Periduralanästhesie (PDA) und Schmerzmittel zur Linderung von Geburtsschmerzen

Foto von Frühgeborenem (PantherMedia / Grzegorz Placzek) Viele Frauen denken während der Schwangerschaft darüber nach, wie sie mit den Schmerzen während der Entbindung umgehen können. Manche wollen auf Medikamente eher verzichten. Für andere ist es beruhigend zu wissen, dass es wirksame Möglichkeiten gibt, die Schmerzen zu lindern. Viele entscheiden sich dann für eine Periduralanästhesie (PDA).

Beim Umgang mit den Schmerzen kann es einer Frau häufig schon helfen, wenn sie während der Geburt persönlichen Zuspruch und Unterstützung durch ihren Partner, eine Freundin oder andere Nahestehende erhält. Auch mit nicht medikamentösen Mitteln wie Umhergehen, bewusstem Atmen, Wärme oder Entspannungsübungen lassen sich die Schmerzen etwas erträglicher machen.

Zusätzlich bieten Geburtskliniken auch medikamentöse Verfahren an. Sie lindern die Schmerzen wirksam, erlauben es aber trotzdem, die Geburt wach mitzuerleben. Normalerweise stehen einer werdenden Mutter mehrere Alternativen zur Verfügung. Am wirksamsten ist eine lokale Betäubung, die sogenannte Periduralanästhesie (PDA), auch „Rückenspritze“ genannt. Sie ist die häufigste Form der medikamentösen Schmerzlinderung während der Geburt.

Was ist die Periduralanästhesie?

Eine PDA ist eine Narkosetechnik, bei der die Weiterleitung der Schmerzsignale vom Rückenmark zum Gehirn gezielt unterbunden wird. Dazu wird eine kleine Menge Betäubungsmittel in den Periduralraum gespritzt. Der Periduralraum ist mit Flüssigkeit gefüllt und umgibt das Rückenmark. An bestimmten Stellen münden Nerven (Spinalnerven) in das Rückenmark, die Schmerzsignale aus dem Körper ins Gehirn leiten. Das Medikament betäubt die Spinalnerven und blockiert so die Schmerzweiterleitung. Es kann nicht bei Frauen eingesetzt werden, die zum Beispiel eine Allergie gegen Betäubungsmittel oder eine Störung der Blutgerinnung haben.

Für eine Entbindung wird die Narkose im Bereich der Lendenwirbelsäule gesetzt. Wenn dies gut gelingt, spürt die Frau im Unterleib keine Schmerzen mehr. Bei niedriger Dosierung kann sie aber weiter die Beine bewegen und mit etwas Unterstützung umhergehen. Eine PDA kann auch zur Teilnarkose verwendet werden, falls ein Kaiserschnitt erforderlich werden sollte.

Da eine einmalige Spritze häufig nicht für die gesamte Geburt ausreicht, wird meist ein Katheter gelegt und auf dem Rücken befestigt. Dieser feine Schlauch aus Kunststoff wird mithilfe einer speziellen Nadel bis in den Periduralraum vorgeschoben. Über den Katheter lässt sich bei Bedarf weiteres Betäubungs- und auch Schmerzmittel spritzen. Häufig tun Ärztinnen und Ärzte das per Hand, oder an den Katheter ist eine kleine Pumpe angeschlossen, die fortwährend kleine Mengen liefert. Manchmal kann die Frau die Pumpe auch selbst bedienen, um die Medikamentendosis an ihren Bedarf anzupassen.

Während der PDA erhält eine Frau außerdem eine weitere Kanüle in eine Armvene, an die ein Tropf angeschlossen werden kann. Dies ist auch eine Sicherheitsmaßnahme: So kann es vorkommen, dass während einer PDA der Blutdruck plötzlich absackt. Über die Kanüle kann dann sehr schnell ein entsprechendes Gegenmittel gegeben werden.

Um nicht zu viel Narkosemittel auf einmal zu spritzen, wird die Dosis meist schrittweise erhöht. Im Normalfall macht sich die schmerzlindernde Wirkung nach 10 bis 20 Minuten bemerkbar. Manchmal brauchen die Ärztinnen und Ärzte etwas Zeit, um mit der Injektionsnadel die richtige Stelle im Rücken zu treffen, oder es gelingt ihnen gar nicht.

Wie gut wirkt die PDA?

Eine PDA ist sehr wirksam und kann die Schmerzen fast immer besser lindern als andere Medikamente. Die meisten Frauen spüren mit einer PDA gar keine oder nur noch geringe Schmerzen. Schätzungsweise eine von 100 Frauen benötigt neben der PDA zusätzliche Schmerzmittel. Zum Vergleich: Etwa 28 von 100 Frauen, bei denen von Anfang an andere Methoden zur Schmerzdämpfung eingesetzt wurden, benötigen zusätzlich oder wiederholt Schmerzmittel während der Entbindung.

