Einleitung

Olaparib (Handelsname Lynparza) ist seit Mai 2018 für Frauen mit hochgradigem epithelialen Eierstockkrebs, Eileiterkrebs oder primären Bauchfellkrebs zugelassen, die einen späten Rückfall haben und auf eine platinbasierte Chemotherapie ansprechen.

Die Ursachen für Eierstockkrebs sind nicht vollständig geklärt. Oft finden sich verschiedene Veränderungen im Erbgut der Zellen (Mutationen). Sie betreffen häufig die Gene BRCA-1 oder BRCA-2, die auch beim Brustkrebs eine Rolle spielen. Die Abkürzung „BRCA“ steht für „Breast Cancer Gene“ (englisch für „Brustkrebsgen“).

Seit Dezember 2014 war Olaparib bereits für Patientinnen mit einem verändertem BRCA-Gen und serösem Primärtumor zugelassen. Der Begriff serös beschreibt eine bestimmte Beschaffenheit des Tumorgewebes. Seit Mai 2018 kommt Olaparib auch für Patientinnen mit nicht-serösem Primärtumor infrage sowie für Patientinnen mit unverändertem BRCA-Gen.

Weil anfangs keine oder nur unspezifische Beschwerden auftreten, bleibt Eierstockkrebs häufig lange unbemerkt. Wenn der Krebs dann diagnostiziert wird, ist er meist schon fortgeschritten. Ein fortgeschrittener Eierstockkrebs wird operativ entfernt. Gewöhnlich schließt sich eine platinhaltige Chemotherapie an. Kommt es zu einem Rückfall (Rezidiv), unterscheiden Fachleute zwei Rezidivarten:

Olaparib hemmt verschiedene Eiweißstoffe, die das Krebswachstum beeinflussen.

Anwendung

Olaparib gibt es als Hartkapsel (50 mg Olaparib) und als Tablette in zwei Dosierungen (100 und 150 mg). Kapseln und Tabletten dürfen nicht beliebig ausgetauscht werden.

  • Kapseln: Es werden 2-mal täglich 8 Kapseln eingenommen. Dies entspricht einer Tagesdosis von 800 mg Olaparib.
  • Tabletten: Es werden 2-mal täglich 2 Tabletten mit 150 mg Olaparib eingenommen. Die Tagesdosis entspricht 600 mg Olaparib. Wenn die Dosis verringert werden soll, können geringer dosierte Tabletten mit 100 mg Olaparib verwendet werden.

Andere Behandlungen

Für Frauen mit hochgradigem epithelialen Eierstockkrebs, die ein platinsensitives Rezidiv haben, kommt nach einer platinhaltigen Chemotherapie ein abwartendes Beobachten infrage. Das bedeutet: Die Patientin wird weiterhin betreut und neu auftretende Beschwerden werden abgeklärt. Therapieentscheidungen werden gemeinsam mit der Patientin getroffen. Es gibt keine festen Untersuchungsintervalle.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2018 geprüft, ob Olaparib für Frauen mit hochgradigem epithelialen Eierstockkrebs, die ein platinsensitives Rezidiv haben, Vor- oder Nachteile im Vergleich zum abwartenden Beobachten hat.

Der Hersteller legte zwei Studien vor, aus denen die Daten von 560 Patientinnen ausgewertet werden konnten. Fast alle Frauen waren an einem serösen Eierstockkrebs erkrankt. Aussagen zu den Vor- und Nachteilen von Olaparib sind deshalb für Frauen mit einem platinsensitiven Rezidiv eines hochgradigen nicht-serösen epithelialen Eierstockkrebs nicht möglich.

Eine der Studien mit insgesamt 265 Frauen wurde nach etwa acht Jahren ausgewertet. Die andere Studie mit insgesamt 295 Frauen ist noch nicht beendet, es wurde eine Zwischenauswertung nach ungefähr 3 Jahren gemacht. Zusammengefasst erhielten 332 Frauen Olaparib und 228 Frauen eine Standardbetreuung (abwartendes Beobachten). Aus diesen Studien lassen sich erste Abschätzungen ableiten.

Welche Vorteile hat Olaparib?

Lebenserwartung: Die Studiendeuten auf einen Vorteil von Olaparib hin. In einer der beiden Studien zeigte sich, dass die Frauen etwa 2 Monate länger überlebten, wenn sie Olaparib einnahmen. Bei der Therapie mit Olaparib starben die Frauen im Mittel (Median) nach etwa 30 Monaten, bei der Standardbetreuung war das nach etwa 28 Monaten der Fall.

Welche Nachteile hat Olaparib?

Schwere Nebenwirkungen: Erste Abschätzungen deuten auf einen Nachteil von Olaparib im Vergleich zur üblichen Betreuung hin. Schwere Nebenwirkungen traten bei etwa 38 von 100 Frauen unter Olaparib auf, in der Vergleichsgruppe bei nur etwa 20 von 100 Frauen.

Schwere Blutarmut: Bei dieser Nebenwirkung deuten die Studien ebenfalls auf einen Nachteil von Olaparib hin. Eine schwere Blutarmut (Anämie) trat bei etwa 12 von 100 Frauen unter Olaparib auf, in der Vergleichsgruppe nur bei etwa einer von 100 Frauen.

Übelkeit und Erbrechen: Auch bei diesen Nebenwirkungen deuten erste Abschätzungen auf einen Nachteil von Olaparib hin.

  • Bei etwa 73 von 100 Personen, die mit Olaparib behandelt wurden, trat Übelkeit auf, in der Vergleichsgruppe nur bei etwa 35 von 100 Personen.
  • Bei etwa 35 von 100 Personen, die mit Olaparib behandelt wurden, trat Erbrechen auf, in der Vergleichsgruppe nur bei etwa 17 von 100 Personen.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

Kein Unterschied zeigte sich bei

  • der gesundheitsbezogenen Lebensqualität
  • dem Gesundheitszustand

Auch bei Therapieabbrüchen aufgrund von Nebenwirkungen gab es keinen Unterschied.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis des Gutachtens und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Olaparib (Lynparza).

https://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/369/