Warum wird Männern eine Früherkennungsuntersuchung der Bauchaorta angeboten?

Foto von Mann beim Walking (PantherMedia / Viktor Cap) Männer über 65 Jahre entwickeln häufiger ein Aneurysma der Bauchaorta als andere Menschen. Daher wird ihnen eine Früherkennungsuntersuchung der Bauchaorta angeboten. Sie verringert das Risiko, dass ein Aneurysma reißt und man stirbt. Die Behandlung kann aber schwerwiegende Komplikationen mit sich bringen.

Ein Aneurysma der Bauchschlagader reißt zwar nur selten. Wenn dies passiert, ist es aber ein Notfall und lebensbedrohlich. Für Männer ab 65 Jahren kann eine Früherkennungsuntersuchung auf Bauchaortenaneurysmen sinnvoll sein. Sie dient dazu, große Aneurysmen zu entdecken, sodass sie vorbeugend operiert werden können. So soll ein Riss verhindert werden. Bei kleineren Ausbuchtungen wird regelmäßig kontrolliert, ob sie wachsen.

Allerdings hat die frühe Erkennung auch Nachteile: Es werden auch Aneurysmen entdeckt, die nie gesundheitliche Probleme bereitet hätten. Wenn ein Mann weiß, dass er ein Aneurysma hat, kann das für ihn sehr belastend sein.

Welche Ergebnisse liefert die Untersuchung?

Bei der Früherkennung wird der Durchmesser der Bauchschlagader mit einem Ultraschallgerät gemessen. Vom Ergebnis dieser Untersuchung hängt das weitere Vorgehen ab.

Wenn sich 1000 Männer ab 65 Jahren untersuchen lassen, ist mit folgenden Ergebnissen zu rechnen:

  • Etwa 980 von 1000 Männern haben kein Aneurysma: Der Durchmesser ihrer Bauchschlagader ist kleiner als 3 cm. Dieses Ergebnis ist unauffällig.
  • Etwa 18 von 1000 Männern haben ein kleines bis mittleres Aneurysma: Bei einem Durchmesser zwischen 3 und 5,4 cm empfehlen Fachleute, die Bauchschlagader regelmäßig per Ultraschall zu kontrollieren. Wenn sie sich weiter dehnt, kann später ein operativer Eingriff sinnvoll sein.
  • Etwa 2 von 1000 Männern haben ein großes Aneurysma: Bei einem Durchmesser ab 5,5 cm ist das Risiko für einen Riss vergleichsweise hoch. Dann wird meist ein operativer Eingriff empfohlen.

Die folgende Grafik zeigt die Ergebnisse der Untersuchung noch einmal.

Grafik: Was passiert, wenn 1000 Männer ab 65 Jahren zur Früherkennung gehen?Auf einen Blick: Was passiert, wenn 1000 Männer ab 65 Jahren zur Früherkennung gehen?

Aber:

  • Auch bei einem unauffälligen Ergebnis kann sich später noch ein Aneurysma entwickeln.
  • Auf der anderen Seite hätte nicht jedes Aneurysma, das gefunden wird, jemals gesundheitliche Probleme bereitet.

Welche Vorteile hat die Untersuchung?

Vor allem bei einem großen Aneurysma besteht die Gefahr, dass es in den nächsten Jahren unerwartet reißt. Das kann tödlich sein.

Studien haben untersucht, wie viele Risse und Tode langfristig vermieden werden können, wenn man ein Aneurysma frühzeitig entdeckt. Die folgende Schätzung zeigt, was man in den 13 Jahren nach der Ultraschalluntersuchung ungefähr erwarten kann:

Von 1000 Männern ab 65 Jahren ...
  ... reißt ein Aneurysma ... sterben an einem Aneurysma
Ohne Früherkennung bei etwa 7 etwa 6
Mit Früherkennung bei etwa 4 etwa 3
Das heißt: Von 1000 Männern werden… … etwa 3 vor einem Riss bewahrt … etwa 3 vor dem Tod durch ein Aneurysma bewahrt

Welche Nachteile hat die Untersuchung?

Ein Teil der Aneurysmen, die bei der Untersuchung gefunden werden, wäre ohne Früherkennung niemals aufgefallen. Sie wären nicht gerissen, Kontrolluntersuchungen oder operative Eingriffe wären nicht erforderlich gewesen. Leider lassen sich solche harmlosen Aneurysmen nicht sicher von gefährlichen unterscheiden.

Nach Schätzungen bleibt etwa die Hälfte der entdeckten Aneurysmen harmlos. Es sind vor allem kleine Aneurysmen, die niemals aufgefallen wären. Das bedeutet:

Etwa 20 von 1000 Männer, die an der Untersuchung teilnehmen, erfahren von einem Aneurysma. Bei etwa 10 von ihnen hätte das Aneurysma aber keine Probleme bereitet.

Was ändert sich, wenn man von einem Aneurysma weiß?

Die Diagnose kann unterschiedliche und auch widersprüchliche Gefühle auslösen. Manche Männer sind froh, dass ihr Aneurysma erkannt wurde – die Kontrolluntersuchungen geben ihnen ein Gefühl der Sicherheit.

Andere Männer hätten im Nachhinein lieber nicht von dem Aneurysma erfahren. Denn dieses Wissen kann Angst auslösen und verunsichern.

Viele Männer leben fortan in dem Bewusstsein, dass ihr Leben gefährdet ist. Beschwerden wie Bauchschmerzen können beängstigend sein. Außerdem schränken viele Männer aus Sorge vor einem Riss ihren Alltag ein. Sie werden vorsichtiger und meiden körperliche Belastungen.

Was geschieht bei einem operativen Eingriff?

Bei einer vorbeugenden Operation gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Das Aneurysma wird geöffnet und durch ein künstliches Gefäßstück ersetzt. Für diese Operation ist ein Bauchschnitt erforderlich.
  • In das Aneurysma wird ein Röhrchen eingesetzt. Für diesen Eingriff ist ein kleiner Schnitt in der Leiste erforderlich. Über diesen Schnitt wird das Röhrchen mit einem Katheter eingeführt und bis zum Aneurysma vorgeschoben.

Beide Eingriffe können Leben retten. Sie können aber auch zu schwerwiegenden Komplikationen führen, beispielsweise einem Herzinfarkt, Schlaganfall oder einer Lungenentzündung.

Deshalb muss individuell beurteilt werden, ob die Gefahr, die von einem Aneurysma ausgeht, einen operativen Eingriff rechtfertigt. Die Entscheidung dafür oder dagegen hängt auch von dem Gesundheitszustand eines Mannes ab und davon, wie er selbst die Vor- und Nachteile eines Eingriffs einschätzt.

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