Welche Nebenwirkungen hat die PDA?

Bei einer PDA können verschiedene lokale Betäubungsmittel eingesetzt werden, die sich auch in ihren Nebenwirkungen unterscheiden. Manche Mittel können Juckreiz auslösen. Dann kann der Wechsel auf ein anderes Medikament hilfreich sein. Über Einzelheiten klären Narkoseärztinnen und -ärzte jede Frau vor der PDA auf. Häufige Nebenwirkungen sind:

  • niedriger Blutdruck: Bei etwa 14 von 100 Frauen fällt als Folge der PDA der Blutdruck ab. Dies kann dazu führen, dass ihnen schwindelig oder übel wird.
  • Fieber: Ungefähr 23 von 100 Frauen bekommen durch eine PDA Fieber – dies ist nur bei etwa 7 von 100 Frauen der Fall, die eine andere Schmerzbehandlung bekommen.
  • Probleme beim Wasserlassen: Die Narkose des Unterleibs kann auch das Wasserlassen erschweren. Manche Frauen benötigen daher einen Katheter, damit der Urin während der PDA aus der Blase ablaufen kann. Nach groben Schätzungen kommt es bei 15 von 100 Frauen durch die PDA zu Problemen beim Wasserlassen.

Eine PDA kann zudem zu Taubheitsgefühlen oder Kribbeln in den Beinen führen. Es kann vorkommen, dass Narkoseärzte bei der Injektion zu tief stechen und die innere Schutzhülle des Rückenmarks verletzen. Dabei kann Nervenwasser austreten, der sogenannte Liquor. Wenn viel Liquor ausgetreten ist, kann dies starke Kopfschmerzen auslösen, die einige Tage andauern können. Dies passiert bei etwa einer von 100 Frauen. Insgesamt haben die Frauen nach einer PDA nicht häufiger Kopfschmerzen als die Frauen, deren Geburtsschmerzen auf andere Weise behandelt werden.

Manche Frauen machen sich Sorgen, dass eine PDA anhaltende Rückenschmerzen auslösen könnte. Nach dem Stand des Wissens sind Rückenschmerzen bei Frauen, die mit einer PDA entbunden haben, nach der Geburt aber nicht häufiger als bei Frauen, die während der Entbindung andere schmerzlindernde Medikamente verwenden.

Wie wirkt die PDA auf das Kind? Verändert sie den Geburtsverlauf?

Jedes Medikament, das eine Frau während der Geburt einnimmt, gelangt über die Nabelschnur auch in den Körper des Kindes. Das gilt für Schmerzmittel und auch für die bei der PDA eingesetzten Narkosemittel. Auf das Baby hat die Betäubung aber keine stärkeren Auswirkungen als andere Schmerzmittel, die während der Geburt infrage kommen. Langfristige Nachteile durch eine PDA sind nicht bekannt. Ein Unterschied ist aber, dass Geburten unter einer PDA im Durchschnitt etwas länger dauern. Das könnte daran liegen, dass einige Kinder sich bei einer PDA langsamer in die richtige Geburtsposition drehen.

Es hat sich gezeigt, dass Entbindungen mit einer PDA etwas häufiger durch Saugglocken oder Zangen unterstützt werden müssen:

  • Ohne PDA wird bei etwa 10 von 100 Frauen eine Saugglocke oder Zange eingesetzt.
  • Mit PDA ist dies bei schätzungsweise 14 von 100 Frauen der Fall.

Bevor das Kind mithilfe von Saugglocke oder Zange entbunden werden kann, ist meist ein Dammschnitt nötig, der dann genäht werden muss.

Einige Frauen haben trotz der Betäubung ein Bedürfnis zu pressen. Weil sie infolge der PDA aber kein Gespür mehr für den günstigsten Zeitpunkt haben, müssen Hebammen, Ärztinnen oder Ärzte ihnen einen Hinweis geben, wann sie mit dem Pressen anfangen sollen.

Kann man mit einer PDA aufstehen?

Die PDA lässt sich so niedrig dosieren, dass es möglich bleibt, während der ersten Phase der Geburt aufzustehen und umherzugehen. In dieser sogenannten Eröffnungsphase dehnt sich der Gebärmutterhals und der Muttermund öffnet sich. Das Umhergehen soll später die eigentliche Entbindung erleichtern. Vergleiche zeigen aber, dass Geburten bei Frauen mit PDA, die in der Eröffnungsphase umhergehen, nicht anders verlaufen als bei Frauen, die liegen bleiben.

Während der letzten Phase der Geburt, der Austreibungsphase, wird manchmal empfohlen, sich aufrechter zu halten, also beispielsweise das Kopfteil des Bettes hochzustellen oder sich am Partner anzulehnen. Bislang ist nicht bekannt, ob dies wirklich etwas am Geburtsverlauf ändert. Daher wählt eine Frau am besten die Position, die für sie am angenehmsten ist.

