsche oder Kleidungsstücke nach dem Waschen noch immer. Dagegen hilft Spülen mit warmem Wasser, das vorher mit Soda oder einigen Tropfen Eukalyptusöl versetzt wurde. Handelsübliches Soda (Natron) gibt es in Drogerien oder Apotheken.

Körperpflege und Hygiene

Im Kindergarten, in der Schule oder im Freundeskreis kann ein Kind ausgegrenzt werden, wenn es nach Urin riecht. Auch deshalb ist gründliches Duschen gegen den Uringeruch sehr wichtig, wenn ein Kind ins Bett genässt hat. Ausgiebiges Lüften hilft, den Geruch im Kinderzimmer zu vertreiben. Zusätzlich können Duftöle oder -sprays eingesetzt werden.

Morgendliches Duschen und Eincremen sind auch wichtig, um Hautausschläge zu vermeiden. Dazu kann es kommen, wenn die Haut über Stunden Kontakt mit Urin hatte. Falls es zu einem Hautausschlag kommt, kann eine Ärztin oder ein Arzt zum Beispiel Wundschutzsalbe oder -creme mit Zinkoxid oder Dexpanthenol verschreiben. Ein Ausschlag entwickelt sich eher bei Kindern, die nachts eine Windel oder ein wasserdichtes Höschen tragen, weil die Haut dem Urin dann längere Zeit ausgesetzt ist. Auch bei Kindern mit Neurodermitis oder anderen Hauterkrankungen sind Probleme wahrscheinlicher.

Dem Kind das Bettnässen erklären

Weil auch die Gene beeinflussen, wie schnell sich die Kontrolle über die Blase entwickelt, kann Bettnässen in verschiedenen Generationen einer Familie immer wieder vorkommen. Für ein Kind kann es tröstlich sein zu erfahren, dass auch andere Angehörige früher dieses Problem hatten. Es weiß dann, dass Bettnässen nichts Ungewöhnliches ist und früher oder später von selbst aufhört. Dem Kind zu erklären, dass andere Kinder in der Schule vielleicht dasselbe Problem haben, auch wenn sie nie darüber sprechen, kann ebenfalls helfen.

Wichtig ist, dass ein Kind versteht, dass es keineswegs ein „Nachzügler“ ist, nur weil es etwas länger braucht, bis es nachts trocken ist. Vielleicht ist es in anderen Dingen genauso gut wie andere Kinder oder ihnen sogar etwas voraus? Darauf hinzuweisen, kann das Selbstbewusstsein des Kindes stärken und ihm den Umgang mit dem Bettnässen erleichtern.

Wie kann sich Bettnässen emotional auswirken?

Schon lange wird darüber diskutiert, welche Rolle psychische Auslöser für das Bettnässen spielen könnten. Allerdings sind Kummer und emotionale Probleme eher die Folge oder Begleiterscheinung des Bettnässens und nicht deren Ursache: So haben betroffene Kinder häufiger mit Scham- und Schuldgefühlen und geringem Selbstbewusstsein zu kämpfen. Den meisten Kindern ist die fehlende Kontrolle über ihre Blase sehr peinlich. Falls im Freundeskreis oder in der Klasse jemand davon erfährt, gerät ein Kind weiter unter Druck.

Emotionale Probleme als Ursache für Bettnässen spielen eher eine Rolle, wenn ein zuvor bereits trockenes Kind wieder anfängt, ins Bett zu machen. Man spricht dann von einer sekundären Enuresis.

Viele Eltern und Familien versuchen, geduldig mit dem Thema umzugehen. Sie helfen dem Kind so gut es ihnen möglich ist und warten ab, bis es „da herauswächst“. Aber nicht immer fällt es leicht, sich mitten in der Nacht gelassen oder gar aufmunternd zu zeigen. Vor allem wenn ein Kind nur wenig motiviert scheint, trocken zu werden, kann es auch passieren, dass man ungeduldig und ärgerlich reagiert. Den Ärger oder die Erschöpfung seiner Eltern zu spüren, belastet ein Kind aber zusätzlich.

Auch wenn Behandlungen wiederholt fehlschlagen, kann das Selbstwertgefühl eines Kindes leiden. Wichtig ist, ihm Halt zu geben und dafür zu sorgen, dass es nicht von seinen Geschwistern gehänselt wird. Normalerweise werden Kinder wieder selbstbewusster, wenn das Bettnässen aufhört.

Wie lässt sich die Scham überwinden?

Manchmal empfinden auch Eltern das Bettnässen ihres Kindes als peinlich, oder sie schämen sich für ihr Kind. Sie sorgen sich, was andere von ihm denken oder dass sie über ihr Kind reden.

Vielen Kindern geht es wahrscheinlich ähnlich: Sie vergleichen sich mit Gleichaltrigen und haben Angst davor, dass andere etwas herausbekommen und sich dann über sie lustig machen. Deshalb trinken viele Kinder weniger oder meiden nach Möglichkeit Situationen, in denen sie sich nicht sicher fühlen, wie Klassenfahrten oder Übernachtungen bei Freunden. Manche Kinder weigern sich auch, eine Freundin oder einen Freund nach Hause einzuladen, aus Sorge, dass sie Anzeichen für ihr Problem entdecken könnten wie die Plastikplane im Bett oder einen Uringeruch.

Wenn das Kind es möchte, kann es aber einen Versuch wert sein, es eine Nacht bei verständnisvollen Freundinnen oder Freunden schlafen zu lassen. Manche Kinder bleiben in einer anderen Schlafumgebung leichter trocken. Vielleicht liegt es daran, dass sie in einem fremden Bett weniger tief schlafen als im eigenen. Kleidungsstücke zum Wechseln oder ein unauffälliges Schutzhöschen verringern die Unannehmlichkeiten, wenn es doch zu einem Missgeschick kommen sollte.

Manche Eltern trauen sich nicht, das Bettnässen außerhalb der Familie anzusprechen, also zum Beispiel mit befreundeten Müttern und Vätern. Die Sorgen mit anderen Menschen zu teilen, kann aber durchaus hilfreich sein.