Kommt es durch die PDA häufiger zu Kaiserschnitten?

Eine PDA erhöht nicht das Risiko für einen Kaiserschnitt. Wenn im Verlauf der Geburt dann aber doch die Entscheidung fällt, das Kind per Kaiserschnitt zu holen, kann eine höher dosierte PDA der werdenden Mutter eine Vollnarkose ersparen. Sie kann die Geburt ihres Kindes dann unter der Teilnarkose bewusst miterleben. Während der Kaiserschnitt-Operation wird ein Vorhang über den Bauch der Frau gespannt, sodass weder sie noch ihr Partner, der an ihrer Kopfseite sitzt, den Eingriff sehen können. Die Frau bleibt aber wach genug, um ihr Kind nach dem Eingriff gleich in die Arme zu nehmen.

Was Studien sagen

Spinalanästhesie und Pudendusblockade

Die Spinalanästhesie funktioniert ähnlich wie die PDA; die Narkosemittel werden aber noch näher an das Rückenmark gespritzt: in den sogenannten Hirnwasserraum. Dadurch wird die gesamte untere Körperhälfte betäubt. Eine Spinalanästhesie wirkt schneller als eine PDA. Deshalb wird sie beispielsweise dann eingesetzt, wenn ein Kaiserschnitt erforderlich wird und es für eine PDA zu spät ist.

Es gibt aber auch die Möglichkeit, Spinal- und Periduralanästhesie zu kombinieren. Ob dies im Vergleich zur alleinigen PDA wesentliche Vor- oder Nachteile hat, ist unklar. Durch die Kombination tritt die schmerzlindernde Wirkung etwas schneller ein, allerdings kann sie eher zu Juckreiz führen.

In der letzten Phase der Geburt, der Austreibungsphase, kann eine sogenannte Pudendusblockade vorgenommen werden. Dabei wird Betäubungsmittel in das Gewebe im Bereich der Scheide und des Damms gespritzt. Dies wird aber meist nur dann gemacht, wenn die Geburt nicht vorankommt und mithilfe einer Saugglocke oder Geburtszange entbunden werden muss.

Wie wirken Schmerzmittel?

Schmerzlindernde Mittel können auch direkt ins Blut gespritzt oder eingeatmet werden. Sie wirken dann auf den ganzen Körper der Frau, nicht nur auf ihren Unterleib. Ein Vorteil im Vergleich zur lokalen Betäubung ist, dass kein Katheter gelegt werden muss. Schmerzmittel wirken aber weniger zuverlässig, manche haben auch mehr Nebenwirkungen.

Opioide

Opioide können in den Muskel gespritzt oder über einen feinen Schlauch in eine Vene geleitet werden. Auf diesem Weg verabreicht, lindern Opioide die Schmerzen nicht so stark wie eine Periduralanästhesie, können aber manchen Frauen helfen. Studien zeigen allerdings, dass bis zu zwei Drittel der Frauen, die Opioide erhalten, ein oder zwei Stunden danach noch mittelstarke oder starke Schmerzen haben. Nebenwirkungen können Blutdruckabfall, Übelkeit, Erbrechen und Benommenheit sein. Je höher die Dosis ist, desto eher treten Nebenwirkungen auf.

Opioide können unter Umständen die Atmung des Babys beeinträchtigen. Dann muss es möglicherweise ein Medikament gegen diese Wirkung bekommen, einen sogenannten Morphinantagonist. Manchmal erhält auch die Mutter ein solches Mittel. Morphinantagonisten schwächen aber nicht nur die Nebenwirkungen, sondern auch die schmerzlindernde Wirkung der Opioide ab.

Lachgas

Schmerzmittel durch eine Maske einzuatmen (zu inhalieren), war früher eine beliebte und häufig eingesetzte Methode. Zur Schmerzbehandlung während der Geburt wurde im Allgemeinen Lachgas (Distickstoffmonoxid) eingesetzt. Heute wird es kaum noch verwendet, weil es die Schmerzen nicht so verlässlich stillt wie andere Mittel. Es hat allerdings den Vorteil, dass eine Frau selbst kontrollieren kann, wie viel sie einatmet. Die Wirkung tritt rasch ein, klingt aber auch schnell wieder ab. Es kann Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit und Schwindel auslösen. Nebenwirkungen für das Baby sind bislang nicht bekannt, aber auch noch nicht abschließend erforscht.

Weitere Mittel

Andere Medikamente wie Paracetamol, nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) oder Beruhigungsmittel spielen bei der Behandlung von Geburtsschmerzen kaum eine Rolle. Sie sind im Vergleich zu den anderen Möglichkeiten nicht sehr wirksam.

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